IMK: Erholung beschleunigt sich, verläuft aber uneinheitlich


BERLIN (Dow Jones)--Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung hat seine Prognosen für die Entwicklung des deutschen Wirtschaftswachstums in diesem und im nächsten Jahr angehoben. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpft demnach in diesem Jahr um 5,2 Prozent anstatt um 6,2 Prozent, wie es die Düsseldorfer Ökonomen noch im Juni prognostiziert hatten. Für 2021 rechnen sie nun mit einem Wirtschaftswachstum von 4,9 Prozent und damit 1,1 Punkten mehr als erwartet. Die Erholung beschleunige sich, verlaufe aber uneinheitlich.

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Die deutsche Wirtschaft werde noch bis Ende 2021 brauchen, um wieder ihr Vorkrisenniveau zu erreichen. "Damit verläuft die Erholung hierzulande aber gleichzeitig etwas dynamischer als in anderen großen Euro-Ländern und den USA - und etwas schneller als noch vor kurzem erwartet", erklärte das IMK. Allerdings rechnen die Ökonomen nach einem starken dritten Quartal 2020 mit einer Abschwächung des Aufholprozesses.

Auch die Folgen auf dem Arbeitsmarkt sollen nach der neuen Prognose etwas weniger gravierend ausfallen als im Sommer angenommen: Die Zahl der Arbeitslosen steigt im Jahresdurchschnitt 2020 demnach um rund 450.000 Personen, sodass im Jahresmittel rund 2,71 Millionen Menschen ohne Job sein werden. 2021 dürfte die Arbeitslosenzahl wieder geringfügig um gut 20.000 Personen sinken. Die Arbeitslosenquote beträgt nach den Berechnungen in beiden Jahren 5,9 Prozent. Im Jahresmittel 2020 rechnet das IMK mit gut 3,35 Millionen Kurzarbeitern, 2021 mit knapp 680.000 im Jahresmittel.

Ausrüstungsinvestitionen gehen deutlich zurück

Allerdings erfasse die Erholung längst nicht alle Branchen und Wirtschaftsbereiche gleichermaßen: Die Ausrüstungsinvestitionen bleiben laut IMK auf absehbare Zeit die Schwachstelle der wirtschaftlichen Entwicklung und sollen auch Ende 2021 noch gut 10 Prozent niedriger liegen als zwei Jahre zuvor. Sie sinken nach der Prognose 2020 im Jahresdurchschnitt um 18,5 Prozent und nehmen dann 2021 lediglich um 6,6 Prozent zu. Die realen privaten Konsumausgaben brechen laut IMK in diesem Jahr um 5,4 Prozent ein und nehmen 2021 um 5 Prozent zu.

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Die weltwirtschaftliche Krise trifft die deutschen Ausfuhren nach der Prognose in diesem Jahr schwer. Das IMK rechnet mit einem Rückgang der Exporte um 11,1 Prozent. Die Importe brechen ebenfalls ein und nehmen um 8,2 Prozent ab. Im kommenden Jahr erhole sich der Außenhandel dann, die Verluste könnten aber zunächst nicht aufgeholt werden: Die Exporte nehmen nach der Prognose im Jahresmittel 2021 um 9,9 Prozent zu und die Importe um 7,9 Prozent.

Die geringe Nachfrage im In- und Ausland belaste die auf Investitionsgüter spezialisierten Branchen der deutschen Industrie stark. "Die Bundesregierung sollte vorbereitet sein, bei Bedarf mit zusätzlichen Investitionen rasch gegenzusteuern", empfahlen die Ökonomen. Finanzieller Spielraum sei nach der Prognose weiterhin vorhanden: Die Schuldenstandsquote des Staates werde 2020 unter 70 Prozent des BIP bleiben und schon 2021 wieder leicht sinken.

Forscher loben entschlossene Krisenpolitik

Dass die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen des coronabedingten wirtschaftlichen Einbruchs bislang bei allen Härten beherrschbar geblieben sind, rechneten die Wissenschaftler des IMK in ihrer Analyse "zu einem erheblichen Umfang der entschlossenen Krisenpolitik" der Bundesregierung zu. Die Maßnahmen zur Stützung von Konjunktur, Unternehmen und Einkommen, insbesondere durch das Kurzarbeitergeld, hätten sich bislang bewährt. Auch den Anti-Krisen-Maßnahmen der Europäischen Zentralbank und der EU attestierten sie eine positive Wirkung.

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Allerdings sah das IMK erhebliche Risiken, die das wahrscheinlichste Szenario einer kontinuierlichen Erholung in Frage stellen könnten. Dazu zählten sie neben einer erneuten großflächigen Infektionswelle den Kurs der USA nach den Präsidentschaftswahlen, einen ungeordneten Brexit sowie die Frage, ob die exportabhängigen Bereiche der deutschen Industrie und vor allem die Automobilindustrie aus der zum Teil schon vor der Pandemie begonnenen Rezession herausfänden.

Für den Fall, dass die weit verbreitete Unsicherheit zu einer hartnäckigen Investitionszurückhaltung führe, solle die Regierung "bereits zum jetzigen Zeitpunkt weitere Maßnahmen planen, mit denen sie gegebenenfalls zügig nachfragesteigend wirken kann". Dabei empfahl das IMK einen Schwerpunkt bei Investitionen, die ohnehin dringend notwendig seien - so seien immense private und öffentliche Investitionen zur Begrenzung des Klimawandels erforderlich. Je schneller diese begonnen würden, desto stabiler werde die Erholung ausfallen.

Kontakt zum Autor: andreas.kissler@wsj.com

DJG/ank/kla

(END) Dow Jones Newswires

September 30, 2020 03:30 ET (07:30 GMT)

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