NVIDIA-Aktie: Warum die Milliarden-Offensive gegen die KI-Chip-Konkurrenz jetzt ins Stocken gerät
NVIDIA kauft sich Vorteile gegen die KI-Chip-Konkurrenz, doch Regulierer und Investoren stellen zwei entscheidende Fragen.
Werte in diesem Artikel
- NVIDIA verhandelt mit dem koreanischen Chipdesigner Rebellions über einen Deal
- Zugleich steigt NVIDIA beim Stromversorger Cloverleaf Infrastructure ein
- Kritiker sehen Kartellrisiken und hinterfragen den Sinn nach dem Groq-Deal
NVIDIA bekämpft die wachsende Konkurrenz im Geschäft mit KI-Chips zunehmend mit dem eigenen Bankkonto statt allein mit technischer Überlegenheit. Der Chipkonzern zählt laut einer Einordnung von Barron's zu den aktivsten Wagniskapitalgebern der Branche und hat in den vergangenen 18 Monaten dutzende Beteiligungen an privaten Unternehmen aufgebaut, von KI-Modellentwicklern bis zu Roboterherstellern. Am 21. August wurden gleich zwei neue Vorstöße bekannt: Gespräche mit dem koreanischen Chipdesigner Rebellions über eine mögliche Übernahme oder Beteiligung sowie ein Einstieg beim Stromentwickler Cloverleaf Infrastructure. Für Anleger wirft die aggressive Einkaufstour zwei Fragen auf, die über den einzelnen Deal hinausgehen.
Vom Groq-Deal zum Rebellions-Gespräch: ein wiederkehrendes Muster
Den Ton hatte NVIDIA bereits mit seinem bislang größten Deal gesetzt: Ende vergangenen Jahres vereinbarte der Konzern ein rund 20 Milliarden US-Dollar teures Lizenzabkommen mit dem Inferenzchip-Spezialisten Groq, das zentrale Mitarbeiter zu NVIDIA holte, ohne das Unternehmen formal zu übernehmen. Selbst eine mögliche Rebellions-Bewertung von rund 2,3 Milliarden US-Dollar wäre für NVIDIA finanziell keine Hürde: Der Konzern soll laut Barron's in diesem Jahr mehr als 210 Milliarden US-Dollar freien Cashflow erwirtschaften. Bei Rebellions liefen die Gespräche laut einem Bloomberg-Bericht vom vergangenen Freitag an: NVIDIA-Chef Jensen Huang traf sich mit Rebellions-Mitgründer und Chef Sunghyun Park am NVIDIA-Sitz in Santa Clara, um über eine technische Partnerschaft, eine Beteiligung oder eine Übernahme zu sprechen.
Zwei überschneidende Wetten auf dieselbe Nische
Genau hier liegt laut Barron's das erste Problem der Rebellions-Gespräche. Das 2020 gegründete Unternehmen hat sich wie Groq auf Inferenzchips spezialisiert, also auf Hardware, die fertige KI-Modelle im laufenden Betrieb versorgt statt sie zu trainieren. Die Wall Street wartet nach Einschätzung von Barron's noch immer darauf, wie groß die tatsächliche Nachfrage nach der kombinierten NVIDIA-Groq-Hardware ausfällt. Ein weiterer Zukauf in exakt demselben Marktsegment wirkt vor diesem Hintergrund zeitlich ungewöhnlich gewählt und nährt die Frage, ob NVIDIA tatsächlich zusätzliche Technologie braucht oder vor allem verhindern will, dass ein Wettbewerber wie Rebellions eigenständig weiterwächst.
Kartellrecht als zweite Hürde
Das zweite Problem betrifft die Regulierung. NVIDIA sah sich im Jahr 2024 mit einer Reihe von Kartellverfahren in verschiedenen Märkten konfrontiert, wenngleich es seither ruhiger um dieses Thema geworden ist, weil der Wettbewerb um KI-Chips insgesamt zugenommen hat. Nicht zufällig strukturierte der Konzern den Groq-Deal bewusst als reines Lizenzabkommen, um wettbewerbsrechtliche Fragen von vornherein zu umgehen. Eine formale Übernahme von Rebellions würde anders aufgenommen werden: Das Unternehmen wird auch von der südkoreanischen Regierung unterstützt, was laut Barron's Konflikte aufwerfen könnte, die NVIDIA lieber vermeiden würde. Bislang gilt eine Übernahme nur als eine von mehreren möglichen Ausgangsformen der Gespräche, neben Kooperation oder einer bloßen Beteiligung.
NVIDIA-Aktie: Parallel dazu wächst das Stromgeschäft
Separat baute NVIDIA am selben Freitag sein Engagement im Rechenzentrumsgeschäft aus. Wie Barron's unter Berufung auf einen Bericht des Wall Street Journal berichtet, befand sich der Konzern zunächst in fortgeschrittenen Gesprächen über eine Investition beim Stromentwickler Cloverleaf Infrastructure. Inzwischen ist daraus laut dem Bericht eine strategische Partnerschaft mit einer Minderheitsbeteiligung von NVIDIA geworden. Cloverleaf, gegründet 2024, hat bereits Projekte mit mehr als sieben Gigawatt Leistung an Rechenzentrumsbetreiber wie Oracle und OpenAI verkauft und verfügt über eine Pipeline von mehr als zehn Gigawatt. NVIDIA-Manager Nico Caprez brachte den Zweck des Einstiegs auf den Punkt: KI-Fabriken seien "die Infrastruktur des Intelligenzzeitalters", Land, Strom und Gebäudehülle bildeten deren Fundament.
Worauf Anleger achten sollten
Ob aus den Rebellions-Gesprächen am Ende eine Lizenzvereinbarung nach Groq-Vorbild, eine Minderheitsbeteiligung oder tatsächlich eine Übernahme wird, ist offen, ebenso, wie südkoreanische Behörden auf ein mögliches Übernahmeszenario reagieren würden. Anleger dürften in den kommenden Wochen vor allem darauf achten, ob NVIDIA erneut zur Lizenzstruktur greift, die den Groq-Deal vor Kartellfragen bewahrte.
Ein derart dichtes Geflecht aus Lizenzdeals, Beteiligungen und möglichen Übernahmen bindet nicht nur Kapital, sondern auch regulatorische Aufmerksamkeit, ein Risiko, das sich erst mit dem Ausgang der Rebellions-Gespräche und etwaiger Kartellprüfungen zeigen dürfte.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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