SpaceX-Aktie zieht bald über ETFs in viele Depots ein - und bringt mehr Volatilität als Bitcoin

Die geplante schnelle Aufnahme von SpaceX in wichtige Aktienindizes zwingt zahlreiche ETFs zum Kauf. Damit ziehen jedoch auch hohe Volatilität und Bitcoin in die Anlegerdepots ein.
Werte in diesem Artikel
• SpaceX-Aktie weist aktuell höhere Kursschwankungen auf als Bitcoin
• ETFs müssen SpaceX nach Indexaufnahme automatisch kaufen
• Unternehmen hält selbst Bitcoin im Milliardenwert - mit Einfluss auf Bilanz
Auch noch mehr als 15 Jahre nach ihrer Entstehung gilt die Kryptowährung Bitcoin für viele konservative Anleger nach wie vor als Inbegriff der Spekulation. Zu volatil, zu schwer bewertbar, keine erwirtschafteten Erträge und zu abhängig von Stimmungen und Narrativen - so lauten die häufigsten Argumente. Diese Haltung schwingt implizit auch in der Strategie vieler Anleger mit, die ihr Vermögen über breit gestreute ETFs aufbauen und somit vor allem in globale Aktienindizes investieren. Denn sie vermeiden dadurch - mehr oder weniger bewusst - ein Engagement in der Kryptowährung.
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Doch nun droht ausgerechnet diesen Investoren eine bemerkenswerte Entwicklung: Sie werden in den kommenden Wochen voraussichtlich zu indirekten Eigentümern des Weltraumkonzerns SpaceX - eines Unternehmens mit Milliardenverlusten, dessen Aktie nach dem historischen Börsengang laut "CNBC" bereits deutlich stärkere Kursschwankungen zeigt als der Bitcoin und das selbst Milliardenbeträge in der Ur-Kryptowährung hält.
Der größte Börsengang der Geschichte verändert die Indexwelt
Der Börsengang von SpaceX am 12. Juni gehörte zweifellos zu den spektakulärsten Kapitalmarktereignissen der vergangenen Jahre. Das Unternehmen wurde bereits beim IPO mit weit über einer Billion US-Dollar bewertet und zählte damit unmittelbar zu den größten börsennotierten Firmen der Welt. Aktuell liegt der Börsenwert des Raumfahrtkonzerns sogar bei rund 2,02 Billionen US-Dollar (Stand: Schlusskurs vom 29. Juni 2026). Gleichzeitig behält Elon Musk über eine spezielle Aktienstruktur die Kontrolle über die Gesellschaft, der Free Float liegt laut "Financial Times" nur bei rund fünf Prozent.
Die schiere Größe von SpaceX setzt auch die Indexanbieter unter Zugzwang. Während der Indexanbieter S&P Dow Jones entschieden hat, seine Aufnahmehürden für neue Börsenkandidaten nicht aufzuweichen, verfolgen andere große Indexfamilien einen anderen Ansatz. So haben Nasdaq, FTSE Russell und MSCI angekündigt, Mega-IPOs künftig deutlich schneller in ihre Indizes aufzunehmen. Die SpaceX-Aktie wird damit beispielsweise bereits zum 7. Juli in den NASDAQ 100 integriert, ist dann laut "CNBC" die volatilste Aktie in dem Tech-Index und dürfte - aufgrund der Gewichtung des Index nach der modifizierten Marktkapitalisierung, was laut "Handelsblatt" bei SpaceX dem dreifachen Streubesitzgewicht entspricht - zwangsläufig auch die Volatilität auf Indexebene erhöhen. Marktbeobachter sehen daher bereits einen Paradigmenwechsel in der Indexindustrie. Ayman Saidi, Partner bei Strategic Investment Solutions, sprach laut "CNBC" sogar von einem "Verrat" an den Sparern, sollten Vermögensverwalter bei dieser Regeländerung mitgehen.
Anbieter von Indexfonds haben indes kaum eine Wahl: ETFs, die einen der Indizes, die der SpaceX-Aktie einen Fast Entry gewähren, passiv nachbilden, müssen das Papier kaufen - unabhängig davon, wie Volatilität, Bewertung oder Finanzkennzahlen aussehen.
Die paradoxe Rückkehr des Risikos in die ETF-Depots
Genau hier beginnt die Ironie. Viele ETF-Investoren haben den Bitcoin bislang bei ihren Investments bewusst ausgeschlossen, weil sie die kaum vorhersehbaren Schwankungen der Kryptowährung als unvereinbar mit ihrem Risikoprofil betrachten. Wer jedoch weiterhin "allergisch auf Volatilität" reagiere, könne zukünftig nur noch auf Anleihen setzen, sagte Delphi Digital-Mitgründer Kevin Kelly gegenüber "CNBC". Ihn würden einige KI-Aktien wie SpaceX und Co. zudem "an die Kursverläufe von Token in ihrer Anfangsphase" erinnern, so Kelly weiter.
