Aktien von SpaceX, OpenAI & Anthropic: Droht nach den Mega-Börsengängen der nächste Bärenmarkt?

Der milliardenschwere Börsengang von SpaceX sowie die erwarteten IPOs von OpenAI und Anthropic könnten Folgen für den Gesamtmarkt haben.
Werte in diesem Artikel
• Studien zufolge können große Börsengänge Kapital aus bestehenden Aktienanlagen abziehen und damit den Gesamtmarkt belasten
• Hohe IPO-Aktivitäten gelten für einige Marktbeobachter als mögliches Zeichen zunehmender Euphorie an den Börsen
• Analysen sehen statistische Zusammenhänge zwischen Rekord-Emissionen und späteren Marktschwächen
Der erfolgreiche Börsengang von SpaceX sowie die erwarteten IPOs von OpenAI und Anthropic werden von vielen Marktteilnehmern als Meilensteine für den Tech- und KI-Sektor betrachtet. Nach Ansicht von Mark Hulbert, Kolumnist bei MarketWatch, könnten die Mega-IPOs jedoch auch Risiken für den breiten Aktienmarkt mit sich bringen.
Kapitalabflüsse als möglicher Belastungsfaktor
Hulbert hat sich damit beschäftigt, welche Auswirkungen die hohen Kapitalzuflüsse in die neuen Börsenkandidaten auf den übrigen Aktienmarkt haben könnten. Er verweist dabei auf Einschätzungen des Ökonomen Xavier Gabaix von der Harvard University, wonach Börsengänge häufig Kapital aus bereits bestehenden Aktienanlagen abziehen. Nach Darstellung von Gabaix wäre die Belastung für den Aktienmarkt nur dann begrenzt, wenn die Gelder, die für die Börsengänge eingesetzten werden, komplett von außerhalb des Aktienmarktes stammen würden, wie zum Beispiel aus dem Anleihemarkt oder ausländischen Kapitalquellen.
Hulbert verweist zudem auf eine Studie von Xavier Gabaix und Ralph Koijen von der University of Chicago. Deren Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, "dass jeder investierte Dollar den Marktwert um 5 Dollar erhöht" - entsprechend könnte jeder Dollar, der dem US-Aktienmarkt entzogen wird, einen Rückgang der gesamten Marktkapitalisierung um etwa fünf Dollar nach sich ziehen.
Ausgehend vom Umfang des SpaceX-Börsengangs und Schätzungen für die geplanten Emissionen von OpenAI und Anthropic kalkuliert Hulbert ein potenzielles Emissionsvolumen von rund 200 Milliarden US-Dollar, was auf Basis der genannten Studie theoretisch zu einem Rückgang der gesamten Marktkapitalisierung des US-Aktienmarktes um etwa eine Billion US-Dollar führen würde.
Anlegerstimmung als weiteres Warnsignal
Neben dem Kapitalfluss betrachtet Hulbert die Marktpsychologie als einen weiteren möglichen Risikofaktor. Er beruft sich auf Aussagen von Malcolm Baker von der Harvard Business School, der ein hohes Volumen an Börsengängen häufig als Ausdruck übermäßiger Euphorie an den Finanzmärkten interpretiert.
Historisch betrachtet seien besonders hohe Emissionsvolumina unter anderem in den Jahren 1929 und 2000 zu beobachten gewesen - auf die später deutliche Marktverwerfungen folgten.
Zusätzliche Unterstützung erhält die Argumentation laut Hulbert durch eine Untersuchung von GMO. Eine Studie der Investmentgesellschaft analysierte den Anteil der Börsengänge an der gesamten Börsenkapitalisierung und stellte einen Zusammenhang zwischen steigender Emissionstätigkeit und schwächeren Aktienmarktrenditen in den darauffolgenden zwölf Monaten fest.
Demnach korrelierte ein Anstieg dieses Anteils um einen Prozentpunkt mit einem Rückgang der Marktrendite um 7,5 Prozent innerhalb des folgenden Jahres. Hulbert verweist zudem auf eigene Analysen, die einen ähnlichen Zusammenhang zwischen dem Volumen von Börsengängen und den langfristigen Renditen des Aktienmarktes aufzeigen sollen.
Prognose deutet auf erhöhtes Risiko hin
Vor diesem Hintergrund bewertet Hulbert die aktuelle Situation kritisch. Nach seinen Berechnungen könnten der Börsengang von SpaceX sowie die erwarteten Emissionen von OpenAI und Anthropic das Verhältnis der Neuemissionen zur gesamten Marktkapitalisierung des US-Aktienmarktes um rund fünf Prozent erhöhen.
Unter Anwendung der von GMO ermittelten Zusammenhänge ergibt sich daraus ein sehr negatives Szenario: Die Analyse deutet darauf hin, dass der breite US-Aktienmarkt innerhalb der kommenden zwölf Monate theoretisch um nahezu 40 Prozent nachgeben könnte.
Die Einschätzung basiert auf historischen Zusammenhängen und statistischen Modellen - ob sich diese in der aktuellen Marktphase tatsächlich wiederholen, bleibt jedoch offen. Für Anleger verdeutlicht die Analyse aber, dass die Rekordbewertungen und die hohe Aufmerksamkeit für KI-Unternehmen nicht ausschließlich Chancen, sondern auch potenzielle Risiken für den Gesamtmarkt mit sich bringen können.
Julia Walter, Redaktion finanzen.net
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