Historischer Börsengang

SpaceX-Aktie offiziell an der Börse: Mega-IPO schlägt alle Rekorde - Unternehmen mehr wert als Meta und Tesla

12.06.26 22:10 Uhr

Elon Musk liefert ab: Börsengang der SpaceX-Aktie an der NASDAQ sprengt alle Dimensionen | finanzen.net

SpaceX wagt den historischen Sprung aufs Parkett und lässt die Wall Street beben. Doch ist das größte Börsendebüt der Geschichte ein Jahrhundert-Investment oder nur ein gefährlicher Hype?

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• Rekord-IPO mit rund 75 Milliarden US-Dollar Emissionsvolumen
• Hohe Erwartungen an Starlink, Raumfahrtgeschäft und KI-Strategie
• Unternehmen weiter defizitär

Mit dem heutigen Läuten der Eröffnungsglocke an der Technologiebörse NASDAQ hat das Raumfahrt- und Technologieunternehmen SpaceX sein viel beachtetes Börsendebüt gegeben. Der Gang aufs Parkett gilt aufgrund des enormen Volumens als einer der bedeutendsten Meilensteine an den Finanzmärkten der letzten Jahre. Bereits in den ersten Handelsminuten zeichnete sich ein reges Interesse der Marktteilnehmer ab. Der erste festgestellte Kurs der SpaceX-Aktie lag bei 150 US-Dollar und notierte damit gut 11 Prozent über dem ohnehin ambitionierten Ausgabepreis von 135 US-Dollar. Die Bewertung von SpaceX erreichte mit dem ersten Kurs knapp zwei Billionen Dollar. Die hohe Nachfrage spiegelte sich auch im weiteren Verlauf des ersten Handelstages wider, den das Papier letztlich 19,17 Prozent höher bei 161,33 US-Dollar beendete.

Historische Dimensionen an der Wall Street

Die Dimensionen dieses Börsengangs setzen neue Maßstäbe auf dem Parkett. Das unter anderem für seinen Satelliteninternet-Dienst Starlink bekannte SpaceX verkaufte rund 555,6 Millionen Aktien zum Ausgabepreis von 135 Dollar - und nahm damit 75 Milliarden Dollar (64,8 Mrd Euro) ein. Beim zuvor größten Börsengang hatte die saudi-arabische Ölfirma Aramco im Jahr 2019 gut 29 Milliarden Dollar eingenommen.

SpaceX war bereits zum Ausgabepreis mit 1,77 Billionen Dollar mehr wert als etwa der Facebook-Konzern Meta, der aktuell 1,45 Billionen Dollar auf die Waagschale bringt. Auch den Elektroautobauer Tesla ließ SpaceX damit hinter sich.

Und damit war das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Denn nach dem ersten Kurs von 150 Dollar kletterten die SpaceX-Titel weiter und erreichten zeitweise fast den Höhepunkt der vorbörslichen Indikationen, woraus eine Bewertung von zeitweise 2,19 Billionen Dollar resultierte. Damit bewahrheiteten sich Aussagen aus dem vorbörslichen Handel mit Derivaten, die SpaceX eine Bewertung von deutlich über 2 Billionen Dollar zugeschrieben hatten. SpaceX rückte so schon an seinem ersten Handelstag in die Sphären der wertvollsten US-Unternehmen auf.

Unangefochtener Platzhirsch ist weiter der KI-Chip-Gigant NVIDIA mit knapp 5 Billionen Dollar, gefolgt vom Google-Mutterkonzern Alphabet und dem Tech-Riesen Apple mit Werten oberhalb der 4-Billionen-Marke. Der Softwarekonzern Microsoft folgt mit einem Wert von 2,88 Billionen Dollar schon mit einigem Abstand, da ihn - ähnlich wie Apple - unter anderem der Hype um Künstliche Intelligenz (KI) seine frühere Spitzenposition gekostet hat. Dem Online-Händler und Technologiegiganten Amazon mit aktuell 2,54 Billionen Dollar kommt SpaceX schon bedrohlich nahe.

Expertenstimmen zum SpaceX-Börsengang

Marktbeobachter Stephen Innes hatte vor dem SpaceX-Handelsstart betont, dass eine Marktbewertung zum Börsenschluss des ersten Handelstages über zwei Billionen Dollar den nächsten Mega-Börsengängen im KI-Bereich eine aussagekräftige Bewertungsvorlage liefern würde. In den Startlöchern stehen der ChatGPT-Erfinder OpenAI und sein Rivale Anthropic.

