Bewertung im Fokus

SpaceX-Aktie steigt nach Rekord-Börsengang weiter: Experten zwischen Kaufrausch und Verkaufswarnung

15.06.26 22:02 Uhr

NASDAQ-Titel SpaceX hebt weiter ab: Warum Experten bei der Aktie so uneinig sind | finanzen.net

Am ersten Handelstag schoss die SpaceX-Aktie um 19 Prozent nach oben. Doch kaum an der Börse, klafft das Analystenbild so weit auseinander wie selten bei einem Mega-IPO.

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• SpaceX-Aktie steigt nach fulminantem Börsendebüt weiter
• Experten sind uneins über SpaceX-Bewertung
• Quartalsbericht im September im Fokus

SpaceX hat am 12. Juni 2026 den nach Emissionsvolumen größten Börsengang der Geschichte hingelegt. Die Aktie eröffnete bei 150 US-Dollar, stieg zwischenzeitlich auf 176,52 US-Dollar und schloss den ersten Handelstag bei 160,95 US-Dollar ab, was einem Plus von 19,22 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis von 135 US-Dollar entsprach. Die Marktkapitalisierung lag damit bei mehr als zwei Billionen US-Dollar. Elon Musk wurde zum somit zum ersten Billionär der Geschichte.

Nach seinem fulminanten Börsendebüt blieb das Raumfahrt-Papier auch am zweiten Handelstag im Blick der Anleger. Am Montag ging es für das Papier im NASDAQ-Handel letztlich um 20,09 Prozent nach oben auf 188,63 US-Dollar. Daneben steht die Aktie auch im Fokus der Experten.

Wolfe Research setzt auf Starship als Schlüssel

Wolfe Research-Analystin Emilee Deutchman nahm die Aktie laut TipRanks mit einem Kursziel von 175 US-Dollar bis Ende 2027 in die Bewertung auf, was einem Aufwärtspotenzial von fast 9 Prozent gegenüber dem letzten Schlusskurs entspricht. Ihr Modell basiert auf dem 16-fachen des erwarteten Umsatzes für 2028 und setzt voraus, dass Starship noch in diesem Jahr erste Nutzlastflüge absolviert.

Daneben sticht auch die Einschätzung von Oppenheimer hervor: Das Haus initiierte die Abdeckung mit einem Kaufvotum und einem Kursziel von 190 US-Dollar, wie Kiplinger berichtet. Beide Häuser teilen die Überzeugung, dass SpaceX durch seine intern extrem niedrigen Startkosten einen der stärksten Wettbewerbsvorteile im gesamten Luft- und Raumfahrtsektor besitzt und bis 2030 ein EBITDA von mehr als 90 Milliarden US-Dollar erzielen könnte.

ARK kauft, CFRA verkauft

Cathie Woods ARK-ETFs veröffentlichten zudem am 14. Juni ihre Handelsdaten für den Vortag und signalisierten damit eine Neuausrichtung. Über vier ETFs erwarb ARK insgesamt 3,29 Millionen SpaceX-Aktien für zusammen 444,3 Millionen US-Dollar. Damit ist SpaceX zur gewichtigsten Neuposition im ARK-Universum geworden, wie Investing.com erklärt. Gleichzeitig baute ARK bestehende Technologie- und Medizinpositionen ab. ARK-Chefin Cathie Wood hatte bereits im Dezember 2025 in einem Monte-Carlo-Modell einen Unternehmenswert von 2,5 Billionen US-Dollar bis 2030 als Basisszenario errechnet.

Am anderen Ende des Spektrums steht derweil CFRA. Analyst Keith Snyder vergab ein Verkaufsvotum mit einem Kursziel von 115 US-Dollar, deutlich unterhalb des IPO-Preises, und bezeichnete die Bewertung als nahezu absurd angesichts der dafür nötigen Wachstumsraten. Snyder warnte, die Investitionsthese verlange von Anlegern, mehrere schwierige Annahmen gleichzeitig zu unterstellen.

Morningstar: Selbst der Moonshot reicht kaum

Morningstar bewertet die Aktie auf Basis eines wahrscheinlichkeitsgewichteten Drei-Szenarien-Modells sogar mit lediglich 63 US-Dollar je Aktie, einem Abschlag von 53 Prozent zum Ausgabepreis. Analyst Nicolas Owens betont, das Ergebnis sei weniger Ausdruck von Skepsis als von Mathematik: Die enorme Bandbreite möglicher Geschäftsverläufe lasse sich nicht auf eine einzige Zahl verdichten. Selbst im optimistischsten Szenario, dem "Mondlandungsszenario", käme SpaceX auf einen inneren Wert von etwa 154 US-Dollar je Aktie. Diesem Fall misst Morningstar allerdings nur eine Wahrscheinlichkeit von 7 Prozent zu. Entscheidend ist dabei die Ausgangslage des Unternehmens: SpaceX hat seit Gründung im Jahr 2002 kumulierte Verluste von 41,3 Milliarden US-Dollar angehäuft; allein 2025 schlug bei einem Umsatz von 18,7 Milliarden US-Dollar ein Nettoverlust von 4,9 Milliarden US-Dollar zu Buche. Der einzige dauerhaft profitable Bereich sei das Starlink-Segment; auch die KI-Sparte rund um xAI verbrenne weiterhin Milliarden.

Bewertungsrisiken und Musk-Klumpenrisiko

Die Bewertung bleibt der entscheidende Stolperstein. Dazu kommt ein strukturelles Risiko, das keinem anderen Unternehmen dieser Größenordnung anhaftet: Elon Musk hält rund 83,8 Prozent der Stimmrechte und führt gleichzeitig Tesla, X und mehrere weitere Unternehmen. Reputationsschäden, politische Kontroversen oder operative Fehlentscheidungen bei einem dieser Vehikel dürften auch SpaceX-Aktionäre treffen, ohne dass sie darauf Einfluss nehmen könnten.

Die erste Handelswoche als Stresstest

Zwei Handelstage allein liefern allerdings noch kein Urteil, sondern nur eine Ausgangslage. Für die laufende Woche rücken drei Beobachtungspunkte in den Vordergrund: Erstens, ob SpaceX die Unterstützung bei 158 US-Dollar hält oder in Richtung des Eröffnungskurses von 150 US-Dollar nachgibt. Zweitens, wie viele weitere Analystenstimmen folgen, nachdem Morningstar, Wolfe Research und Oppenheimer den Anfang gemacht haben. Und Drittens, ob der Lock-up-Zeitplan von Musk, der seine Anteile 366 Tage lang nicht verkaufen darf, als Vertrauenssignal ausreicht, um die Volatilität eines Titels mit geringem Streubesitz zu dämpfen. Als nächstes gerät dann der 2. September 2026 mit dem ersten regulären Quartalsbericht in den Fokus der Anleger.

Evelyn Schmal, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net

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