SpaceX am ersten Handelstag: Aktie wohl mit deutlichem Aufschlag auf Ausgabepreis

Der Rekord-Börsengang von SpaceX ist perfekt. Nach dem Start an der NASDAQ deutet sich ein deutlicher Aufschlag auf den Ausgabepreis an.
Werte in diesem Artikel
• 75 Milliarden Dollar beim Rekord-IPO eingesammelt
• Indikationen deuten deutlichen Aufschlag auf den Ausgabepreis an
• Starlink trägt Wachstum trotz hoher Investitionen in Starship
Das unter anderem für seinen Satelliteninternet-Dienst Starlink bekannte Unternehmen verkaufte rund 555,6 Millionen Aktien zum Ausgabepreis von 135 Dollar - und nimmt damit 75 Milliarden Dollar (64,8 Mrd Euro) ein. Am Freitag hat der Handel der Aktie begonnen. Beim zuvor größten Börsengang hatte die saudi-arabische Ölfirma Aramco im Jahr 2019 gut 29 Milliarden Dollar eingenommen.
SpaceX debütiert damit an der Börse wie geplant mit einer Bewertung von 1,77 Billionen Dollar - und ist aus dem Stand mehr wert als etwa der Facebook-Konzern Meta. Musk wird mit dem Börsengang zum ersten Menschen mit einem Vermögen von mehr als einer Billion Dollar - zumindest auf dem Papier, gemessen am Wert seiner SpaceX-Aktien und Anteile am ebenfalls von ihm geführten Elektroautobauer Tesla.
Vorgeschmack für deutsche Anleger
Lang & Schwarz stellte für die SpaceX-Aktie bereits am Donnerstag einen indikativen Kurs von 183,00 Euro - ein Aufschlag von 9,58 Prozent. Der außerbörsliche Pre-IPO-Handel gibt Anlegern einen ersten Stimmungsindikator, ist aber nicht mit dem regulären Börsenhandel nach NASDAQ-Start gleichzusetzen.
SpaceX vor Rekord-Börsengang bereits enorm gefragt
Im inoffiziellen, unregulierten und außerbörslichen Handel (Graumarkt) wurden die Aktien der Weltraumfirma bereits mit deutlichen Aufschlägen gehandelt.
Der Handel mit Derivaten im Vorfeld des Börsengangs von SpaceX deutete auf einen Kursgewinn zwischen 30 und 50 Prozent hin, da Privatanleger in Scharen auf den mit Spannung erwarteten Börsengang zuströmen. Vom Handelshaus IG International angebotene Derivate etwa ließen in Singapur einen Marktwert von 2,4 Billionen Dollar vermuten, was einen Gewinn von mehr als 35 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis bedeuten würde. An SpaceX gebundene unbefristete Futures (Perpetual Futures) - also Kontrakte ohne Ablaufdatum - wurden auf der Krypto-Handelsplattform Hyperliquid zu einem Kurs von rund 180 Dollar gehandelt, was einer Bewertung von mehr als 2,3 Billionen Dollar entspricht.
"Perpetual Futures sind von Bedeutung, da sie die gehebelten Markterwartungen in Echtzeit widerspiegeln", sagte Marktbeobachter Stephen Innes. Die Kombination aus hohem Handelsvolumen und hoher Gesamtzahl ausstehender Derivatkontrakte deute darauf hin, dass es sich hierbei um mehr als nur einen vorübergehenden Schlagzeilen-Trade handelt.
Eine Marktbewertung von SpaceX zum Börsenschluss des ersten Handelstages über zwei Billionen Dollar würde Innes zufolge den nächsten Mega-Börsengängen im KI-Bereich eine aussagekräftige Bewertungsvorlage liefern und den Bankern signalisieren, dass der Aktienmarkt auch extreme Größenordnungen verkraften kann. In den Startlöchern stehen der ChatGPT-Erfinder OpenAI und sein Rivale Anthropic.
