"SpaceX-Aktie wird höchstwahrscheinlich kollabieren": Warum Börsenveteran Jeremy Grantham vor dem Crash warnt
Starinvestor Jeremy Grantham hält nichts von dem Hype um die SpaceX-Aktie. Während sich Analysten großer Banken mit Kurszielen für den Musk-Konzern fast überbieten, prophezeit er den Crash.
• Jeremy Grantham hält die SpaceX-Bewertung für massiv überzogen
• Langfristig erwartet er mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent den Crash
• Düsteres Bild für Zukunft der Menschheit, falls SpaceX-Bewertung gerechtferigt wäre
Die Börsengeschichte ist reich an Euphoriephasen, in denen Anleger bereit waren, nahezu jeden Preis für vermeintliche Zukunftsunternehmen zu bezahlen. Für den legendären Value-Investor und GMO-Mitgründer Jeremy Grantham reiht sich der Hype um die SpaceX-Aktie in genau diese Tradition ein - allerdings in einer bislang unerreichten Größenordnung. In einem Interview mit "Morningstar" bezeichnete Grantham den Börsengang des Weltraumunternehmens, der am 12. Juni stattfand, als das "verrückteste IPO in der Geschichte der Menschheit" und äußerte erhebliche Zweifel an der hohen Bewertung des Musk-Konzerns.
Grantham: Bewertung überzogen, kurzfristige Kursgewinne dennoch möglich und wahrscheinlich
Wie Grantham gegenüber "Morningstar" sagte, sei die Bewertung von SpaceX, die derzeit bei 1,85 Billionen US-Dollar liegt (Stand: Schlusskurs vom 14. Juli 2026), nur unter extrem optimistischen Prognosen zu rechtfertigen. Er verwies dabei darauf, dass das Unternehmen "tief in den roten Zahlen steckt" und ein erheblicher Teil der Annahmen aus dem Börsenprospekt, die die Bewertung rechtfertigen sollten, auf zukünftigen Entwicklungen im Bereich der Künstliche Intelligenz beruhten. Dabei sei das KI-Angebot von SpaceX derzeit nur "drittklassig" und werde von Konkurrenten wie Anthropic, OpenAI und Co. regelrecht deklassiert. Zudem werde der größte Teil der im Börsenprospekt skizzierten Raumfahrtvorhaben "von den meisten ernsthaften Physikern und Fachleuten als völlig undenkbar angesehen".
Trotz seiner fundamentalen Kritik schließt Grantham aber keineswegs aus, dass die SpaceX-Aktie zunächst noch deutlich steigen könnte. Als Grund nannte er vor allem strukturelle Nachfrageeffekte. So argumentiert er, dass zahlreiche institutionelle Anleger und Indexfonds gezwungen seien, den Anteilsschein zu kaufen, nachdem das Papier in den NASDAQ 100 aufgenommen wurde. Gleichzeitig sei das Angebot an frei handelbaren Aktien jedoch begrenzt. Dieses Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage dürfte den Kurs kurzfristig noch erheblich antreiben - unabhängig von der tatsächlichen Unternehmensbewertung.
Grantham zur SpaceX-Aktie: "Es wäre erstaunlich, wenn sie nicht kollabiert"
Langfristig erwartet Grantham jedoch eine Rückkehr zur wirtschaftlichen Realität. "Letztlich wird die Wahrheit ans Licht kommen, und das Ganze wird sich als eines jener historischen Schlüsselereignisse erweisen, die ich so schätze", sagte er gegenüber "Morningstar". Es wäre "erstaunlich, wenn sie [die Bewertung der SpaceX-Aktie; Anm. d. Red.] nicht kollabiert, denn sie würde derart massive Fortschritte in der KI-Entwicklung benötigen, dass unser gesamtes Leben völlig anders aussehen müsste", so Grantham weiter.
Nach seiner Einschätzung gibt es daher lediglich zwei denkbare Szenarien: Entweder wird sich die Bewertung letztlich als unbegründet erweisen und die SpaceX-Aktie massiv korrigieren. Oder die enormen Erwartungen an die Leistungsfähigkeit Künstlicher Intelligenz werden tatsächlich erfüllt. In diesem Fall, so Grantham, stünde die Gesellschaft allerdings vor tiefgreifenden Veränderungen, die weit über wirtschaftliche Fragen hinausgingen. "Wenn der Preis [der SpaceX-Aktie; Anm. d. Red.] gerechtfertigt ist, leben wir in einer seltsamen Welt, und wir hätten Glück, wenn uns unsere Automaten-Freunde nicht herumkommandieren", so der Starinvestor. Dieses Szenario bezeichnete er angesichts der "fast chronisch fehlenden Kontrollen" bei KI zudem als "geradezu erschreckend". Er selbst gehe allerdings mit einer Wahrscheinlichkeit von "mindestens 90 Prozent" von dem Crash-Szenario aus.
