KI schlägt Menschen beim Investieren? Bridgewater gibt Aktien-Anlegern klare Hinweise
Der Hedgefonds-Riese Bridgewaters fährt seinen KI-Einsatz drastisch hoch, während sein Investmentchef vor einem historischen Risiko warnt.
Werte in diesem Artikel
- Bridgewaters Token-Nutzung für KI stieg um das 200-Fache
- Co-Investmentchef Jensen sieht die KI in wenigen Jahren allen Mitarbeitern überlegen
- Könnte KI bald bessere Anlageentscheidungen als Menschen treffen?
Greg Jensen, Co-Investmentchef von Bridgewater Associates, sorgt mit einer doppelten Botschaft für Aufsehen. Im Bloomberg-Podcast Odd Lots, veröffentlicht am vergangenen Freitag, räumt er ein, dass künstliche Intelligenz die Menschheit potenziell auslöschen könnte, sollte tatsächlich eine der Menschheit überlegene Intelligenz mit eigenen Zielen entstehen. Wie MarketWatch berichtet, treibt der mit rund 150 Milliarden US-Dollar verwaltete Hedgefonds den Einsatz von KI in der eigenen Kapitalanlage aber gleichzeitig so aggressiv voran wie kaum ein anderer Marktteilnehmer. Für Anleger, die Bridgewaters Positionierung in Technologiewerten wie der NVIDIA-Aktie im Blick haben, liefert das Interview einen seltenen Einblick, wie einer der größten Vermögensverwalter der Welt KI inzwischen tatsächlich in der Praxis einsetzt.
Token-Verbrauch für KI steigt um das 200-Fache
Bridgewater hat seinen Verbrauch an KI-Rechenleistung, gemessen an verarbeiteten Tokens, um das 200-Fache gesteigert, wie Jensen im Podcast offenbart. Der Hedgefonds setzt KI dabei auf zwei Wegen ein: Zum einen unterstützen die Modelle die menschlichen Portfoliomanager bei Analyse und Entscheidungsfindung, zum anderen existiert bereits ein Modell, bei dem die KI die Anlageentscheidung federführend selbst trifft, während Menschen nur noch die Kontrolle behalten. Beide Ansätze seien laut Jensen bislang profitabel gewesen. Für einen Fonds dieser Größenordnung ist das mehr als ein Experiment: Es zeigt, wie tief KI inzwischen in operative Entscheidungen vordringt, die früher ausschließlich erfahrenen Investmentmanagern vorbehalten waren.
Ein paar Jahre bis zur KI-Überlegenheit?
Besonders bemerkenswert ist Jensens Einschätzung zum Zeithorizont. „Ich glaube, wir sind noch ein paar Jahre davon entfernt, dass sie deutlich besser wird als die Gesamtheit aller Menschen bei Bridgewater“, sagte Jensen im Podcast. Er schränkte selbst ein, dass es sich dabei um eine Prognose handle, betonte aber gleichzeitig, wie schnell sich die Fähigkeiten der Modelle derzeit entwickelten. Für einen Hedgefonds, dessen Geschäftsmodell traditionell auf der über Jahrzehnte aufgebauten Intuition menschlicher Investmentmanager beruht, wäre das ein tiefgreifender Umbruch: Die KI müsste dann nicht nur einzelne Analysen liefern, sondern ganze Anlageentscheidungen eigenständig besser treffen als das gesammelte Wissen der gesamten Organisation.
Warnung vor einem historischen Risiko
Unter den KI-Optimisten ist Jensen keineswegs blauäugig. Im Podcast vergleicht er die aktuelle Lage mit dem Februar 2020, als China die Ausbreitung des Coronavirus gemeldet hatte und Italien bereits die ersten Auswirkungen zu spüren bekam. „Bis die KI anfängt, Menschen zu töten, wird die Geschichte wohl zeigen, dass wir nichts unternehmen“, sagte Jensen. Als Grund für die staatliche Untätigkeit nennt er die Unsicherheit vieler Regierungsvertreter, wie mit der Technologie umzugehen sei. „Je länger man wartet, desto hoffnungsloser wird es“, so Jensen weiter.
Haftung für KI-Labore und Steuer auf Maschinenarbeit
Als konkrete Gegenmaßnahme schlägt Jensen vor, KI-Labore rechtlich für Straftaten haftbar zu machen, die ihre Systeme begehen. „Wenn man Unternehmen tatsächlich für die Verbrechen ihrer KI verantwortlich machen würde, würde das die Entwicklung bremsen“, erklärte er weiter im Podcast. Dem Einwand, China werde ohnehin unabhängig davon weiter vorpreschen, hält Jensen entgegen, dass auch die Kommunistische Partei ein eigenes Interesse an gesellschaftlicher Stabilität habe. Zusätzlich bringt er eine Steuer auf maschinelle Arbeit ins Spiel, mit der die Verdrängung von Bürojobs abgefedert und die Aufsicht über KI-Systeme finanziert werden soll. Dass Bridgewater trotz dieser Warnungen selbst stark auf KI setzt, zeigt sich auch im Portfolio: Die jüngste Meldung an die US-Börsenaufsicht SEC weist laut MarketWatch große Positionen in der Broadcom-Aktie und der Amazon-Aktie aus, neben der bereits erwähnten NVIDIA-Position.
KI auf dem Vormarsch: Was Anleger über die neue Investment-Ära wissen müssen
Für Anleger zeigt die Entwicklung bei Bridgewater vor allem, dass KI vom Analysewerkzeug zunehmend zum Bestandteil konkreter Anlageentscheidungen wird. Jensens Einschätzung wirft zudem die Frage auf, ob KI bald bessere Anlageentscheidungen als Menschen treffen könnte. Für Investoren bedeutet das nicht nur, dass KI-getriebene Strategien an Bedeutung gewinnen, sondern auch, dass die traditionellen Vorteile menschlicher Fondsmanager mittelfristig schwinden könnten.
Sollte sich der von Jensen beschriebene Trend fortsetzen, könnte sich damit langfristig die Rolle menschlicher Investmentmanager verändern. Gleichzeitig bleibt offen, ob KI-Systeme tatsächlich dauerhaft bessere Anlageentscheidungen treffen können – und ob sich daraus für die heute führenden KI-Profiteure wie NVIDIA, Broadcom und Amazon entsprechend nachhaltige Wettbewerbsvorteile ergeben. Anleger sollten daher nicht allein auf die Geschwindigkeit des KI-Fortschritts schauen, sondern auch darauf, welche Unternehmen von der steigenden KI-Nutzung tatsächlich finanziell profitieren und wie sich die hohen Erwartungen bereits in den Bewertungen widerspiegeln.
Für Anleger dürfte in den kommenden Monaten vor allem interessant sein, wie sich Bridgewaters Modell mit KI als federführendem Entscheider weiterentwickelt. Aufschlussreich könnte zudem ein künftiges Filing bei der SEC sein: Es könnte zeigen, ob der Hedgefonds seine Positionen in großen KI-Profiteuren weiter ausbaut oder bereits erste Gewinne mitnimmt.
Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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