Commerzbank-Aktie: Kurswechsel im Machtkampf mit UniCredit - Offenbar Niederlage akzeptiert
Nach dem bisherigen Widerstand lenkt die Commerzbank-Führung offenbar ein und gibt sich im Kampf um die Übernahme durch UniCredit geschlagen. Für Anleger stellt sich die Bewertungsfrage.
Werte in diesem Artikel
- Commerzbank-Chefin Orlopp signalisiert nun offenbar Gesprächsbereitschaft mit UniCredit
- UniCredit kontrolliert bereits knapp 50 Prozent der Commerzbank-Anteile
- Orcel plant 7.000 Stellenstreichungen und ein schlankeres Auslandsnetz
Die Commerzbank gibt im Übernahmepoker mit der UniCredit offenbar den offenen Widerstand auf und bereitet sich laut Handelsblatt auf die Kontrollübernahme durch die Italiener vor - und genau das verschiebt den Blick der Anleger von der Abwehrschlacht zur nackten Bewertungsfrage. Vorstandschefin Bettina Orlopp kündigte laut der Nachrichtenseite in einem Intranet-Interview an, dass beide Häuser in den kommenden Wochen und Monaten im Schulterschluss mit Aufsichtsrat, Arbeitnehmervertretern und Bundesregierung über das weitere Vorgehen sprechen werden. "Über die kommenden Wochen und Monate werden Commerzbank und Unicredit Gespräche führen, um Schritt für Schritt festzulegen, wie wir weitermachen", wird sie dort zitiert. Aufsichtsratschef Jens Weidmann drängte den eigenen Vorstand parallel zum direkten Dialog mit den Italienern. Nach fast zwei Jahren Frontstellung ist damit klar: Nicht mehr ob, sondern zu welchen Bedingungen UniCredit die Kontrolle übernimmt, bestimmt jetzt den Kurs.
UniCredit schnappte immer mehr Commerzbank-Aktien: Vom Abwehrkampf zur Verhandlung
Fast zwei Jahre lang hatte sich Orlopp gegen die feindliche Offerte gestemmt, auch die Aktionäre blieben zurückhaltend: Bis zum Fristende am 3. Juli dienten Commerzbank-Aktionäre laut offizieller Mitteilung der Bank der UniCredit nur rund 17,6 Prozent ihrer Anteile an, weniger als 2 Prozent davon stammten von unabhängigen Investoren. Persönliche Treffen zwischen Orlopp und UniCredit-CEO Andrea Orcel im März und April sowie ein Telefonat im Mai brachten ebenfalls keine Annäherung. Der Bund als mit gut 13 Prozent zweitgrößter Anteilseigner lehnte einen Verkauf seiner Beteiligung weiterhin ab, kündigte laut Bundeskanzler Friedrich Merz Mitte Juli aber an: "Wir verhindern nicht diese Fusion." Genau diese Zurückhaltung öffnete UniCredit den Weg über den freien Markt, der Anteil wuchs dort auf knapp 50 Prozent, auf der nächsten Hauptversammlung würde das für die Mehrheit reichen. Nicht das gescheiterte Angebot, sondern diese Zahl zwang Orlopp und Weidmann an den Verhandlungstisch.
Orcels Plan für die Commerzbank nach der Übernahme
Was UniCredit-Chef Andrea Orcel mit dem Institut vorhat, geht über die Kapitalmehrheit hinaus. Er will laut eigenen Angaben in Deutschland 7.000 Vollzeitstellen streichen und das Auslandsnetz der Commerzbank ausdünnen, mit dem das Institut derzeit in 40 Ländern vertreten ist. Orlopp fordert im Gegenzug eine zweistellige Übernahmeprämie auf den Aktienkurs sowie den Erhalt zentraler Geschäftsmodell-Stärken, wozu aus ihrer Sicht auch das internationale Netzwerk zählt. Orcel rechnet mit den behördlichen Genehmigungen bis Jahresende und will seine Pläne ab dem 1. Januar 2027 umsetzen, eine Fusion mit der UniCredit-Tochter HypoVereinsbank plant er frühestens in zwei bis drei Jahren.