Damit positioniert sich der Value-Investor etwas anders als viele Analysten, die die SpaceX-Aktie in den Wochen nach dem Börsengang in ihre Abdeckung aufgenommen haben und eine extrem bullishe Sichtweise vertreten. Laut "TipRanks" liegt das durchschnittliche Kursziel aus 28 Ratings derzeit bei 245,32 US-Dollar und signalisiert somit ein Aufwärtspotenzial von rund 80,3 Prozent ausgehend vom letzten Schlusskurs der SpaceX-Aktie an der NASDAQ von 136,08 US-Dollar (Stand: Schlusskurs vom 14. Juli 2026). Die Spanne der Kursziele reicht dabei von 115 bis 800 US-Dollar - mit der Mehrheit im Bereich zwischen 200 und 250 US-Dollar - und zahlreiche bekannte Investmentfirmen wie Wells Fargo, Citigroup, Deutsche Bank, Morgan Stanley, Goldman Sachs, UBS oder JPMorgan haben dem Anteilsschein ein "Buy"-Rating verpasst. Analyst Eric Sheridan von Goldman Sachs begründete dies beispielsweise damit, dass er die Chancen für den Satelliten- und KI-Konzern von Elon Musk aktuell etwa doppelt so hoch einschätzt wie die Risiken, da die adressierten Märkte Weltraum, Kommunikation und KI massives Wachstumspotenzial besäßen.
Wo Erwartung und Bilanz auseinanderlaufen
Die Unterschiede zwischen der Analystenzunft und Jeremy Grantham bei der SpaceX-Einschätzung entstehen also letztlich durch die Kluft zwischen tatsächlichen Zahlen, Wachstumsversprechen und vor allem wahrgenommenen - oder eben nicht wahrgenommenen - Chancen. Die bisherigen Bilanzen sprechen dabei eine eindeutige Sprache: So wies SpaceX im vergangenen Geschäftsjahr bei einem Umsatz von rund 18,67 Milliarden US-Dollar einen Nettoverlust von etwa 4,94 Milliarden US-Dollar aus. Im ersten Quartal 2026 lief nach Unternehmensangaben bereits ein Verlust von rund 4,25 Milliarden US-Dollar auf - bei rund 4,7 Milliarden US-Dollar Umsatz.
Während sich jedoch die Analysten von Goldman Sachs, Deutsche Bank, Morgan Stanley und Co. trotz der tiefroten Zahlen zuversichtlich zeigen, sich auf die vermeintlichen Chancen konzentrieren und ihre Kursziele auf die langfristige Größe der adressierten Märkte stützen, argumentiert Grantham, dass ein Großteil der aktuellen Bewertung auf Projekten wie KI-Rechenzentren im All, Marskolonisation oder Asteroidenbergbau beruht, deren Machbarkeit und wirtschaftlicher Nutzen bislang nicht belegt sind.
Musk als Ausnahmeerscheinung
Doch trotz aller Kritik würdigte Grantham gegenüber "Morningstar" die unternehmerischen Fähigkeiten von SpaceX-Gründer und Tesla-Chef Elon Musk. Musk habe in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass er den Preis einer Aktie auf das fünf- oder sechsfache des fairen Wertes "hochreden" könne, woraufhin er dann die hohe Börsenbewertungen genutzt habe, um frisches Kapital einzusammeln und dieses in den Aufbau großer Produktionskapazitäten zu investieren, resümierte der erfahrene Investor. Auf diese Weise sei es Musk beispielsweise bei Tesla gelungen, hohe Erwartungen der Anleger in reale Unternehmenswerte umzuwandeln. "Man verwandelt Überzeugungskraft und Selbstvertrauen in echten Mehrwert", so Grantham.
Gleichzeitig warnte er jedoch davor, den Erfolg, den Elon Musk mit dieser "Propaganda"-Strategie habe, zu verallgemeinern. Viele andere Firmen hätten versucht, eine ähnliche Geschichte zu erzählen, seien jedoch langfristig gescheitert. Es gebe nur "eins von hundert Projekten, bei dem der Bullshit tatsächlich in echtes Geld verwandelt wird", sagte Grantham. Ob Musk das nun mit SpaceX auch gelingen werde, sei fraglich - und möglicherweise auch überhaupt nicht erstrebenswert: "Wenn die KI tatsächlich so gut wird, dass die [SpaceX-Bewertung] als Schnäppchen erscheint, und sie zugleich so mächtig ist, dass unser Leben massiv gefährdet ist, dann würde ich unserer Spezies so etwas keinesfalls wünschen. Wir sollten also hoffen, dass es sich nur um einen Hype handelt - denn wenn dem nicht so ist, steht uns etwas weitaus Schlimmeres bevor".
Carolin Ludwig, Redaktion finanzen.net
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Bildquellen: Lane Turner/Boston Globe/Getty Images, Kevork Djansezian/Getty Images
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Alle: Alle Empfehlungen
| Datum | Rating | Analyst | |
|---|---|---|---|
| 14.07.26 | SpaceX Buy | Deutsche Bank AG | |
| 13.07.26 | SpaceX Outperform | Bernstein Research | |
| 09.07.26 | SpaceX Buy | UBS AG | |
| 07.07.26 | SpaceX Buy | Deutsche Bank AG | |
| 07.07.26 | SpaceX Overweight | JP Morgan Chase & Co. |
