Kaufgelegenheit?

Analyst bezeichnet Micron als "wichtigste Aktie am Markt" - Sollten Anleger nach dem Rücksetzer kaufen?


Analyst bezeichnet Micron als "wichtigste Aktie am Markt" - Sollten Anleger nach dem Rücksetzer kaufen?

Ein Analysehaus nennt die Micron-Aktie die wichtigste des gesamten Marktes, doch die Bewertung wirft Fragen auf.

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  • Trivariate Research kürt Micron zur wichtigsten Aktie des gesamten Marktes
  • Ein Rekordquartal und ausverkaufte KI-Speicherkapazitäten stützen die These
  • Zyklische Speicherpreise und Kundenkonzentration bleiben die zentralen Risiken
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Das unabhängige Analysehaus Trivariate Research bezeichnete die Micron Technology-Aktie laut MarketWatch als "die wichtigste Aktie am Markt" - und die Begründung zielt direkt auf die Bewertungsfrage, die viele Anleger derzeit umtreibt. Analyst Adam Parker nannte den Speicherchiphersteller als den zentralen Gradmesser dafür, wie lange der KI-Infrastrukturboom noch trägt, und stellte ihn damit in eine Reihe mit den größten Technologiewerten überhaupt. Für Anleger, die die Nachhaltigkeit des KI-Booms einschätzen wollen, wird Micron damit zu einer Art Frühindikator für den gesamten Sektor.

Grundlage für die Einschätzung von Trivariate Research ist ein Rekordquartal. Am 24. Juni meldete Micron Technology für das dritte Geschäftsquartal 2026 einen Umsatz von 41,46 Milliarden US-Dollar, ein Plus von rund 346 Prozent gegenüber den 9,30 Milliarden US-Dollar aus dem Vorjahresquartal. Der Gewinn je Aktie stieg auf 24,67 US-Dollar nach 1,68 US-Dollar ein Jahr zuvor, das bereinigte Ergebnis von 25,11 US-Dollar übertraf den Analystenkonsens von rund 21,05 US-Dollar deutlich. Für das laufende vierte Quartal stellte das Unternehmen selbst einen Umsatz von rund 50,0 Milliarden US-Dollar (plus/minus 1,0 Milliarden US-Dollar) sowie einen Gewinn je Aktie von 30,73 US-Dollar in Aussicht. Sollte diese Prognose eintreffen, wäre es erneut ein Rekordwert und würde die These vom strukturellen Nachfrageschub weiter stützen.

Ausverkaufte Kapazitäten als Kernargument

Treiber der Rekordzahlen ist der sogenannte High Bandwidth Memory, kurz HBM, den KI-Beschleuniger für ihre Rechenleistung benötigen. Micron hat seine gesamte HBM-Kapazität für 2026 bereits verkauft, Konzernchef Sanjay Mehrotra rechnet mit einer anhaltenden Angebotsknappheit über das Jahr 2027 hinaus. Untermauert wird das durch 16 mehrjährige Liefervereinbarungen mit einem Volumen von zusammen rund 22 Milliarden US-Dollar, die dem Unternehmen eine für die zyklische Speicherbranche ungewöhnliche Umsatzsichtbarkeit verschaffen. Am 22. Juni hatte Micron zudem eine mehrjährige Liefer- und Investitionsvereinbarung mit dem KI-Unternehmen Anthropic bekanntgegeben. Getragen von dieser Nachfragewelle überschritt die Marktkapitalisierung von Micron Technology an der US-Börse NASDAQ im Mai 2026 erstmals die Marke von 1 Billion US-Dollar, ein Meilenstein, den vor wenigen Jahren kaum jemand dem einstigen Zykliker zugetraut hätte.

