IfW hebt BIP-Wachstumsprognosen für 2021 und 2022 an


Von Andreas Kißler

KIEL/BERLIN (Dow Jones)--Trotz des fortwährenden Lockdowns und anziehender Infektionszahlen blickt das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) optimistischer auf die deutsche Wirtschaftsentwicklung als noch im Winter. Das Institut revidierte seine Konjunkturprognose nach oben und erwartet nun für 2021 einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,7 Prozent anstatt im Dezember 2020 erwarteter 3,1 Prozent und für 2022 um 4,8 Prozent anstelle von 4,5 Prozent. "Grund ist die aufwärtsgerichtete Industriekonjunktur durch das gute Auslandsgeschäft", erklärten die Ökonomen.

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Mit zunehmendem Impfschutz schiebe eine kräftige Nachfrage der privaten Haushalte dann auch die Binnenwirtschaft an. Die deutsche Wirtschaft dürfte allerdings mit einem deutlichen Dämpfer in das Jahr gestartet sein. Für das erste Quartal erwartet das IfW einen Rückgang des BIP um 2,7 Prozent, weil das Geschäft in den konsumnahen Dienstleistungen durch die seit November anhaltenden Lockdown-Maßnahmen in weiten Teilen zum Erliegen gekommen sei. Dass der Rückgang nicht noch höher ausfalle, sei der Industriekonjunktur zu verdanken, die von der Weltwirtschaftserholung profitiere.

"Die deutsche Konjunktur hat sich über das Winterhalbjahr deutlich gespreizt - während die Industrie weiter Boden gutmacht und auch durch die zweite Infektionswelle kaum aufgehalten wird, mussten kontaktintensive Dienstleister zurück in die Startlöcher", sagte IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths. "Die Industrie folgt dem V-förmigen Verlauf im Exportgeschäft, demgegenüber drückt die Pandemie der Konsumkonjunktur ein markantes W auf."

Breite Erholung im Sommerhalbjahr

Der Konjunkturprognose des IfW liegt die Erwartung zugrunde, dass aufgrund einer erfolgreichen Impfkampagne im Verlauf des Sommerhalbjahrs eine Erholung der Wirtschaft auf breiter Front einsetzt. Im zweiten und dritten Quartal dürfte das BIP nach den Kieler Berechnungen mit Raten zwischen 3 und 4 Prozent so kräftig anziehen, dass das Vorkrisenniveau schon vor dem Schlussquartal überschritten wird.

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Dem abermals drastischen Einbruch des privaten Konsums im Winterhalbjahr stünden massive Aufholeffekte in der zweiten Jahreshälfte gegenüber. Insgesamt staue sich bei den privaten Haushalten während der Pandemie Kaufkraft in Höhe von 230 Milliarden Euro auf, forciert auch durch Maßnahmen wie ein erhöhtes Kurzarbeitergeld oder den Kinderbonus. Die Exporte seien bereits seit Mitte vergangenen Jahres ununterbrochen auf Expansionskurs und dürften dank einer sich weiter aufhellenden Weltkonjunktur in diesem Jahr kräftig um 12,8 Prozent und im kommenden Jahr um weitere 5,6 Prozent zulegen.

"Das Auslandsgeschäft verhindert gegenwärtig einen stärkeren Konjunktureinbruch und wird die Erholung im laufenden Jahr entscheidend mittragen", konstatierte IfW-Präsident Gabriel Felbermayr. "Handelsbeschränkungen seitens der EU, etwa gegenüber dem Export von Impfstoffen, verschlechtern die weltweite Güterversorgung und unterminieren das deutsche Geschäftsmodell."

340 Milliarden Corona-Verlust

Mit dem Überschreiten des Vorkrisenniveaus seien die Folgen der Pandemie allerdings noch längst nicht ausgestanden. So liege die Wirtschaftsleistung zum Jahresende schätzungsweise 1,4 Prozent unter dem Niveau, das ohne die Pandemie zu erwarten gewesen wäre. Den pandemiebedingten Wertschöpfungsverlust veranschlagt das IfW für die Jahre 2020 bis 2022 auf 340 Milliarden Euro. Die Arbeitslosigkeit bleibe vor allem dank des Instruments der Kurzarbeit mit Quoten von 5,9 Prozent in diesem und 5,3 Prozent im kommenden Jahr vergleichsweise niedrig. Das Vorkrisenniveau der Beschäftigung dürfte im Lauf des Jahres 2022 erreicht werden.

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Die Inflationsrate dürfte im laufenden Jahr deutlich auf 2,3 Prozent anziehen und zwischenzeitlich auch die 3-Prozent-Marke reißen. Dabei sei das Klimapaket der Bundesregierung für 0,4 Punkte der Steigerung verantwortlich, die Erhöhung der Mehrwertsteuer für 1,2 Punkte. 2022 dürfte die Teuerungsrate wieder auf unter 2 Prozent zurückgehen. "Der Preisanstieg in diesem Jahr ist im Wesentlichen temporären Sonderfaktoren geschuldet und steht nicht für einen neuen Inflationstrend", betonte Kooths.

Das Defizit in den öffentlichen Haushalten dürfte im laufenden Jahr mit 4,6 Prozent nochmals etwas höher ausfallen als im vergangenen Jahr mit 4,2 Prozent. Erst im kommenden Jahr sinke es im Zuge der konjunkturellen Erholung und wegfallender pandemiebedingter Ausgaben auf 1,3 Prozent. Deutschlands Schuldenstand werde dann wieder knapp unter 70 Prozent liegen. "Mit der Erholung entfällt zugleich jede Grundlage für Staatsausgaben auf Pump im großen Stil", meinte Kooths.?"Ein?abermaliges Aussetzen der Schuldenbremse?ist?ökonomisch nicht?zu begründen."? Die nächste?Bundesregierung?stehe von Beginn an unter Konsolidierungsdruck.

Kontakt zum Autor: andreas.kissler@wsj.com

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March 18, 2021 06:41 ET (10:41 GMT)

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