Anthropic-Aktie: Umsatzsprung nährt Fantasie und treibt KI-Aktien an - IPO größer als SpaceX?
Ein Umsatzsprung im zweiten Quartal befeuert Spekulationen, dass der Anthropic-Börsengang zum größten IPO der Geschichte werden könnte.
Werte in diesem Artikel
- Interne Finanzunterlagen von Anthropic zeigen extrem hohe Umsatzprognose für 2028
- Investoren halten IPO-Bewertung über dem SpaceX-Rekordbörsengang für möglich
- Starkes Umsatzwachstum treibt die KI-Aktien
- Risiken bleiben
Anthropic hat im zweiten Quartal 2026 laut Bloomberg einen Umsatz von mehr als 11,5 Milliarden US-Dollar erzielt und damit die eigene Prognose deutlich übertroffen. Reuters berichtet zudem unter Berufung auf zwei mit den Finanzen vertraute Personen, dass das Unternehmen für 2028 mit einem Jahresumsatz von rund 190 bis 200 Milliarden US-Dollar kalkuliert. Die Zahlen befeuern Spekulationen, dass der geplante Börsengang von Anthropic mit einer Bewertung von mindestens 2 Billionen US-Dollar den bisherigen Rekord von SpaceX übertreffen könnte.
Anthropic übertrifft eigene Prognosen deutlich
Anthropic, Entwickler des KI-Chatbots Claude, hatte für das zweite Quartal 2026 selbst einen Umsatz von mindestens 10,9 Milliarden US-Dollar sowie einen ersten operativen Quartalsgewinn von 559 Millionen US-Dollar in Aussicht gestellt. Bloomberg-Dokumenten zufolge fiel das tatsächliche Ergebnis mit mehr als 11,5 Milliarden US-Dollar noch höher aus. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sei der Umsatz damit außerdem um mehr als das 14-Fache gewachsen. Die annualisierte Umsatzrate war laut Unternehmensangaben aus dem Frühsommer bereits von rund 9 Milliarden US-Dollar im Gesamtjahr 2025 auf über 47 Milliarden US-Dollar bis Mai 2026 gestiegen.
Reuters berichtet zudem unter Berufung auf interne Finanzunterlagen, dass Anthropic für 2028 einen Umsatz in Höhe von 190 bis 200 Milliarden US-Dollar anstrebe. Diese bislang unveröffentlichte Zahl liegt mehr als viermal so hoch wie die im Mai 2026 bekannt gegebene annualisierte Umsatzrate von 47 Milliarden US-Dollar. Nach Einschätzung von Investoren dürfte der annualisierte Umsatz bis Jahresende zudem auf 100 bis 120 Milliarden US-Dollar klettern, was einer Verzehnfachung binnen eines Jahres entspräche.
KI-Aktien profitieren von Anthropic-Zahlen
Das starke Wachstum von Anthropic stützte auch die Stimmung an den Aktienmärkten. Am Markt hiess es, die Geschäftszahlen dämpften die im Juli noch eingepreisten Sorgen rund um den KI-Ausbau. Die Zahlen bestärkten Anleger in der Einschätzung, dass sich die massiven Investitionen in die Technologie auszahlen könnten. Ein weiterer Treiber für den Technologiesektor waren zuletzt Hoffnungen auf eher stabile denn steigende Leitzinsen in den USA.
Unter den DAX-Werten zeigte sich der Aufschwung vor allem beim Energietechnikkonzern Siemens Energy. Die Aktien stiegen am Montag um 1,3 Prozent und peilten damit wieder den in der Vorwoche erreichten höchsten Stand seit Anfang Juli an. Die Kurse von Tech-Unternehmen entwickelten sich deutlich besser als der etwas schwächere Gesamtmarkt in Europa.
Die Titel von Infineon legten um 0,4 Prozent zu. Deutlicher stiegen im MDAX die Chip-Branchenausrüster SUSS MicroTec SE und AIXTRON SE mit bis zu 2,2 Prozent. Der Waferhersteller Siltronic gewann 2,4 Prozent.
Auch in den USA wurden Aktien aus dem KI- und Halbleiterbereich deutlich höher gehandelt. Micron Technology, SanDisk und Marvell Technology stiegen zwischen vier und neun Prozent.
Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete aus einem ihr vorliegenden Dokument, dass Anthropic potenziellen Investoren vielversprechende Wachstumsinformationen an die Hand gebe. Demnach soll der Umsatz des Unternehmens, das mit Claude eine der weltweit beliebtesten KI-Plattformen betreibt, im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mindestens das 14-Fache gestiegen sein.
Bewertungsdebatte um Börsengang der Anthropic-Aktie
Die Umsatzentwicklung des KI-Konzerns rückt auch aufgrund des geplanten Börsengangs besonders in den Fokus. Denn laut Reuters nutzen Banker und Investoren zur Bestimmung des Unternehmenswertes auch Kennzahlen, die auf dem prognostizierten Umsatz basieren. Die Verwendung solcher Umsatzmultiplikatoren sei bei stark wachsenden Softwareunternehmen üblich, die noch kein gefestigtes Ertragsprofil aufweisen, heißt es dort weiter. Laut it-daily.net rechnen rund ein halbes Dutzend Anthropic-Geldgeber mit einem Börsengang im Oktober 2026 bei einer Bewertung von mindestens 2 Billionen US-Dollar. Die Unternehmensführung selbst habe laut dem Bericht bislang kein konkretes Bewertungsziel festgelegt, die genannten Zahlen stammten aus eigenen Finanzmodellen der Investoren. Ein an dem Bericht beteiligter Investor erklärte gegenüber der Financial Times, bei einem Jahreswachstum von 800 Prozent wäre selbst am unteren Ende ein Multiplikator vom 30-Fachen des Umsatzes zu erwarten, was Anthropic zu einem 3-Billionen-Dollar-Unternehmen machen würde.
Banker und Investoren orientieren sich laut Reuters an Enterprise-Value-zu-Umsatz-Multiplikatoren von Vergleichsunternehmen wie Cloudflare, Palantir und SpaceX. Palantir werde demnach mit dem 53-Fachen des für 2026 erwarteten Umsatzes gehandelt, Cloudflare und SpaceX mit jeweils etwa dem 41,6-Fachen. David Merkel von Aleph Investments hält in diesem Zusammenhang eine Bewertung für Anthropic von 2 Billionen US-Dollar für möglich. "Könnten sie eine Bewertung von 2 Billionen Dollar erreichen? Ja, das könnten sie, aber ich frage mich, ob sie sich dauerhaft auf diesem Niveau halten würden", sagte er gegenüber Reuters.
Zum Thema wurde in der US-Tech-Branche auch, dass die Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway von Starinvestor Warren Buffett im vergangenen Quartal Positionen beim Google-Mutterkonzern Alphabet aufgebaut hat. Dessen Papiere gaben am Montag jedoch um 0,6 Prozent nach.
SpaceX-Rekord und Risikofaktoren
Sollte Anthropic tatsächlich mit einer Bewertung von rund 2 Billionen US-Dollar an die Börse gehen, würde dies den bisherigen Rekord-Börsengang von SpaceX übertreffen. Das Raumfahrtunternehmen hatte den Ausgabepreis seines Börsengangs auf 135 US-Dollar je Aktie festgelegt und auf diesem Niveau eine Bewertung von 1,77 Billionen US-Dollar erzielt - Rekord für ein IPO. Als begleitende Banken für den möglichen Anthropic-Börsengang werden Morgan Stanley, Goldman Sachs und JPMorgan genannt.
Risiken bleiben jedoch bestehen: Das Preisniveau von Anthropics Spitzenmodell liegt laut Daten von Artificial Analysis, auf die it-daily.net verweist, mehr als 2,5-mal höher als das von OpenAIs Flaggschiffmodell, während chinesische Alternativen deutlich günstiger verfügbar sind. Zudem hatte das US-Handelsministerium im Juni vorübergehend Exportkontrollen für die leistungsfähigsten Anthropic-Modelle verhängt, was das Umsatzwachstum zeitweise bremste. Ein Rechtsstreit mit dem US-Verteidigungsministerium läuft parallel weiter.
Ob Anthropic den anvisierten Börsengang im Oktober tatsächlich zu einer Bewertung von 2 Billionen US-Dollar oder mehr umsetzt, hängt von der Marktlage und dem Abschluss der SEC-Prüfung ab. Die endgültige Struktur des S-1-Filings dürfte weitere Anhaltspunkte liefern, wie belastbar die im August kursierenden Bewertungsmodelle der Investoren tatsächlich sind.
Carolin Ludwig, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX
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