Trotz aller Begeisterung für den SpaceX-Börsengang gab es auch skeptische Stimmen, ob ein Unternehmen, das noch keine Gewinne erzielt hat, eine derart hohe Bewertung verdient. "Was die Fundamentaldaten angeht, sind die Investoren ihrer Zeit voraus", sagte etwa Amanda Lyons, Leiterin der Research-Abteilung beim Hedgefonds Energy Group Capital. Eine Bewertung der Summe der Einzelteile des Unternehmens würde bei etwa 600 Milliarden Dollar liegen, was rund einem Drittel des aktuellen Werts entspreche. Doch gegen die hohen Bewertungen der Unternehmen von Elon Musk zu wetten, sei ein Jahrzehnt lang ein Verlustgeschäft gewesen, räumte die Expertin ein.

Langjährige Musk-Anhänger kamen ohnehin zu einem viel positiveren Urteil. So hält Shaun Maguire - Partner bei der Risikokapital-Beteiligungsgesellschaft Sequoia Capital, welche die Investitionen des Unternehmens in Musks Firmen geleitet hat - den Bewertungsmaßstab für gerechtfertigt. "Der Börsengang von SpaceX signalisiert den Übergang von einer software-dominierten zu einer hardware-dominierten Welt", betonte er.

SpaceX spielt mit seinen Raketen eine Schlüsselrolle für das US-Raumfahrtprogramm. Das Unternehmen betreibt zudem den Satelliten-Internetdienst Starlink, der zugleich der mit Abstand größte Geldbringer ist. Ferner brachte Musk in SpaceX auch seine KI-Firma xAI samt der Online-Plattform X ein. Damit könnten die Investoren gleich von mehreren Megatrends profitieren.

Das große Interesse der Marktteilnehmer lässt sich vor allem auf die ausgeprägte Marktposition des Unternehmens zurückführen. Als führender Akteur im Bereich der kommerziellen Trägerraketen und mit der Dynamik des Satelliten-Internetnetzwerks Starlink im Rücken bietet der Konzern ein Geschäftsmodell, für das es in dieser Kombination auf dem traditionellen Aktienmarkt derzeit kaum ein direktes Vergleichsstück gibt.

Die Triebfedern des Erfolgs und die Rolle von KI

Analysten führen den erfolgreichen Börsengang vor allem auf das Vertrauen in die langfristige Vision und die jüngsten strategischen Weichenstellungen zurück. Neben dem etablierten Raketengeschäft und den wiederverwendbaren Falcon- und Starship-Systemen hat insbesondere die Integration der künstlichen Intelligenz rund um die Übernahme von xAI und das Grok-Ökosystem die Fantasie der Anleger beflügelt. Die Idee, weltraumgestützte Rechenzentren mit modernster KI-Infrastruktur zu verbinden, gilt an der Wall Street nun als das nächste große Wachstumsfeld. Dass der Konzern trotz hoher Investitionskosten und operativer Verluste in manchen Sparten derart enthusiastisch aufgenommen wird, zeigt, dass der Markt bereit ist, für visionäre Technologie und die Vormachtstellung im All eine immense Prämie zu zahlen. Für Elon Musk ist dieser Tag daher als Bestätigung seiner unternehmerischen Ambitionen und Visionen zu werten.

Milliardenverluste in SpaceX-Bilanz

Die reinen Geschäftszahlen von SpaceX stehen in krassem Kontrast zum Börsenwert - die Anleger zahlen eher für die Hoffnung auf künftige Erfolge. So gab es im vergangenen Jahr Verluste von rund 4,94 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 18,67 Milliarden Dollar (gut 16 Milliarden Euro).

In der Zukunft soll Künstliche Intelligenz das größte Geschäft sein - auch durch Rechenzentren im All. Die Idee dahinter ist, dass die Sonne dort viel Energie liefern kann. Skeptiker verweisen allerdings auf Probleme wie die erheblichen Aufbaukosten, eine trotz der niedrigen Temperaturen im All schwierige Kühlung sowie die Strahlung, die Schaltkreise beschädigen könne.

