Trotz Rahmenabkommen

Straße von Hormus soll erneut gesperrt werden - US-Iran-Gespräche offenbar am Sonntag

20.06.26 23:17 Uhr

Iran plant neue Hormus-Blockade - US-Iran-Gespräche in der Schweiz wohl am Sonntag | finanzen.net

Der Iran will die Straße von Hormus erneut für die Durchfahrt aller Schiffe sperren. Derweil sollen die US-Iran-Gespräche am Sonntag in der Schweiz stattfinden.

Das zentrale Militärkommando des Landes begründete den Schritt mit der Nichteinhaltung der Waffenruhe im Südlibanon, die im Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran vereinbart worden war.

Laut der Erklärung ist auch die israelische Militärpräsenz im Südlibanon ein Grund für die Blockade. Diese wird im Rahmenabkommen nicht explizit erwähnt. Allerdings ist in dem Text von der Gewährleistung der territorialen Integrität und der Souveränität des Libanons die Rede. Das iranische Militärkommando drohte mit weiteren Maßnahmen, sollte Israels Armee die Kämpfe im Libanon fortsetzen.

US-Militär: Setzen Freiheit in der Schifffahrt durch

Das US-Militär erklärte wenig später, der Schiffsverkehr habe am Samstag zugenommen, "während die US-Streitkräfte in diesem Gebiet weiterhin zur Wahrung der Freiheit der Schifffahrt im Einsatz waren." 55 Schiffe mit unter anderem 17 Millionen Barrel Öl hätten die Meerenge passiert. Centcom zufolge ist das Militär weiter vor Ort, um sicherzustellen, dass sämtliche Abmachungen des Rahmenabkommens "eingehalten, befolgt und in vollem Umfang umgesetzt werden."

Die Hisbollah-Miliz ist der wichtigste Verbündete des Irans in der Region. Seit Freitag 16.00 Uhr Ortszeit (15.00 Uhr/MESZ) soll laut einem US-Regierungsbeamten eigentlich eine Waffenruhe im Libanon gelten. Die Hisbollah und die israelische Armee machen sich gegenseitig für Verstöße verantwortlich.

Der Iran verlangt von den USA, Druck auf die israelische Führung auszuüben. Die israelische Armee erklärte jedoch, sie werde auch künftig gegen jede Bedrohung für den Staat Israel und die Soldaten vorgehen. Die Hisbollah erklärte, sie halte zwar weiterhin an der Waffenruhe fest, werde aber jedem Versuch entgegentreten, weiteres Land zu erobern.

Wichtige Handelsroute

Für Teheran ist das Einbeziehen des Libanons in die Einigung mit den USA Teil einer neuen Sicherheitsdoktrin, wie der Nahost-Experte und Professor für Islamwissenschaft an der Hebräischen Universität Jerusalem, Simon Wolfgang Fuchs, der dpa sagte. Die Schicksale Teherans und Beiruts sollen dabei aneinander gekoppelt werden, so die Strategie. Der Iran habe auch gedroht, ein endgültiges Abkommen erst dann zu unterzeichnen, wenn Israel sich aus dem Südlibanon zurückziehe.

Der Iran hatte die Straße von Hormus nach Kriegsbeginn am 28. Februar weitgehend blockiert. Durch die Meerespassage werden rund 20 Prozent des globalen Energiehandels abgewickelt. Weil das Nadelöhr für Schiffe der einzige Zugang zum Persischen Golf und damit auch zu mehreren arabischen Golfstaaten ist, kann der Iran die Meerenge als Hebel in Konflikten benutzen. Die Schließung zeigte die Verwundbarkeit globaler Lieferketten und hatte massive Auswirkungen auf die internationalen Energiemärkte.

Pakistan: US-Iran-Gespräche am Sonntag in der Schweiz

Nach Angaben des Vermittlerstaats Pakistan sollen am Sonntag in der Schweiz Gespräche zwischen dem Iran und den USA geführt werden. Diese würden auf technischer Ebene in Bürgenstock abgehalten, hieß es in einer Mitteilung des pakistanischen Außenministeriums am Nachmittag.

Vertreter der Vereinigten Staaten, des Irans sowie der Vermittler Pakistan und Katar würden an den Gesprächen teilnehmen, hieß es weiter. Islamabad werde den Prozess als Mediator weiterhin unterstützen, um die im Rahmenabkommen erzielten Übereinkünfte zu vertiefen.

Kurz davor hatte es aus dem Iran geheißen, Verhandler reisten nun doch in die Schweiz, um die Details des Rahmenabkommens zu diskutieren und von den USA die Erfüllung der Verpflichtungen der Gegenseite einzufordern, wie der iranische Außenamtssprecher Ismail Baghai im Staatssender Irib ankündigte.

Der Iran habe sich an die Vereinbarungen gehalten, erklärte Baghai, während die USA bereits den ersten Absatz des Abkommens verletzt hätten. Die Zusage, eine Waffenruhe an allen Fronten - einschließlich des Libanons - herbeizuführen, sei nicht eingehalten worden.

Für Freitag geplante Gespräche fanden nicht statt

Zwar hätten sich die USA verpflichtet, Israel zu einer Waffenruhe im Libanon zu bewegen, doch diese Maßnahme sei ausgeblieben. "Wenn die Gegenseite sich weigert, ihren Verpflichtungen nachzukommen, wird der Iran dies ebenfalls nicht tun", erklärte der Sprecher. Am Nachmittag hatte das zentrale Militärkommando der Islamischen Republik erklärt, die Straße von Hormus wieder für die Durchfahrt aller Schiffe sperren und dies mit der Nichteinhaltung der Waffenruhe im Südlibanon begründet.

Zuvor hatte US-Vizepräsident JD Vance eine Reise in die Schweiz in Aussicht gestellt, ohne einen genauen Termin zu nennen. "Ich gehe davon aus, dass ich irgendwann in den kommenden Tagen abreisen werde", sagte Vance in einem Interview des Senders Fox. Vance bestätigte, dass derzeit bereits Gespräche in der Schweiz stattfänden - und in diesem Zusammenhang auch, dass sich der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, sowie der US-Sondergesandte Steve Witkoff in der Schweiz befänden. "Nach meinem Eindruck, den ich heute Morgen im Gespräch mit Jared und Steve gewonnen habe, laufen die Dinge gut."

Eine erste Gesprächsrunde über ein mögliches Atomabkommen in der Schweiz war eigentlich für Freitag angedacht. Es fand aber wegen erneuter gegenseitiger Angriffe zwischen der israelischen Armee und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon dann doch nicht statt.

TEHERAN (dpa-AFX)

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