IWH: Neue Pandemiewelle verzögert Konjunkturerholung in Deutschland


Von Andreas Kißler

HALLE/BERLIN (Dow Jones)--Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) prognostiziert, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2021 um 4,4 Prozent zunehmen wird, nach einem Rückgang um 5,0 Prozent im laufenden Jahr. Für 2022 wird dann eine Zunahme des BIP um 3,2 Prozent erwartet. Im September hatten die Ökonomen einen Rückgang um 5,7 Prozent in diesem Jahr und Wachstum von 3,2 Prozent und 2,5 Prozent in den beiden kommenden Jahren erwartet.

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"Der Lockdown lässt die Produktion in Deutschland zum Jahresende zurückgehen", erklärten die Ökonomen. Sobald die Infektionsschutzmaßnahmen gelockert würden, dürfte die Erholung zunächst nur langsam in Gang kommen, auch weil die befristete Mehrwertsteuersenkung ausläuft. Dank milderer Witterung und Impfkampagne dürfte die Wirtschaft ab dem Frühjahr wieder stärker expandieren.

"In Deutschland wird der jüngst beschlossene Shutdown die Produktion schrumpfen lassen, wenn auch in deutlich geringerem Maß als im Frühjahr", sagte IWH-Vizepräsident Oliver Holtemöller. Der Rückgang dürfte im Wesentlichen auf die besonders betroffenen Dienstleistungsbranchen beschränkt bleiben. Das Verarbeitende Gewerbe profitiere dagegen weiter von der Erholung der Weltwirtschaft. Im ersten Quartal 2021 überlagerten die positiven Effekte einer schrittweisen Lockerung des Shutdowns den Dämpfer auf den privaten Konsum durch die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung.

Wirtschaft normalisiert sich 2021 wieder

Für die Zeit ab Sommer 2021 werde angenommen, dass die fortschreitende Impfung weiter Teile der Bevölkerung das Pandemieaufkommen stetig verringert. Auch die Wirtschaft normalisiere sich dann wieder, was mit recht kräftigen Zuwachsraten von privatem Konsum und Investitionen einhergeht. Die Beschäftigung ist seit Beginn der Pandemie deutlich stärker zurückgegangen als etwa in der Finanzkrise, ab dem Frühjahr 2021 werde sie aber langsam wieder zunehmen.

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Für die Arbeitslosenzahl erwarteten die Ökonomen einen Rückgang auf 2,666 Millionen 2021 und 2,464 Millionen 2022 nach 2,698 Millionen in diesem Jahr. Die Arbeitslosenquote soll 5,9 Prozent 2020, 5,8 Prozent 2021 und 5,4 Prozent 2022 betragen. Die gesamtstaatliche Defizitquote dürfte auch 2021 mit 4,3 Prozent außerordentlich hoch ausfallen, nach 5,1 Prozent 2020.

Laut Holtemöller ist das Hauptrisiko für die Konjunktur in Deutschland die Unsicherheit darüber, ob Impfungen die Pandemie in den kommenden Quartalen wirklich beenden werden. Aber auch die gegenwärtige Infektionswelle in Europa bringe Risiken mit sich. Lieferketten könnten reißen, wenn es zu Produktionsausfällen in einzelnen Betrieben komme.

Kontakt zum Autor: andreas.kissler@wsj.com

DJG/ank/smh

(END) Dow Jones Newswires

December 16, 2020 06:00 ET (11:00 GMT)

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