Im Börsenprospekt schätzte SpaceX den künftigen Gesamtmarkt für Künstliche Intelligenz inklusive Infrastruktur auf mehr als 26 Billionen Dollar - und führte das als eine Rechtfertigung für die hohe Bewertung an. Der New Yorker Wirtschaftsprofessor Aswath Damodaran, der als Bewertungsexperte bekannt ist, kritisierte das scharf. Als er die Zahl las, habe er gedacht, Musks Chatbot Grok habe den Prospekt geschrieben, "weil wir wissen, dass KI zu Halluzinationen neigt", sagte er im TV-Sender CNBC.

Musk hat das Sagen

Musk wird mit einem Stimmrechtsanteil von mehr als 80 Prozent auch nach dem Börsengang die volle Kontrolle über SpaceX behalten. Basis dafür sind Aktien mit mehr Stimmrechten. Zum Handelsdebüt sagte Musk unter anderem, er habe SpaceX bei der Gründung eine Erfolgschance von zehn Prozent gegeben.

In den Tagen vor dem Börsendebüt fand Musk Zeit, sich erneut in die britische Politik einzumischen. Er verstärkte über seine Online-Plattform X Stimmen von extremen Kritikern der Einwanderungspolitik Großbritanniens vor rassistisch motivierten Ausschreitungen.

Teurer Hoffnungsträger Starship

Im ersten Quartal dieses Jahres verbuchte SpaceX ein Minus von 4,28 Milliarden Dollar bei rund 4,7 Milliarden Dollar Umsatz. Ein Grund für die roten Zahlen sind die hohen Kosten für die Entwicklung der großen Rakete Starship.

In Starship investierte SpaceX insgesamt mehr als 15 Milliarden Dollar. Das Unternehmen geht davon aus, dass die Rakete nach Abschluss aller Tests im zweiten Halbjahr kommerzielle Flüge absolvieren kann. Sie soll die Kosten für die Beförderung ins All deutlich senken. Mit Starship sollen auch Starlink-Satelliten in die Umlaufbahn gebracht werden, die Internet aus dem All direkt auf Smartphones nutzbar machen.

Starlink ist der zentrale Geldbringer von SpaceX und machte im ersten Quartal 3,26 Milliarden Dollar Umsatz. Der Satelliteninternet-Dienst hat inzwischen rund 10,3 Millionen Kunden in 164 Ländern.

Geldregen für frühe Investoren

Anders als bei vielen anderen Börsengängen legte SpaceX den Ausgabepreis von 135 Dollar vorab selbst fest. Üblicherweise nennen Unternehmen zunächst eine Spanne - und ermitteln den Preis dann basierend auf dem Interesse der Investoren.

Für frühe Geldgeber von SpaceX wird der Börsengang zu einem Geldregen. So hält die Investmentfirma Founders Fund von Musks langjährigem Weggefährten Peter Thiel laut dem Finanzdienst Bloomberg einen Anteil von etwa drei Prozent, der für rund 600 Millionen Dollar erworben worden sei. Die Beteiligung ist zum Ausgabepreis mehr als 50 Milliarden Dollar wert. Der Risikofinanzierer Sequoia Capital habe rund 2 Milliarden Dollar investiert - und halte nun einen mehr als 20 Milliarden Dollar schweren Anteil.

Sollten Anleger einsteigen oder auf einen Rücksetzer warten?

Angesichts des Kursfeuerwerks am ersten Handelstag stehen Privatanleger nun vor der Frage, ob sich der Einstieg auf diesem extrem hohen Niveau lohnt. Marktbeobachter raten zu einem besonnenen, aber durchaus optimistischen Vorgehen. Wer langfristig an die fundamentale Disruption der Raumfahrt- und Telekommunikationsbranche glaubt, für den bleibt die Aktie trotz des fulminanten Starts ein Basisinvestment im Tech-Sektor. Allerdings zeigt die Historie solch gigantischer IPOs, dass auf die erste Euphoriewelle häufig Gewinnmitnahmen folgen. Konservative Anleger sollten daher nicht dem FOMO-Effekt (Fear Of Missing Out) erliegen, sondern eine Stabilisierungsphase abwarten. Eine bewährte Strategie in diesem Szenario ist der Einstieg über gestaffelte Zukäufe, um vom sogenannten Cost-Average-Effekt zu profitieren, falls die Aktie in den kommenden Wochen konsolidieren sollte.

Claudia Stephan, Julia Walter, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX

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Bildquellen: Juan Alejandro Bernal / Shutterstock.com, SpaceX

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