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Analysten sehen Micron-Aktie in der Spitzengruppe

Auch bei Mizuho Securities genießt der Speicherhersteller höchstes Ansehen: Analyst Daniel O'Regan stufte die Micron Technology-Aktie laut Crypto Briefing als potenziell drittwichtigsten Wert weltweit ein, hinter NVIDIA und Alphabet. Bei der zugehörigen Mizuho Financial Group wird damit ein einstiger Nischenwert aus dem Speichersegment in eine Reihe mit den größten Technologiekonzernen der Welt gestellt. Das durchschnittliche Kursziel von 30 Analysten bei TipRanks liegt aktuell bei 1.569,00 US-Dollar je Micron-Aktie, die Tendenz der Einschätzungen fällt mit 29 Buy-Ratings überwiegend positiv aus.

An der NASDAQ schloss die Micron-Aktie am Montag zuletzt bei 865,46 US-Dollar mit einem Plus von 1,94 Prozent und gewinnt am Dienstag zeitweise 8,78 Prozent auf 941,49 US-Dollar. Damit versucht sich das Papier an einer Erholung, nachdem der Kurs zuvor unter Druck geraten war: Auf Sicht von vier Wochen hat der Anteilsschein von Micron Technology jedoch immer noch rund 17,7 Prozent verloren.

Morgan Stanley: Rückschläge kein Grund zur Sorge

Joseph Moore von Morgan Stanley ordnete die vorangegangene Schwäche, die den gesamten Halbleitermarkt erfasst hatte, laut MarketWatch nach der Erholung am Montag in einer Kundennotiz als Fehlsignal ein: Gemischte Nachrichten aus den kleineren Segmenten Consumer, PC und Smartphone würden seiner Einschätzung nach fälschlich auf das eigentlich entscheidende Rechenzentrumsgeschäft übertragen.

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Die durch KI-Nachfrage ausgelöste Speicherknappheit zeige laut Moore weiterhin keine Entspannungstendenz, er rechnet mit einem Anstieg der Speicherpreise um mindestens 25 Prozent vom zweiten zum dritten Quartal 2026 und geht davon aus, dass sich der Engpass bis mindestens 2028 verschärft. Langfristige Lieferverträge und ein Redesign von KI-Chips könnten den Ausschlag des Zyklus zwar dämpfen, zugleich aber seine Dauer verlängern, was Moore für Aktionäre auf Sicht als vorteilhaft einstuft. Moore hält dabei Recheninfrastruktur-Werte wie NVIDIA und Broadcom weiterhin für die attraktivsten Titel im Sektor, sieht bei den Speicherherstellern wie Micron angesichts der Aufholbewegung aber ebenfalls einen günstigen Einstiegspunkt.

Bewertung erscheint attraktiv

Bei Trivariate Research verweist man zur weiteren Einordnung der Chancen und Risiken eines Investments auf die Bewertung der Micron-Aktie: Auf Basis der laufenden Schätzungen sei Micron mit einem KGV von unter 11 historisch günstig bewertet. "Das erscheint uns niedrig für den einzigen US-Hersteller eines kritischen Produkts in der KI-Lieferkette", schrieben die Analysten. Gemäß ihrem Modell mit 10.000 Szenarien für den Gewinn pro Aktie (EPS) von Micron - vom Höhepunkt bis zum anschließenden Abschwung des KI-Zyklus - notiere die Aktie zu einem niedrigen Bewertungsfaktor, "insbesondere wenn die Gewinne nach Erreichen des Höchststands nicht rasch und massiv einbrechen".

Zwei Risiken sollten Anleger jedoch im Blick behalten. Erstens bleibt die Speicherbranche strukturell zyklisch: Kippt die Investitionsdisziplin der großen Cloud-Konzerne bei ihren KI-Rechenzentren, könnte sich die aktuelle Angebotsknappheit schneller auflösen als gedacht, und frühere Speicherzyklen zeigen, wie schnell aus Knappheit ein Preisverfall werden kann. Zweitens hängt ein erheblicher Teil der Visibilität an wenigen großen Kunden aus dem Hyperscalersegment, deren Investitionsentscheidungen die Nachfrage nach Micron-Speicher maßgeblich bestimmen und deren Kaufverhalten sich kurzfristig ändern kann.

Carolin Ludwig, Bettina Schneider, Julia Walter, Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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Bildquellen: Charles Knowles / Shutterstock.com, Sundry Photography / Shutterstock.com

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