Tatsächlich zeigen die ersten Wochen nach dem Börsengang, dass die SpaceX-Aktie, die wohl bald über ETFs in viele Portfolios einziehen wird, außergewöhnlich volatil ist: Nach einem anfänglichen Anstieg bis auf 225,64 US-Dollar in den ersten Handelstagen verlor der Anteilsschein des Musk-Konzerns anschließend teils deutlich an Wert und verzeichnete einzelne Tagesverluste von mehr als 16 Prozent. Zuletzt schloss die SpaceX-Aktie bei 164m06 US-Dollar um 7,06 Prozent tiefer (Stand: Schlusskurs vom 29. Juni 2026). Analysten führen diese heftigen Ausschläge unter anderem auf den begrenzten Streubesitz und die enorme spekulative Nachfrage zurück. Denn ein geringer Free Float - also ein kleiner Anteil tatsächlich frei handelbarer Aktien - kann erhebliche Marktverwerfungen verursachen.
Und die Schwankungen könnten in naher Zukunft noch zunehmen: Wenn Milliardenbeträge passiver ETF-Gelder gleichzeitig dieselbe Aktien erwerben müssen, treffen enorme Nachfragevolumina auf ein begrenztes Angebot. Bereits vor dem SpaceX-Börsengang hatten Marktstrategen daher darauf hingewiesen, dass eine schnelle Indexaufnahme erhebliche Verzerrungen verursachen könnte, da passive Fonds gezwungen wären, einen beträchtlichen Teil des frei verfügbaren Aktienbestands zu erwerben und damit die Preisbildung beeinflussen. Laut "Handelsblatt" dürften für die SpaceX-Aktie in diesem Fall "Knappheitspreise" bezahlt werden. Das Risiko extremer Kursbewegungen "nach oben, aber im Zweifelsfall auch nach unten" dürfte sich somit verstärken, zitiert die Nachrichtenseite eine Einschätzung der Oddo Bank. Für Anleger bedeutet das, dass sie nicht nur Unternehmensrisiken tragen, sondern auch die Folgen indextechnischer Mechanismen.
SpaceX wird zum versteckten Bitcoin-Anteil im ETF
Ebenfalls bemerkenswert ist noch ein anderer Aspekt: Mit der Aufnahme von SpaceX erhalten ETF-Anleger auch einen der weltgrößten Bitcoin-Halter.
Im Zuge des Börsengangs legte SpaceX erstmals detaillierte Informationen zu seinen Bitcoin-Beständen offen. Demnach hält der Weltraumkonzern 18.712 Bitcoin, die ursprünglich für rund 661 Millionen US-Dollar erworben wurden und inzwischen einen Marktwert von mehr als einer Milliarde US-Dollar haben. Damit liegt SpaceX laut "Forbes" auf Platz acht der öffentlichen Unternehmen mit den größten Bitcoin-Beständen weltweit.
Diese Bitcoin-Reserven, genauer ihre Kursschwankungen, schlagen sich zudem auch in der Bilanz von SpaceX nieder, da es laut "Crypto Briefing" die Mark-to-Market-Bilanzierung anwendet. Somit wirkt sich der aktuelle Marktpreis der Kryptowährung direkt auf das Ergebnis des Musk-Unternehmen aus. Konkret heißt das: Legt der Bitcoin-Kurs zu, verbessert sich das Ergebnis von SpaceX und umgekehrt.
Für viele ETF-Anleger könnte dies eine Überraschung sein, denn sie halten dann trotz des Verzichts auf Bitcoin-ETFs oder direkte Kryptoinvestments eine indirekte Bitcoin-Position - eingebettet in eine Weltraumaktie. Zwar ist auch die Aktie des weltgrößten Bitcoin-HODLers Strategy teil des NASDAQ 100 und damit der entsprechenden ETFs, fällt dort aufgrund der deutlich geringeren Marktkapitalisierung von nur rund 32,48 Milliarden US-Dollar aber nicht annähernd so stark ins Gewicht (Stand: Schlusskurs vom 29. Juni 2026).
Passives Investieren wird komplexer
Die Debatte um SpaceX verdeutlicht ein grundsätzliches Problem moderner Kapitalmärkte. Passive Anleger treffen oft die bewusste Entscheidung, keine Einzelaktien auszuwählen und stattdessen dem Markt zu folgen. Doch je größer einzelne Unternehmen werden, desto stärker prägen sie automatisch die Zusammensetzung der Indizes.
Der Fall SpaceX zeigt, dass dabei die Grenzen zwischen konservativem Indexsparen und spekulativen Zukunftswetten zunehmend verschwimmen können. Wer einen breit gestreuten ETF kauft, investiert künftig möglicherweise gleichzeitig in Raketenstarts, Satellitennetze, künstliche Intelligenz, hochvolatile Wachstumsfantasien und milliardenschwere Bitcoin-Reserven. Und darin liegt die eigentliche Pointe dieser Entwicklung: Ausgerechnet Anleger, die Bitcoin über Jahre hinweg wegen seines Risikoprofils gemieden haben, könnten bald über ihre ETF-Sparpläne an einem hochspekulativen Unternehmen beteiligt sein, das selbst Milliarden in Bitcoin hält - und dessen Börsenkurs zeitweise noch stärkere Ausschläge zeigt als die Kryptowährung, der sie eigentlich aus dem Weg gehen wollten.
Carolin Ludwig, Redaktion finanzen.net
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Bildquellen: Juan Alejandro Bernal / Shutterstock.com, Carlos Amarillo / Shutterstock.com
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