Der Betriebsrat als Rückhalt für die Belegschaft
Für die Beschäftigten liefert vor allem der Gesamtbetriebsrat einen Ankerpunkt. Er hatte frühzeitig eine Transformationsvereinbarung abgeschlossen, die bis Ende 2030 einen verlässlichen Schutz bietet und betriebsbedingte Kündigungen faktisch ausschließt. Personelle Veränderungen im Zuge einer Übernahme wären damit ausschließlich auf Grundlage der bestehenden Sozialplan- und Schutzregelungen möglich. In seinem jüngsten Rundschreiben verzichtet das Gremium mittlerweile auf die Forderung nach einer eigenständigen Commerzbank und verlagert den Fokus auf den Schutz der Beschäftigten nach einer möglichen Übernahme, ein Kurswechsel, der die veränderte Ausgangslage zusätzlich unterstreicht.
Ratingagenturen und Analysten uneins
Die Bewertungslage bleibt gespalten. S&P Global Ratings bestätigte das langfristige Emittentenrating der Commerzbank zwar mit A, senkte den Ausblick jedoch von positiv auf stabil und begründete dies mit Integrationsrisiken sowie dem möglichen Wegfall eigenständiger Kapitalpuffer im Fall einer Kontrollübernahme durch UniCredit. Die Deutsche Bank bestätigte dagegen Mitte Juli in einer Studie ihr Kaufen-Rating für die Commerzbank-Aktie und ordnete zugleich ein, dass einvernehmliche Übernahmen tendenziell mehr Aktionärswert schaffen als feindliche, weil sich Synergien darin schneller heben lassen. Operativ liefert der Vorstand unterdessen Rückenwind: Im Rahmen der Strategie Momentum 2030 hob er das Nettogewinnziel für das Geschäftsjahr 2026 auf mindestens 3,4 Milliarden Euro an, zuvor war von mehr als 3,2 Milliarden Euro die Rede. Für Anleger ergibt sich daraus ein Spannungsfeld aus vorsichtigerer Bonitätseinschätzung und wachsender operativer Ertragskraft.
Fahrplan bis zur Kontrollübernahme
UniCredit-Chef Andrea Orcel nannte gegenüber Analysten das vierte Quartal 2026 als mögliches Zeitfenster für die aufsichtsrechtliche Genehmigung durch die EZB, kurz danach wolle sein Haus die notwendigen Schritte zur Kontrollausübung einleiten. Am Donnerstag legt Commerzbank ihren Zwischenbericht für das zweite Quartal und das erste Halbjahr vor, direkt im Anschluss ist laut Branchenberichten eine Videokonferenz zwischen Orlopp und Orcel angesetzt. Dieses Gespräch dürfte laut Handelsblatt den Auftakt zu organisierten Verhandlungen darstellen und die ersten konkreten Anhaltspunkte liefern, wie sich beide Parteien die Zusammenarbeit in Zukunft tatsächlich vorstellen.
Der 6. August markiert damit den nächsten Beobachtungspunkt: Ob aus dem Gespräch zwischen Orlopp und Orcel konkrete Leitplanken für die Minderheitsaktionäre hervorgehen oder lediglich ein weiterer Zeitplan, dürfte zeigen, ob sich die Bewertungslücke zu den Analystenzielen aus Klarheit oder aus Druck heraus schließt. Commerzbank-Aktien sind nach den Kursgewinnen der vergangenen Monate anspruchsvoll bewertet, ein Rückzieher bei der aufsichtsrechtlichen Genehmigung oder enttäuschende Halbjahreszahlen könnten den Kurs empfindlich treffen. Am Montag schloss das Papier im XETRA-Handel bei 38,75 Euro und damit 2,87 Prozent über seinem Schlusskurs von Freitag.
Carolin Ludwig, Evelyn Schmal, Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net
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Bildquellen: Commerzbank AG, Commerzbank AG
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| Datum | Rating | Analyst | |
|---|---|---|---|
| 07.08.26 | Commerzbank Buy | Deutsche Bank AG | |
| 07.08.26 | Commerzbank Neutral | JP Morgan Chase & Co. | |
| 06.08.26 | Commerzbank Kaufen | DZ BANK | |
| 06.08.26 | Commerzbank Neutral | JP Morgan Chase & Co. | |
| 06.08.26 | Commerzbank Outperform | RBC Capital Markets |