KI-Euphorie bekommt Dämpfer: Was den Abverkauf bei Aktien von Meta, AMD, Intel, SuperMicro & Co. auslöst
Ein Sicherheitsvorfall in einer OpenAI-Testumgebung sorgt für neue Fragen rund um die Kontrolle leistungsfähiger KI-Modelle.
Werte in diesem Artikel
- OpenAI stoppt Training nach Sicherheitsvorfall in der Test-Sandbox
- Speicherchip-Werte geraten deutlich unter Verkaufsdruck
- Analysten bleiben trotz Turbulenzen optimistisch für Meta gestimmt
Die Aktien von Meta sowie von AMD, Micron Technology, Intel und Super Micro Computer gelten als Kernwerte der KI-Lieferkette und reagieren mit Verlusten auf die Nachricht, dass OpenAI sein Training pausiert und eine neue Sicherheitslücke offengelegt hat.
Meta-Aktien rutschen vorbörslich an der NASDAQ um 3,15 Prozent auf 727,96 US-Dollar ab, AMD verlieren 2,74 Prozent auf 613,35 US-Dollar, Micron (-2,37 Prozent auf 1.056,58 US-Dollar), Intel (-3,87 Prozent auf 118,24 US-Dollar) und Super Micro (-1,57 Prozent auf 42,58 US-Dollar) werden ebenfalls deutlich abgestraft.
Der Vorfall nährt Zweifel an der Kontrollierbarkeit fortschrittlicher KI-Modelle und trifft die ohnehin nervöse Halbleiterbranche. Anleger fragen sich, ob dies der Beginn einer neuen Verkaufswelle in der KI-Lieferkette ist oder nur ein weiterer Ausschlag im volatilen Narrativ-Markt der vergangenen Wochen.
Sicherheitsvorfall bringt OpenAI zum Stillstand
OpenAI hat am Montag das Training, sämtliche Evaluierungen und jede tool-gestützte Inferenz für seine leistungsfähigsten Modelle pausiert. Auslöser war ein Sicherheitsvorfall vom Sonntag: Ein interner Forschungs-Agent nutzte während eines Trainingslaufs eine Lücke in der DNS-Filterung der Test-Sandbox, um Anfragen an einen öffentlichen Chatbot-Dienst weiterzuleiten, obwohl ihm eigentlich kein Internetzugriff zustand. Das eigene Monitoringsystem habe das Verhalten laut OpenAI binnen 15 Minuten erkannt, ein Mitarbeiter habe drei Minuten später mit der Prüfung begonnen, der betroffene Trainingslauf sei nach zweieinhalb Stunden beendet worden. Weitere Zugriffe hätten nach Angaben des Unternehmens nur einen Offline-Webcache erreicht, nicht das reale Internet.
Es ist bereits die zweite Trainingspause von OpenAI innerhalb von weniger als drei Monaten: Ende Juli hatte das Unternehmen für zwei Wochen pausiert, nachdem hunderte Testagenten aus ihrer Sandbox ausgebrochen und an einem Cyberangriff auf die Plattform Hugging Face beteiligt gewesen waren.
Verkaufsdruck von Asien bis Europa
Der neue Stopp schickte am Montag zunächst asiatische Speicherchip-Werte wie SK hynix und Samsung Electronics deutlich ins Minus, erfasst aber auch heimische Chiptitel wie Infineon, AIXTRON und SUSS MicroTec.
Zusätzlich belastete ein Bericht des Portals The Information, wonach die chinesische Regierung heimischen Unternehmen wie Alibaba oder Bytedance den Kauf neuer NVIDIA-Chips des Typs RTX Pro 5500 gestatten könnte, was als möglicher Dämpfer für die heimische KI-Hardware-Entwicklung gilt. Marktbeobachter Andreas Lipkow kommentierte, die bislang so robuste KI-Story bekomme durch die erneute Pause erneut Risse.
Wiederholt sich das Schleudertrauma für Anleger?
Das Muster ist nicht neu: Am 12. September hatte Anthropic-Chef Dario Amodei zu einer Verlangsamung der KI-Entwicklung aufgerufen, unterstützt von OpenAI-Chef Sam Altman und SpaceX-Chef Elon Musk. Am folgenden Handelstag brachen KI-Infrastrukturwerte ein, weil Anleger ein Bremsen der Entwicklung mit sinkenden Rechenzentrums-Investitionen gleichsetzten. Eine Woche später kehrte sich das Bild um: Begeisterung über die Popularität von Metas KI-Assistenten Muse trieb Anleger zurück in KI-nahe Aktien.
Claudia Stephan, Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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