KI-Aktien wie Micron, NVIDIA, AMD und Co. erholen sich: Analyst nennt Chip-Ausverkauf überzogen
Nach dem Kursrutsch bei KI-Halbleiterwerten wächst die Debatte darüber, was Dario Amodeis Essay wirklich für die Chip-Nachfrage bedeutet.
Werte in diesem Artikel
- KI-Chip-Aktien erholen sich nach dem Kursrutsch infolge eines Amodei-Essays
- Analyst KC Rajkumar sieht keine Anzeichen für eine Verlangsamung bei GPUs
- Als eigentliche Belastung nennt er steigende Zinsen und geopolitische Risiken
Halbleiterwerte wie NVIDIA, AMD (Advanced Micro Devices), Micron Technology und Intel drehen am Dienstag ins Plus, nachdem ein Essay von Anthropic-Chef Dario Amodei am Montag einen breiten Ausverkauf der Branche ausgelöst hatte.
Micron-Papiere gewannen an der NASDAQ 0,39 Prozent auf 927,60 US-Dollar, Intel schloss bei 97,14 US-Dollar stabil. Die AMD-Aktie schloss unterdessen 2,19 Prozent im Plus bei 504,20 US-Dollar, während NVIDIA-Anteilsscheine um 0,57 Prozent auf 212,17 US-Dollar anzogen.
Der Kursrutsch vom Vortag wurde vor allem durch Warnungen vor den möglichen Schäden einer außer Kontrolle geratenen KI ausgelöst. Die Aussagen von Amodei und die Unterstützung durch prominente Silicon-Valley-Stimmen schürten zudem Zweifel, ob das bisherige Tempo der KI-Entwicklung und die hohen Bewertungen der Branche gerechtfertigt sind. Anleger befürchten, dass ein vorsichtigeres Entwicklungstempo die Investitionen in KI-Infrastruktur bremsen könnte. Doch laut einer Einschätzung von KC Rajkumar, Analyst bei Lynx Equities Strategies, habe der Markt Amodeis eigentliche Botschaft falsch gelesen.
KI-Aktien steigen wieder: Keine Spuren in der Lieferkette
Anleger fragten sich, ob Amodeis Appell zu einer maßvolleren KI-Entwicklung auch eine sinkende Nachfrage nach Rechenleistung ankündigt. Wie investing.com berichtet, kommt Rajkumar in seiner Analyse zu einem gegenteiligen Schluss. Seine Überprüfung der Lieferkette habe keine Verlangsamung bei der GPU-Auslieferung ergeben, keine Stornierungen bei Speicher- und Flash-Bauteilen, keine gestrichenen Aufträge bei Auftragsfertigern und Zulieferern sowie keine veränderten Lieferpläne der Ausrüstungshersteller. Über den gesamten Hardware-Stack hinweg, vom Silizium bis zur Verpackung, zeige sich damit ein unverändertes Bild, so der Analyst laut investing.com.
Amodeis Essay als Gegenbeweis
Rajkumar geht laut investing.com noch einen Schritt weiter und zieht den Essay selbst als Entlastung heran: Nirgendwo darin werde ein langsameres Tempo beim Hardware-Ausbau gefordert. Amodei selbst habe formuliert: „Eine Tempofestlegung bedeutet nicht, das Modelltraining oder den technischen Fortschritt zu stoppen." Der Analyst argumentiert zudem, Anthropic habe selbst ein wirtschaftliches Interesse an einem weiteren Kapazitätsausbau, da ein gebremstes Umsatzwachstum den eigenen Weg zur Profitabilität und einem möglichen Börsengang erschweren würde. Nichts in Amodeis Text habe eine Verzögerung dieser Pläne nahegelegt, so Rajkumar laut investing.com.
Zinsen und Geopolitik als eigentliche Belastung für Aktien von NVIDIA und Co.?
Zu den wahren Ursachen für die Schwäche bei KI-Halbleiterwerten äußert sich Rajkumar laut investing.com deutlich: Nicht die Aussagen einzelner Branchenführer belasteten den Sektor, sondern makroökonomischer Gegenwind aus zwei Richtungen. Zum einen nennt er steigende Renditen langlaufender Anleihen, zum anderen geopolitische Spannungen, darunter die anhaltenden Exportkontrollen zwischen den USA und China sowie Risiken rund um Taiwan. Diese strukturellen Kräfte lasteten auf bewertungssensiblen Halbleiterwerten, nicht eine veränderte Stimmung gegenüber der KI-Branche selbst. Bleibt der Ausverkauf makroökonomisch statt nachfragegetrieben, so die Einordnung, bleibe die Investmentthese für Anbieter von KI-Infrastruktur intakt.
Blick auf die FOMC-Sitzung
Für die kommenden Handelstage sieht Rajkumar laut investing.com zwei zentrale Einflussfaktoren. Die Zinsentscheidung der US-Notenbank am Mittwoch gilt als unmittelbarster Katalysator: Falle die weithin erwartete Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt zusammen mit einer glaubwürdigen Forward Guidance, rechnet der Analyst mit nachlassender Volatilität am Anleihemarkt. Das würde den stärksten Bewertungsdruck von wachstumsstarken, langlaufenden Titeln wie NVIDIA, AMD und Broadcom nehmen. Über die Fed hinaus bleibt laut Rajkumar auch das geopolitische Umfeld ein Risikofaktor; jede Entspannung könnte dem Sektor zusätzlichen Rückenwind geben, während eine restriktive Überraschung der Notenbank oder ein neuer geopolitischer Schock den Druck auf die Branche unabhängig von Amodeis Essay erhöhen würde.
Warum der Rücksetzer bei NVIDIA & Co. eine Chance sein könnte – und worauf Anleger jetzt achten müssen
Für Anleger spricht die aktuelle Entwicklung zunächst dafür, dass die Nachfrage nach KI-Infrastruktur weiterhin robust ist und der jüngste Kursrutsch nicht zwangsläufig auf eine Abschwächung des KI-Booms hindeutet. Entscheidend dürfte daher weniger die Debatte über das Tempo der KI-Entwicklung sein als die Frage, wie sich Zinsen, Anleiherenditen und geopolitische Risiken entwickeln. Bleiben die Investitionen in Rechenzentren und GPUs hoch, könnten Rücksetzer bei KI-Halbleiterwerten wie NVIDIA, AMD oder Micron für langfristig orientierte Anleger interessant bleiben. Gleichzeitig sind die hohen Bewertungen und die starke Abhängigkeit des Sektors von der Zinsentwicklung ein Grund, mit erhöhter Volatilität zu rechnen. Anleger sollten daher nicht allein auf die kurzfristige Erholung setzen, sondern insbesondere die weitere Entwicklung der Nachfrage, der Gewinnperspektiven und des makroökonomischen Umfelds im Blick behalten.
Bettina Schneider, Julia Walter, Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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