Experte warnt: Warum eine IPO-Welle mit SpaceX, OpenAI, Anthropic & Co. den Aktienmarkt belasten könnte

Milliardenschwere KI-IPOs könnten die Aktienmärkte laut einem Experten ins Wanken bringen. Langfristig könnten sich jedoch neue Chancen eröffnen.
Werte in diesem Artikel
• Mega-KI-IPOs könnten Börsen kurzfristig belasten
• Experten erwarten vorübergehenden Liquiditätsabfluss
• Langfristig könnten sich neue Kaufchancen für Anleger eröffnen
Die geplanten Börsengänge der führenden KI-Unternehmen OpenAI und Anthropic sowie das bereits stattgefunden IPO des Raumfahrtunternehmens SpaceX dürften nach Einschätzung von Standard Chartered zunächst eher Belastungen als Rückenwind für die Aktienmärkte mit sich bringen. Steve Brice, Global Chief Investment Officer für Wealth Solutions bei Standard Chartered, erklärte, dass der Markt die enorme Größe dieser Börsengänge zunächst verarbeiten müsse.
"Es wird einige Herausforderungen bei der Aufnahme dieser IPOs durch den Markt geben, und eine gewisse Verbreiterung findet in der Regel zwar statt, aber sie erfolgt nicht unbedingt völlig reibungslos," sagte Brice gegenüber CNBC.
Gemeint ist damit, dass Anleger erhebliche Mittel in die neuen Börsenstars umschichten könnten. Dadurch könnte anderen Aktien kurzfristig Liquidität entzogen werden, was die breiten Aktienmärkte vorübergehend unter Druck setzen würde.
Vorsicht statt Euphorie: Warum der Sommer unruhig werden könnte
Er sei "im Moment nicht super, super optimistisch", erklärte Brice weiter. Mit Blick auf die kommenden Monate ergänzte der Investmentchef: "Wir könnten im Verlauf der Sommermonate eine gewisse Schwäche sehen".
Neben den bevorstehenden Mega-IPOs verweist Brice dabei auch auf die geopolitischen Risiken. Zwar hat das jüngste Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran die Sorgen vor einer weiteren Eskalation im Nahen Osten vorerst gemildert und den Druck auf den Energiemarkt reduziert. Dennoch bleibt abzuwarten, wie nachhaltig die Einigung ist und ob geopolitische Unsicherheiten die Stimmung an den Börsen erneut belasten könnten.
Ölpreis und Arbeitsmarkt als entscheidende Faktoren?
Nach Einschätzung von Standard Chartered könnten zunächst robuste US-Arbeitsmarktdaten die Märkte noch stützen. Sollten sich die geopolitischen Spannungen jedoch wieder verschärfen, beispielsweise wenn das Friedensabkommen unerwartet scheitert und die Straße von Hormus bis zum Ende des Sommers geschlossen bleibt, könnte sich das Bild schnell ändern. "Die Lagerbestände werden in rasantem Tempo abgebaut - nicht nur bei physischem Rohöl, sondern auch bei Petrochemikalien, Harnstoff und verschiedenen Einsatzstoffen für den Produktionszyklus weltweit", warnte Brice laut Investing.com einige Tage vor dem Friedensabkommen mit Blick auf die Ölpreise. Mit dem inzwischen erzielten Friedensabkommen haben sich die Risiken für den Energiemarkt zunächst jedoch etwas verringert.
Kurzfristig sollten Investoren bei den geplanten Mega-KI-IPOs dennoch mit einer höheren Volatilität an den Aktienmärkten rechnen. Größere Umschichtungen von Kapital könnten einzelne Indizes vorübergehend belasten.
Trotz seiner kurzfristigen Zurückhaltung bleibt der Investmentstratege für die langfristige Entwicklung optimistisch. Mögliche Kursrückgänge könnten nach seiner Einschätzung sogar attraktive Einstiegsmöglichkeiten für langfristig orientierte Anleger bieten. Gerade wenn die erwarteten KI-Börsengänge für vorübergehende Marktverwerfungen sorgen, könnten Investoren später von günstigeren Bewertungen profitieren.
Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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