Commerzbank-Aktie: Regierung sendet neue Signale - UniCredit wird optimistischer
UniCredit-Chef Andrea Orcel sieht den Widerstand gegen eine Übernahme der Commerzbank schwinden. Das nährt die Hoffnung auf einen erfolgreichen Abschluss des Milliarden-Deals.
Werte in diesem Artikel
- UniCredit-Chef zeigt sich im Interview optimistisch für die Commerzbank-Übernahme
- Italiener halten bereits rund 48 Prozent der Stimmrechte an der Bank
- Auch die Bundesregierung schwenkt von Blockade zu Verhandlungen um
Im Machtkampf um das zweitgrößte deutsche Finanzhaus, die Commerzbank, zeigt sich UniCredit-Chef Andrea Orcel zunehmend siegessicher. Im Interview mit der "Welt am Sonntag" sagte er, er sei optimistisch, dass der politische Widerstand in Deutschland schwinde. Untermauert wird diese Zuversicht durch eine mittlerweile fast schon marktbeherrschende Beteiligung an dem deutschen Geldhaus.
Orcel betont erneut Vorteile des Zusammenschlusses
In dem Gespräch wiederholt Orcel auch seine strategische Begründung für die Übernahme: Aus seiner Sicht ist die Übernahme von Commerzbank und deren polnischer Tochter mBank die Transaktion, die UniCredit endgültig zu einer paneuropäischen Bank macht. Politischer Widerstand in Deutschland bestehe zwar weiterhin, doch er gehe davon aus, dass sich dieser überwinden lässt. Auch Kritik, die Übernahme schade der Commerzbank, weist er zurück: Mehrere Medien berichteten unter Berufung auf ein Interview mit der italienischen Zeitung "Corriere della Sera", Orcel habe argumentiert, niemand investiere rund 22 Milliarden Euro, um ein Geschäft zu schwächen.
Wie weit UniCredit bereits ist
Dass sich Orcel diesen Optimismus leisten kann, zeigt ein Blick auf die tatsächliche Machtposition: Nach eigenen Angaben kontrolliert die italienische Bank inzwischen einen Anteil an der Commerzbank von rund 48 Prozent der Stimmrechte, nachdem UniCredit im Rahmen ihres Übernahmeangebots über 45 Milliarden Euro zuletzt eine wirtschaftliche Beteiligung von 47,6 Prozent offenlegte. Gegenüber dem US-Sender CNBC sagte Orcel, ein vollständiger Erwerb der Commerzbank könne "potenziell" im vierten Quartal 2026 abgeschlossen werden, allerdings auch später. Rückenwind erhält er von den eigenen Zahlen: UniCredit steigerte den Halbjahresgewinn um 24 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro und hob die Gewinnprognose für 2026 auf deutlich über 11 Milliarden Euro an.
So hat sich die Aktie seit der Offerte entwickelt
Diese Machtposition hat sich nicht zuletzt am Aktienmarkt aufgebaut: UniCredit hatte ihr freiwilliges Übernahmeangebot am 5. Mai 2026 formal veröffentlicht, 0,485 neue UniCredit-Aktien pro Commerzbank-Anteil, ohne Barkomponente, was zum damaligen Kurs der Italiener rund 32,50 Euro je Commerzbank-Aktie entsprach und die Bank mit etwa 35 Milliarden Euro bewertete. Die Commerzbank-Aktie notierte in den Wochen danach fast durchgehend über diesem Angebotswert und liegt aktuell auf XETRA bei 37,46 Euro, ebenfalls darüber. Bei der endgültigen Annahmefrist am 3. Juli 2026 wurden laut Commerzbank nur 17,6 Prozent der Aktien angedient, davon weniger als 2 Prozent von unabhängigen institutionellen oder privaten Anlegern. Seit dem Start der eigenen "Momentum 2030"-Strategie im Februar 2025 hat sich der Kurs nach Angaben des Unternehmens sogar verdoppelt.
Warum der politische Widerstand tatsächlich bröckelt
Dass Orcel trotz der komplizierten Ausgangslage optimistisch bleibt, hat auch politische Gründe: Die Bundesregierung ist laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg von einer grundsätzlichen Ablehnung der Übernahme abgerückt und erarbeitet stattdessen einen Forderungskatalog für mögliche Verhandlungen. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte diesen Kurswechsel bereits angedeutet und betont, die Aktionäre sollten über das Schicksal der Bank entscheiden, nicht die Politik. Der nächste konkrete Termin ist der 6. August 2026, wenn Commerzbank ihre Quartalszahlen vorlegt und sich Orcel mit Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp treffen soll.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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Bildquellen: Thomas Lohnes/Getty Images, Commerzbank AG
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| 21.05.26 | Commerzbank Overweight | Barclays Capital |
