Maschinenbau klagt über Milliardenschäden durch Produktpiraterie
BERLIN (Dow Jones)--Der deutsche Maschinenbau leidet zunehmend unter den Folgen von Produkt- und Markenpiraterie. Der jährliche Schaden wuchs seit 2018 um 300 Millionen auf nun 7,6 Milliarden Euro, wie eine Studie des Fraunhofer Instituts für Angewandte und Integrierte Sicherheit im Auftrag des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) ergab. Ein Umsatz in dieser Höhe entspreche im Maschinenbau knapp 35.000 Arbeitsplätzen.
Insgesamt gaben knapp drei Viertel der befragten Unternehmen an, von Produktpiraterie betroffen zu sein. Bei Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern erreichte dieser Anteil sogar 90 Prozent. Beides sind laut Verband neue Höchstwerte in der Umfrage, 2003 klagte erst jedes zweite Unternehmen über diese Probleme.
"Erschreckend dabei ist, dass 57 Prozent der Unternehmen von Fälschungen berichten, die eine Gefahr für die Anlage darstellen", sagte der VDMA-Sicherheitsbeauftragte Steffen Zimmermann. In rund jedem dritten entdeckten Fall hätten auch Risiken für Menschen und in jedem fünften Fall für die Umwelt bestanden. "Das zeigt, dass es sich bei Plagiaten nicht um Kavaliersdelikte handelt."
Als Auftraggeber für Plagiate nennen die meisten befragten Unternehmen ihre Wettbewerber (72 Prozent), aber auch Geschäftspartner wie Kunden, Zulieferer oder Joint-Venture-Partner (42 Prozent). Als wichtigstes Vertriebsland für Plagiate wurde mit großem Abstand erneut China genannt (61 Prozent), gefolgt von Deutschland (19 Prozent) und Russland (12 Prozent), wo sich das Phänomen gegenüber der letzten Umfrage mehr als verdoppelt hat.
Wenig Hoffnung haben die Unternehmen demnach, den entstandenen Schaden mit Hilfe von Klagen vor Gericht erstattet zu bekommen. Nur 26 Prozent der befragten Firmen leiten überhaupt ein zivilgerichtliches Verfahren ein - 2018 waren es noch 39 Prozent gewesen. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen scheuten offenbar den Aufwand für die Rechtsverfolgung, betonte der VDMA-Sicherheitsbeauftragte, "ein erschreckender Befund".
Gleichwohl gelang es einigen Firmen, mit den großen Plattformanbietern bei der Bekämpfung dieser Taten zusammenzuarbeiten. So habe sich der chinesische Anbieter Alibaba "sehr stark gewandelt". "Früher waren da sehr viele Plagiate", erklärte Zimmermann. Beispielsweise habe der Automobilzulieferer Schaeffler eine Einzelvereinbarung mit Alibaba geschlossen und habe es so geschafft, "die Plagiate dort um 99 Prozent zu verringern". An der zweijährlichen Erhebung nahmen 146 der 3.200 VDMA-Mitgliedsunternehmen teil.
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May 06, 2020 06:00 ET (10:00 GMT)