Große Short-Wette: Burry nimmt Aktien von NVIDIA und Caterpillar ins Visier
Ausgerechnet die Aktie, die ihm jahrelang treue Gewinne brachte, nimmt Starinvestor Michael Burry jetzt ins Visier und wettet gegen den KI-Boom.
Werte in diesem Artikel
- Burry shortet erstmals Caterpillar sowie NVIDIA, Tesla und Applied Materials
- Halbleiterindex SOXX notiert 65 Prozent über seinem 200-Tage-Schnitt
- Burry vergleicht die Rally mit der Dotcom-Blase des Jahres 2000
Michael Burry hat seine Liste der Short-Wetten am Dienstag deutlich erweitert. Ausgerechnet Caterpillar steht erstmals darauf, eine Aktie, die den Starinvestor bislang nur auf der Long-Seite begleitet hatte. Wie aus einem TipRanks-Bericht hervorgeht, positionierte sich Burry zugleich gegen NVIDIA, Applied Materials, Tesla und den iShares Semiconductor ETF SOXX. In einem Substack-Beitrag begründete der Investor, der 2008 mit seiner Wette gegen den US-Immobilienmarkt bekannt wurde, den Schritt mit einer aus seiner Sicht gefährlich überhitzten Bewertung der KI-nahen Aktien.
Caterpillar-Aktie als ungewohnte Wette
Burry selbst bezeichnete den Schritt als überraschend, selbst für ihn. Er habe Caterpillar zuvor nie leerverkauft, die Aktie sei ihm auf der Long-Seite stets gut gelaufen, erklärte er in seinem Substack-Beitrag. Genau das macht die Kehrtwende bemerkenswert. Caterpillar hat sich vom klassischen Baumaschinenhersteller zu einem viel beachteten Vertreter der KI-Infrastruktur entwickelt, weil der Konzern Turbinen und Motoren für die Stromversorgung von Rechenzentren liefert. Die Aktie legte im ersten Halbjahr 2026 um 86 Prozent zu und übertraf damit den Anstieg des S&P 500 von rund 9,6 Prozent im gleichen Sechsmonatszeitraum um ein Vielfaches. Burry stieg nach eigenen Angaben am Dienstag, dem 30. Juni 2026, bei 1.060,98 USD (NYSE) short ein und verwies auf ein Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV), das nach seiner Analyse den höchsten Stand seit mindestens 30 Jahren erreicht hat.
Der Halbleitersektor als Kernthese
Caterpillar ist für Burry aber nur ein Baustein einer breiteren These. Kern seiner Argumentation bleibt der Halbleitersektor. Dort verwies er auf den Philadelphia Semiconductor Index, der rund 65 Prozent über seiner 200-Tage-Linie notiert, ein Abstand, der zuletzt während der Dotcom-Blase im Jahr 2000 erreicht wurde. Das KUV des SOXX liege bei über 16, und selbst ohne NVIDIA falle der Wert kaum niedriger aus, wird Burry übereinstimmend von verschiedenen Medien zitiert. Auslöser der jüngsten Rally seien milliardenschwere Investitionsankündigungen südkoreanischer Chip-Konzerne gewesen. Burry deutete diese Nachricht jedoch nicht als neuen Wachstumsimpuls, sondern als Signal dafür, dass der Zyklus sich seinem Ende nähert.
Zwiespältiges Bild bei NVIDIA
Ausgerechnet bei NVIDIA ergibt sich ein uneinheitliches Bild. Die Aktie legte in den vergangenen sechs Monaten lediglich um 7,4 Prozent zu und blieb damit ebenfalls hinter dem S&P 500 sowie weit hinter dem SOXX zurück, der im ersten Halbjahr 2026 um 111 Prozent stieg. Burry hatte seine erste NVIDIA-Short-Position bereits im Mai 2025 offengelegt, die aktuelle Wette ist also keine Kehrtwende, sondern eine Fortsetzung. Auf der Plattform Stocktwits war die Anlegerstimmung zu Applied Materials zuletzt bullish, zu NVIDIA dagegen bearish, während der SOXX neutral bewertet wurde. Der Markt ist beim Thema also gespalten, selbst innerhalb des von Burry ins Visier genommenen Sektors.
Analysten sehen das mehrheitlich anders
Gegen die offizielle Lesart spricht vor allem die Analystenmeinung. Ein Vergleich mehrerer Bewertungen über das TipRanks-Analysetool zeigt für NVIDIA und Applied Materials im Schnitt eine Strong-Buy-Einschätzung, für Tesla und Caterpillar ein Moderate Buy. Für NVIDIA ergibt sich daraus laut demselben Vergleich sogar das höchste Aufwärtspotenzial der vier Werte auf Sicht von zwölf Monaten. Burrys Bärenthese steht damit im deutlichen Widerspruch zur breiten Wall-Street-Einschätzung, was seine Wette umso auffälliger macht. Offen bleibt zudem, wie groß die Positionen tatsächlich sind, denn Burry machte dazu keine Angaben und ließ auch offen, ob er die Wetten über Optionen strukturiert hat.
Belastbare Zahlen zu den Positionsgrößen dürften erst mit der nächsten Pflichtmeldung von Burrys Beteiligungsgesellschaft Scion Asset Management bei der US-Börsenaufsicht SEC vorliegen. Das 13F-Filing für das am 30. Juni 2026 abgelaufene Quartal ist innerhalb der 45-Tage-Frist bis zum 14. August 2026 fällig und wird zeigen, wie groß die Wetten tatsächlich ausfallen und ob sie bis dahin Bestand haben.
Alexandra Hesse, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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