Nach der Rally folgt der Dämpfer: Anleger nehmen bei Strategy-Aktie Gewinne mit

Nach dem kräftigen Kurssprung vom Vortag gerät die Strategy-Aktie wieder unter Druck. Anleger nehmen offenbar einen Teil ihrer Gewinne mit.
Werte in diesem Artikel
• Strategy stellt neues Kapitalrahmenwerk vor
• Bitcoin-Verkäufe erstmals ausdrücklich als Instrument vorgesehen
• Aktie nach Vortagesrally im Zuge von Gewinnmitnahmen schwächer
Die Strategy-Aktie verlor am Dienstag an der NASDAQ schließlich 6,20 Prozent auf 86,93 US-Dollar.
Damit gibt das Bitcoin-Schwergewicht von Michael Saylor einen Teil des Kurssprungs ab, den die Aktie nur einen Handelstag zuvor verbucht hatte: Zum Wochenstart war der Anteilsschein noch um 12,60 Prozent auf 92,68 US-Dollar geklettert.
Der heutige Rücksetzer wirkt damit weniger wie eine neue Hiobsbotschaft als vielmehr wie eine klassische Gewinnmitnahme nach der kräftigen Erholung vom Vortag.
Auslöser des Kurssprungs
Strategy hatte am Montag ein umfassendes Kapitalrahmenwerk vorgestellt, das "Digital Credit Capital Framework". Im Zentrum steht eine vom Board beschlossene US-Dollar-Reserve von rund 2,55 Milliarden US-Dollar zum 28. Juni 2026, die laut Unternehmensangaben rund 17,4 Monate der Dividenden- und Zinsverpflichtungen abdeckt. Die Reserve ist grundsätzlich für diesen Zweck vorgesehen; andere Verwendungen bedürfen jedoch der Zustimmung des Boards. Hinzu kommen zwei Rückkaufprogramme von jeweils bis zu einer Milliarde US-Dollar, eines für die Vorzugsaktien (darunter STRC), eines für Class-A-Stammaktien, sowie ein Bitcoin-Monetarisierungsprogramm von bis zu 1,25 Milliarden US-Dollar. Beide Rückkaufprogramme sind genehmigt, aber unverbindlich. Die Dividende der Vorzugsaktie STRC steigt zudem ab dem 1. Juli 2026 auf zwölf Prozent. Künftige Anpassungen erfolgen nach Entscheidung des Boards und nicht automatisch.
Markt reagiert erleichtert
Die Ankündigung kam zu einem Zeitpunkt, an dem die Finanzierungsstruktur von Strategy zunehmend infrage gestellt wurde. Wie aus einem Bericht des Analysehauses CryptoQuant hervorgeht, waren die US-Dollar-Barreserven des Unternehmens seit Anfang 2026 um 38 Prozent auf rund 1,4 Milliarden US-Dollar gesunken, während sich die annualisierten Dividendenverpflichtungen im selben Zeitraum auf etwa 1,2 Milliarden US-Dollar fast vervierfacht hatten. Verschärft wurde der Druck dadurch, dass die Marktkapitalisierung von Strategy zeitweise unter den Wert der eigenen Bitcoin-Bestände gefallen war, das sogenannte mNAV-Verhältnis rutschte damit erstmals unter eins. Genau an diesem Kritikpunkt setzt das neue Rahmenwerk an, indem es feste Leitplanken für Liquidität, Dividenden und mögliche Rückkäufe schafft. CEO Phong Le beschrieb den Schritt als Wechsel von einseitiger Kapitalaufnahme zu aktivem Kapitalmanagement.
Der Bruch mit der alten Doktrin
Bemerkenswert ist vor allem das Bitcoin-Monetarisierungsprogramm. Strategy hält aktuell 847.363 Bitcoin zu einem durchschnittlichen Einstandspreis von rund 75.651 US-Dollar pro Coin. Bislang galt bei Strategy die Devise, Bitcoin um jeden Preis zu halten und niemals zu verkaufen. Das neue Programm schafft nun erstmals einen formalen Rahmen für mögliche BTC-Verkäufe, um die Dollar-Reserve aufzufüllen, Dividenden und Zinsen zu finanzieren oder Rückkäufe zu bezahlen. Eine Verkaufspflicht besteht nicht, und Gründer Michael Saylor betont weiterhin, Bitcoin bleibe das primäre Reservevermögen des Unternehmens. Allein die Möglichkeit markiert dennoch eine Abkehr von der bisherigen Linie.
Für die heutige Gegenbewegung an der NASDAQ spricht damit vor allem die Mechanik nach starken Kurssprüngen: Ein Teil der Anleger, die zum Wochenstart eingestiegen waren oder Short-Positionen eingedeckt hatten, sichert Gewinne. Ob der Kapitalrahmen tatsächlich für dauerhafte Entlastung sorgt, dürfte sich erst zeigen, wenn Strategy erstmals tatsächlich Rückkäufe durchführt oder das genehmigte Bitcoin-Monetarisierungsprogramm nutzt. Beides ist bislang beschlossen, aber noch nicht umgesetzt. Anleger dürften deshalb in den kommenden Wochen genau auf etwaige Meldungen zu Rückkäufen sowie auf die Entwicklung des Bitcoin-Kurses achten, von der die Aktie weiterhin gehebelt abhängt.
Claudia Stephan, Martina Köhler, Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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