Aktien von Arm und Intel schwächer: Was Masayoshi Sons kühne Prognose für beide Werte bedeutet
SoftBank-Chef Masayoshi Son hat auf der Hauptversammlung ein spektakuläres Kursziel für Arm ausgerufen - und Intel dabei nicht vergessen.
Werte in diesem Artikel
• Son sieht ARM-Bewertung auf das Zehnfache steigen - dank CPU-Boom durch KI
• Intel als US-Sicherheitsgut betrachtet
• Aktien erhalten Rückenwind von SoftBank-CEO
Es war einer der ungewöhnlichsten Auftritte einer Hauptversammlung in diesem Börsenjahr: SoftBank-Gründer Masayoshi Son nutzte die 46. ordentliche Hauptversammlung seines Konzerns am 24. Juni 2026 in Tokio, um gleich zwei Chip-Titel ins Rampenlicht zu rücken.
Rückenwind durch lobende Worte des SoftBank-CEOs
Laut einem Bericht des Wall Street Journal, über den auch Dow Jones Newswires berichtete, sagte Son, Arm Holdings sei auf dem Weg, einer der weltweit wichtigsten Anbieter von Zentralprozessoren zu werden. Gleichzeitig verteidigte er das im August 2025 eingegangene 2-Milliarden-US-Dollar-Investment in Intel und stellte dem Unternehmen ein strategisch bedeutsames Zeugnis aus.
Die Aktien reagierten mit Verlusten an der NASDAQ: So verzeichnete Intel Verluste von 0,28 Prozent auf 131,91 US-Dollar, während für Arm ein Minus von 1,99 Prozent auf 359,12 US-Dollar an der Kurstafel stand.
Warum Son ARM eine Verzehnfachung der Bewertung zutraut
Wie Dow Jones Newswires berichtet, sieht Son die Marktkapitalisierung von Arm von derzeit rund 391 Milliarden US-Dollar auf mehr als das Zehnfache steigen - ein Szenario, das den Chip-Designer in Regionen von knapp 4 Billionen US-Dollar katapultieren würde und damit an die heutige Dimension der wertvollsten Technologiekonzerne der Welt heranreichen würde. Der entscheidende Treiber: die sich verändernde Architektur von KI-Rechenzentren.
Son argumentiert, dass agentenbasierte KI-Workloads nicht mehr allein von Grafikprozessoren (GPUs) bewältigt werden können, sondern zunehmend leistungsfähige und energieeffiziente CPUs als Koordinatoren benötigen.
Arm-Chef Rene Haas hatte diesen Wandel bereits im Rahmen der Quartalsergebnisse zum Geschäftsjahr 2026 beziffert: Für agentenbasierte KI-Lasten würden Rechenzentren bis 2030 mehr als viermal so viel CPU-Kapazität benötigen wie heute, was einen adressierbaren CPU-Markt von mehr als 100 Milliarden US-Dollar ergeben könnte. Arm-Aktionäre konnten im bisherigen Jahresverlauf 2026 bereits erhebliche Gewinne verbuchen: Der Anteilsschein hat seit Jahresbeginn rund 235 Prozent zugelegt.
Intel: Nationale Sicherheit als Investmentthese
Weniger visionär, aber nicht weniger bemerkenswert war Sons Einlassung zu Intel. Der SoftBank-Chef verteidigte das 2-Milliarden-US-Dollar-Investment, das SoftBank im August 2025 zu einem Einstandskurs von 23 US-Dollar je Aktie getätigt hatte - dem damaligen Mehrjahrestief des Papiers. Seither hat sich der Intel-Kurs um rund 475 Prozent auf den letzten Schlusskurs von 132,28 US-Dollar verbessert, was das SoftBank-Engagement rechnerisch auf ein Mehrfaches seines ursprünglichen Wertes gehoben hat.
Sons Begründung für den Einstieg geht über die reine Rendite hinaus: Intel sei ein nationales Sicherheitsgut der USA, sagte er dem Bericht zufolge - der US-Staat habe schlicht keine Wahl, Intel zu stärken. Der Konzern profitiere von staatlicher Rückendeckung durch die Trump-Administration sowie von Partnerschaftsabkommen mit Apple und NVIDIA, die seinen strategischen Wert unterstreichen. Hinzu kommt das Argument der geopolitischen Diversifizierung: Intels Fertigungskapazitäten in den USA gewinnen an Bedeutung, je stärker Technologieunternehmen ihre Abhängigkeit vom taiwanesischen Auftragsfertiger Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC) reduzieren wollen.
Das große Bild: Sons Chip-Strategie seit 2016
Sons Auftritte zu Arm und Intel fügen sich in eine seit Jahren entwickelte Chip-Strategie ein. SoftBank hatte Arm bereits 2016 für rund 31,4 Milliarden US-Dollar erworben und hält heute über den Vision Fund einen Anteil von 86,39 Prozent. Der Börsengang von Arm im Jahr 2023 markierte die Rückkehr des Unternehmens an die Kapitalmärkte, seither hat sich der Kurs um rund 503 Prozent verteuert. Das Investment in Intel ergänzt die Strategie um einen strategisch logischen Baustein: Arm entwirft Chips, betreibt aber keine eigene Fertigung. Intel wiederum verfügt über Fertigungskapazitäten, kämpfte aber jahrelang mit Unterauslastung. Die strategische Logik einer Verzahnung beider Welten ist seit dem Intel-Investment Gegenstand von Marktanalysen. Noch im August 2025 hatte die Financial Times berichtet, SoftBank und Intel hätten Gespräche über eine mögliche Übernahme der Foundry-Sparte geführt - ein Szenario, das letztlich nicht zustande kam, jedoch die Richtung der Überlegungen zeigt.
Was Anleger im Blick behalten sollten
Sons Prognosen haben in der Vergangenheit Verblüffung und Skepsis gleichermaßen ausgelöst. Sein frühzeitiger Arm-Kauf und die milliardenschwere Wette auf OpenAI legen nahe, dass er Trends früh erkennt. Der WeWork-Kollaps zeigte jedoch, dass die Vision-Fund-Strategie auch erheblich danebengehen kann. Bei Arm steht das Bewertungsniveau bereits heute mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 178 unter kritischer Beobachtung. Eine Verzehnfachung würde voraussetzen, dass der CPU-Superzyklus im Rechenzentrum nicht nur eintritt, sondern Arm dabei strukturell dominiert und dabei Umsatz und Gewinn in einem Maß steigert, das die heutige Bewertung rechtfertigt. Bei Intel bleibt die Kernfrage, ob der operative Turnaround unter CEO Lip-Bu Tan tatsächlich Früchte trägt. Das Unternehmen muss Ankerkunden für seine Foundry-Sparte gewinnen und seinen Fertigungsprozessknoten 18A am Markt beweisen. Beides wird sich in der zweiten Jahreshälfte 2026 konkret zeigen - der nächste Gradmesser dürfte die Quartalspräsentation im Herbst sein.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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