Siemens Energy-Aktie: Aufsichtsrat berät zeitnah über Spartenabspaltung
Während der Aufsichtsrat zeitnah über die Zukunft einer ganzen Konzernsparte berät, sehen Analysten weiteres Kurspotenzial für die Aktie.
Werte in diesem Artikel
- Kontrollgremium ringt um Zukunft einer kompletten Konzernsparte
- Rekordauftragseingang vs. Umbaupläne
- Analystenhäuser sehen trotz Debatte deutliches Aufwärtspotenzial
Der Aufsichtsrat von Siemens Energy kommt laut Handelsblatt am Dienstag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, um über eine mögliche Abspaltung der Sparte Transformation of Industry zu beraten. Eine abschließende Entscheidung wird an diesem Termin nicht erwartet. Die Debatte fällt in eine Phase operativer Stärke des Energietechnik-Konzerns.
Sondersitzung zur Zukunft von Transformation of Industry
Am morgigen Dienstag, tagt der Aufsichtsrat von Siemens Energy laut Informationen des Handelsblatts in einer Sondersitzung, um über Alternativen zur geplanten Abspaltung der Sparte Transformation of Industry zu beraten. Die Sparte, die Dampfturbinen für die Industrie, Kompressoren und Wasserstoff-Elektrolyseure umfasst, erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr 5,7 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigt rund 17.000 Mitarbeitende.
Hintergrund der Debatte ist laut manager magazin eine von Vorstandschef Christian Bruch verfolgte Strategie, die interne Renditeziele der Konzernsparten deutlich anheben soll: Die Mittelfristziele bis 2030 sollen demnach auf eine Ergebnis-Marge von über 18 Prozent vor Sondereffekten steigen, während die aktuelle Zielspanne bis 2028 bei 14 bis 16 Prozent liegt. Sparten, die diese Vorgaben verfehlen, droht dem Bericht zufolge eine Abspaltung. Im Aufsichtsrat und beim Betriebsrat war laut Handelsblatt bereits im Juni erheblicher Widerstand gegen eine Abspaltung laut geworden, verbunden mit der Forderung, alternative Szenarien zu prüfen.
Siemens Energy-Aktie: Operative Stärke trifft auf Umbaudebatte
Die Debatte um den Konzernumbau trifft auf ein Unternehmen in operativer Bestform. Zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 meldete Siemens Energy am 5. August einen Auftragseingang von 17,9 Milliarden Euro, ein erneutes Rekordniveau mit einem Book-to-Bill-Verhältnis von 1,57. Die Umsatzerlöse legten auf vergleichbarer Basis um 18,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro zu, das Ergebnis vor Sondereffekten stieg von 497 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf 1,62 Milliarden Euro. Die Windkraft-Tochter Siemens Gamesa schrieb erstmals seit dem Geschäftsjahr 2022 wieder ein positives Quartalsergebnis. Der Konzern bestätigte mit den Zahlen die zuvor angehobene Jahresprognose 2026 mit einem vergleichbaren Umsatzwachstum von 14 bis 16 Prozent und einer Ergebnis-Marge vor Sondereffekten zwischen 10 und 12 Prozent.
Parallel treibt Siemens Energy die im Juli angekündigte Umbenennung des Windkraft- und Netzgeschäfts voran: Unter dem neuen Markendach Omterra sollen Siemens Energy und Siemens Gamesa Renewable Energy zusammengeführt werden, das Rebranding soll noch in diesem Jahr schrittweise starten.
Analysten sehen weiteres Potenzial
Bernstein Research hat die Einstufung für Siemens Energy erst Ende letzter Woche mit einem unveränderten Kursziel von 210 Euro auf Outperform belassen. Die Analysten um Varun Govindaraj stützten sich demnach auf eine Umfrage unter 50 Führungskräften aus dem Beschaffungsbereich für den Bau von Rechenzentren und sähen den Markt für Ausrüstungshersteller kurzfristig weiter stark, warnten aber vor vorgezogener Nachfrage und möglichen Überschussbeständen bei einer künftigen Abschwächung des Rechenzentrums-Ausbaus. RBC Capital bestätigte am selben Tag ihr Buy-Rating mit einem Kursziel von 200 Euro, Morgan Stanley und die Deutsche Bank hatten bereits am 6. August Kursziele von 195 beziehungsweise 210 Euro genannt.
Insgesamt kommen elf Analysten auf ein mittleres Kursziel von 207 Euro bei einer Spanne von 130 bis 250 Euro, der Konsens lautet Buy mit neun Kaufempfehlungen gegenüber je einer Hold- und einer Sell-Einstufung.
Ob der Aufsichtsrat an diesem Dienstag konkrete Alternativen zur Abspaltung von Transformation of Industry benennt oder die Debatte vertagt, bleibt abzuwarten. Für Klarheit zur operativen Entwicklung dürfte frühestens der nächste Zahlentermin sorgen, der nach aktuellem Planungsstand vom 24. August für den 11. November vorgesehen ist.
Am Montag fiel die Siemens Energy-Aktie letztlich um 2,84 Prozent auf 149,00 Euro und gehört damit zu den schwächsten Werten im DAX.
Martina Köhler, Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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Bildquellen: Siemens Energy AG, Siemens Energy AG