Im regulären Handel dauert es jedoch etwas, bis der erste Kurs von SpaceX feststeht. "Anleger sollten bedenken, dass US-Börsengänge in der Regel zu Beginn des Handelstages eine Eröffnungsauktion durchlaufen, die mehrere Stunden dauern kann", sagte Analyst Matt Britzman von der britischen Investmentgesellschaft Hargreaves Lansdown.
SpaceX wohl mit deutlichem Aufschlag auf Ausgabepreis
Die Aktie des Raumfahrtkonzerns SpaceX von Elon Musk dürfte beim Rekordbörsengang mit einem spürbaren Aufschlag auf den Ausgabepreis starten. Die Indikationen für den ersten Kurs lauteten am Freitagnachmittag an der Tech-Börse Nasdaq zuletzt auf 160 US-Dollar. Das wäre ein Aufschlag von knapp 19 Prozent auf den Ausgabepreis von 135 Dollar.
Die Marktbewertung von SpaceX an der Börse läge damit bei rund 2,1 Billionen Dollar. Zuvor hatten frühere Indikationen den ersten Kurs noch höher bei bis zu 175 Dollar geschätzt.
Milliardenverluste in SpaceX-Bilanz
Die reinen Geschäftszahlen von SpaceX stehen in krassem Kontrast zum Börsenwert - die Anleger zahlen eher für die Hoffnung auf künftige Erfolge. So gab es im vergangenen Jahr Verluste von rund 4,94 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 18,67 Milliarden Dollar (gut 16 Milliarden Euro).
Im ersten Quartal dieses Jahres verbuchte SpaceX ein Minus von 4,28 Milliarden Dollar bei rund 4,7 Milliarden Dollar Umsatz. Ein Grund für die roten Zahlen sind die hohen Kosten für die Entwicklung der großen Rakete Starship.
In Starship investierte SpaceX insgesamt mehr als 15 Milliarden Dollar. Die Firmenleitung geht davon aus, dass die Rakete nach Abschluss aller Tests im zweiten Halbjahr kommerzielle Flüge absolvieren kann. Sie soll die Kosten für die Beförderung ins All deutlich senken. Mit Starship sollen auch Starlink-Satelliten in die Umlaufbahn gebracht werden, die Internet aus dem All direkt auf Smartphones nutzbar machen.
Bessere Zahlen dank Starlink
Starlink ist der zentrale Geldbringer von SpaceX und machte im ersten Quartal 3,26 Milliarden Dollar Umsatz. Der Satelliteninternet-Dienst hat inzwischen rund 10,3 Millionen Kunden in 164 Ländern.
In der Zukunft soll Künstliche Intelligenz das größte Geschäft sein - auch durch Rechenzentren im All. Die Idee dahinter ist, dass die Sonne dort viel Energie liefern kann. Skeptiker verweisen allerdings auf Probleme wie die erheblichen Aufbaukosten, eine trotz der niedrigen Temperaturen im All schwierige Kühlung sowie die Strahlung, die Schaltkreise beschädigen könne.
Musk hat das Sagen
Musk wird mit einem Stimmrechtsanteil von mehr als 80 Prozent auch nach dem Börsengang die volle Kontrolle über SpaceX behalten. Basis dafür sind Aktien mit mehr Stimmrechten.
Anders als bei vielen anderen Börsengängen legte SpaceX den Ausgabepreis von 135 Dollar vorab selbst fest. Üblicherweise nennen Unternehmen zunächst eine Spanne - und ermitteln den Preis dann basierend auf dem Interesse der Investoren.
Geldregen für frühe Investoren
Für frühe Geldgeber von SpaceX wird der Börsengang zu einem Geldregen. So hält die Investmentfirma Founders Fund von Musks langjährigem Weggefährten Peter Thiel laut dem Finanzdienst Bloomberg einen Anteil von etwa drei Prozent, der für rund 600 Millionen Dollar erworben worden sei. Die Beteiligung ist zum Ausgabepreis mehr als 50 Milliarden Dollar wert. Der Risikofinanzierer Sequoia Capital habe rund 2 Milliarden Dollar investiert - und halte nun einen mehr als 20 Milliarden Dollar schweren Anteil.
Claudia Stephan, Martina Köhler, Julia Walter, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX
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