Interne Streitigkeiten

Volkswagen-Aktie im Blick: Machtkampf im VW-Vorstand blockiert Schlüsselposten


Volkswagen-Aktie im Blick: Machtkampf im VW-Vorstand blockiert Schlüsselposten

Ein interner Streit bei Volkswagen verzögert eine wichtige Personalentscheidung im Vorstand und legt tiefere Spannungen im Konzern offen.

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  • Streit zwischen Arbeitnehmern und Eigentümern blockiert VW-Vorstandsposten
  • Bosch-Managerin Erika Rasch gilt als Favoritin für den Personalvorstand
  • VW-Chef Blume beziffert mögliche Jobstreichungen auf 50.000 weltweit
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Ein interner Machtkampf bei Volkswagen verhindert derzeit die Neubesetzung einer Schlüsselposition im Vorstand. Bei der Aufsichtsratssitzung vom 9. Juli kam es nicht zur erwarteten Entscheidung: Ein Jahr nach dem Abgang von Personalvorstand Gunnar Kilian sollte Europas größter Autobauer endlich wieder einen Arbeitsdirektor bekommen, oder genauer: eine Arbeitsdirektorin. Stattdessen wurde die Personalie erneut vertagt.

Für Anleger ist das mehr als eine reine Personalfrage: Die blockierte Neubesetzung zeigt, wie tief die Gräben zwischen Arbeitnehmer- und Eigentümerseite inzwischen reichen, ausgerechnet in einer Phase, in der Volkswagen einen der größten Umbauten seiner Geschichte stemmen muss.

Wer den Vorstandsposten blockiert

Aktuell führt Markenchef Thomas Schäfer die Personalabteilung übergangsweise, während Personalchef Arne Meiswinkel das Tagesgeschäft organisiert. Als Favoritin für den freien Posten gilt Bosch-Managerin Erika Rasch, die beim Autozulieferer bereits das Personalressort verantwortet. Laut dem Handelsblatt verzögert jedoch ein Streit zwischen Arbeitnehmer- und Eigentümerseite den Prozess. Die Arbeitnehmervertreter sollen ihre Zustimmung zu Rasch an eine Bedingung geknüpft haben: Sie forderten die Schaffung einer neuen Technologie-Abteilung unter einem eigenen CTO, der Technik, Entwicklung und Einkauf bündeln sollte. Für diesen Posten hatte die Gewerkschaftsseite einen eigenen Kandidaten im Blick. Die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch sollen mit dieser Konstruktion jedoch nicht einverstanden gewesen sein, wie das Handelsblatt weiter berichtet. Weil sich beide Lager nicht einigen konnten, wurde am Ende auch die Entscheidung über Raschs Ernennung verschoben, ein klassisches Patt zwischen zwei Blockademehrheiten im Kontrollgremium.

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Volkswagen-Vorstand seit über einem Jahr ohne Arbeitsdirektor

Die Personalie zieht sich bereits deutlich länger hin, als es der aktuelle Streit vermuten lässt. Kilian schied bereits vor rund einem Jahr aus dem Vorstand aus, seither blieb der Posten unbesetzt. Mehrere frühere Anläufe für eine Nachbesetzung scheiterten laut dem Handelsblatt, weil sich Vertreter der Aktionäre und des Betriebsrats nicht auf eine Kandidatin oder einen Kandidaten verständigen konnten. Dass ein derart zentraler Vorstandsposten so lange offenbleibt, ist im DAX-Konzern ungewöhnlich und fällt in eine Phase, in der Volkswagen eigentlich Entscheidungsfähigkeit in Personalfragen beweisen müsste. Schließlich verhandelt der Konzern parallel über weitreichende Einschnitte bei der eigenen Belegschaft, was den ungeklärten Führungsposten im Personalressort zusätzlich in ein unvorteilhaftes Licht rückt.

VW-Chef Blume beziffert Ausmaß des Stellenabbaus

Der Machtkampf um die Vorstandsbesetzung ist nur ein Teil des tiefgreifenden Konzernumbaus. Parallel dazu treibt Volkswagen sein milliardenschweres Sparprogramm voran. Mitten im Ringen um die Zukunft des größten europäischen Autobauers hat Konzernchef Oliver Blume erstmals das mögliche Ausmaß der erwarteten Einschnitte beziffert. Ohne eine Veränderung der Arbeitskosten würde sich laut einem internen Interview im Volkswagen-Intranet nach Blumes eigenen Worten eine "theoretische Ableitung ohne Veränderung der Arbeitskosten rund 50.000 Stellen weltweit ergeben". Diese Zahl leitet sich Blume zufolge aus dem Vorhaben ab, die Kosten für Verwaltung, Infrastruktur und Unterstützung des Kerngeschäfts auf ein wettbewerbsfähiges Niveau zu senken. Die entsprechenden Kosten lägen bei Volkswagen noch um 20 Prozent über dem Durchschnitt vergleichbarer Unternehmen. Derzeit werde in allen Marken, Gesellschaften und Regionen ermittelt, welche Anpassungen nötig und möglich seien, so Blume weiter. Damit deutete er zugleich an, dass auch das genaue Ausmaß des Personalabbaus wohl noch nicht feststeht.

Was das für Volkswagen bedeutet

Offiziell betont Volkswagen bei jeder Gelegenheit die Dringlichkeit des Konzernumbaus und die Notwendigkeit schneller, klarer Entscheidungen. Genau daran gemessen wirkt es bemerkenswert, dass selbst eine seit Monaten vorbereitete Personalie am Widerstand zwischen Arbeitnehmer- und Eigentümerseite scheitert. Der Streit um die neue Technologie-Abteilung zeigt, dass es längst nicht mehr nur um einzelne Personen geht, sondern um die grundsätzliche Frage, wer künftig über Zuschnitt und Machtverteilung im Konzern entscheidet. Solange dieser Grundsatzkonflikt zwischen Kapital- und Arbeitnehmerseite nicht gelöst ist, dürfte sich die Suche nach einer Arbeitsdirektorin weiter hinziehen, mit dem Risiko, dass auch andere anstehende Strukturentscheidungen bei Volkswagen ähnlich blockiert werden.

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Zu beachten bleibt: Der Ausgang des internen Machtkampfs ist offen, ebenso das endgültige Ausmaß des angekündigten Stellenabbaus. Beides kann sich kurzfristig ändern und birgt Risiken für die weitere Entwicklung von Volkswagen, etwa durch zusätzliche Verzögerungen im Konzernumbau oder eine Verschärfung der Auseinandersetzung mit der Arbeitnehmerseite.

So reagiert die VW-Aktie

Trotz der aktuellen unruhigen Gemengelage zeigt sich die VW-Aktie relativ unaufgeregt: Im XETRA-Handel am Donnerstag gibt das Papier stellenweise moderate 0,48 Prozent auf 74,04 Euro nach.

Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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Bildquellen: pokchu / Shutterstock.com, Bocman1973 / Shutterstock.com

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10.07.26 Volkswagen (VW) vz Neutral JP Morgan Chase & Co.
10.07.26 Volkswagen (VW) vz Buy Jefferies & Company Inc.