Schlappe für SpaceX-Aktie: Keine schnelle Aufnahme in den S&P 500 möglich

Der Mega-Börsengang von SpaceX in der kommenden Woche gilt als das Großereignis des bisherigen Handelsjahres. Doch nicht alle Indexbetreiber lassen sich vom Hype anstecken.
• Diskussion über schnelle Indexaufnahme der SpaceX-Aktie nach Rekord-Börsengang
• S&P 500 bleibt strikt konservativ und erteilt Absage
• NASDAQ 100 mit "Fast Track" für Mega-Caps schon kurz nach IPO
Der geplante Rekord-Börsengang von Elon Musks Raumfahrtkonzern SpaceX gilt - eine Woche vor dem erwarteten ersten Handelstag am 12. Juni - als einer der potenziell einflussreichsten Kapitalmarkt-Momente der vergangenen Jahre. Mit einer angestrebten Gesamtbewertung von nahezu 1,8 Billionen US-Dollar bei einem Ausgabepreis von 135 US-Dollar je Aktie stellt sich nicht nur die Frage nach der Kursfindung, sondern auch danach, wie schnell ein solches Mega-Unternehmen in die großen Aktienindizes aufgenommen werden könnte. Die Komitees hinter S&P 500 und NASDAQ 100 haben dazu inzwischen klar Stellung bezogen.
Keine Ausnahme für SpaceX-Aktie: S&P 500 bleibt bei klassischen Regeln
Auf eine schnelle Aufnahme in den S&P 500, der traditionell als Maßstab für die börsennotierte US-Wirtschaft gilt, darf die SpaceX-Aktie trotz des angestrebten astronomischen Börsenwerts nicht hoffen. So teilte der Betreiber S&P Dow Jones Indices am Donnerstag mit, dass man Ausnahmen "nicht allein auf der Grundlage der Marktkapitalisierung" gewähren werde. Ein sogenannter "Fast Track" für Neuemissionen stehe derzeit nicht zur Debatte und es werde "keine Änderungen an der bestehenden Methodik für diese Indexfamilie" geben, stellte der Indexbetreiber am Donnerstag zudem laut "MarketWatch" klar. Das gilt auch für die SpaceX-Aktie.
Die Begründung ist strukturell: Der S&P 500 soll Stabilität und langfristige Wirtschaftsentwicklung abbilden und nicht kurzfristige IPO-Dynamiken verstärken. Daher werden nur Unternehmen in den Index aufgenommen, die ein Bündel aus qualitativen und quantitativen Anforderungen erfüllen. Dazu zählen neben der Marktkapitalisierung auch ein ausreichend großer Streubesitz sowie die Profitabilität auf GAAP-Basis. Vor allem letztere ist bei SpaceX nicht gegeben, da das Unternehmen bislang Milliardenverluste schreibt. Zudem existiere laut "MarketWatch" auch eine Regelung, die eine Wartezeit von mindestens einem Jahr vor der Aufnahme in den S&P 500 vorschreibt.
"Auch wenn es Zielkonflikte zwischen der strikten Einhaltung dieser Zulassungskriterien und einer breiten Repräsentativität geben mag, gewährleistet die derzeitige Methodik eine umfassende Marktabdeckung sowie ein ausgewogenes Branchenverhältnis", erklärte S&P Dow Jones Indices laut der Nachrichtenseite, warum man weiter an seinen ursprünglichen Regeln festhalte.
NASDAQ 100 öffnet die Tür für schnellere Index-Aufnahme
Deutlich flexibler zeigt sich laut "MarketWatch" hingegen der Technologieindex NASDAQ 100. In den vergangenen Jahren hat sich der Index bereits zunehmend an die Realität großer IPOs angepasst, bei denen Unternehmen bereits kurz nach dem Börsengang eine systemrelevante Marktkapitalisierung erreichen. Die Indexrichtlinien sehen daher inzwischen vor, dass eine Aufnahme in den NASDAQ 100 schon innerhalb von 15 Tagen nach einem IPO möglich ist. Das solle sicherstellen, dass der Index "aktuell und repräsentativ" für den Markt bleibe, wie ein Sprecher damals gegenüber dem Nachrichtenportal angab.
In Marktkreisen wird daher davon ausgegangen, dass unter diesen Regeln eine Indexaufnahme der SpaceX-Aktie bereits wenige Wochen nach dem IPO möglich ist.
Entscheidungen der Indexbetreiber treffen auf uneinheitliches Echo
Die Absage des S&P 500-Komitees an eine schnelle Indexaufnahme der SpaceX-Aktie rief unter Experten gemischte Reaktionen hervor. So bezeichnete Eric Balchunas, Senior-ETF-Analyst bei Bloomberg Intelligence, die Entscheidung laut "MarketWatch" als "heftig" und merkte an, dass dies "zu einer erheblichen Renditestreuung [zwischen] 'passiven' Indizes führen" könne.
Alex Matturri, der ehemalige CEO des Indexbetreibers S&P Dow Jones Indices, lobte die Entscheidung jedoch. Laut ihm positioniere sich S&P Dow Jones Indices damit als "der [einzige] Erwachsene im Raum". "Angesichts all der anderen Indexanbieter, die sich geradezu verbiegen, um ihre Methoden zu ändern, ist es gut zu sehen, dass S&P DJI keinerlei Änderungen vornimmt", schrieb er bei LinkedIn.
Indexaufnahme als Kapitalmarkt-Ereignis
Die eigentliche Bedeutung der Diskussion um die Indexaufnahme der SpaceX-Aktie liegt jedoch weniger in der Regeltechnik als in den Kapitalströmen, die diese auslösen würde. In einer Welt, in der ein großer Teil der Anleger passiv über ETFs in den globalen Aktienmarkt investiert, ist die Aufnahme in einen Index nicht nur ein symbolischer Akt, sondern ein automatisierter Nachfrageimpuls.
Gerade bei einem Unternehmen wie SpaceX, dessen Streubesitz voraussichtlich vergleichsweise gering sein könnte, könnte eine schnelle Aufnahme in die großen Indizes erhebliche Zwangskäufe durch Indexfonds auslösen. Diese Mechanik kann kurzfristig zu stark erhöhter Nachfrage und damit auch zu erhöhter Volatilität führen, insbesondere in den ersten Handelstagen nach dem IPO.
Der Börsengang von SpaceX wirkt durch die aktuelle Diskussion rund um die Entscheidungen der Indexbetreiber zudem weit über das Unternehmen selbst hinaus. Er fungiert als Testfall für die Frage, ob Indexsysteme weiterhin primär Stabilitätsanker bleiben oder zunehmend zu dynamischen, marktreaktiven Mechanismen werden.
Carolin Ludwig, Redaktion finanzen.net
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Bildquellen: Juan Alejandro Bernal / Shutterstock.com, SpaceX
