Mega-Börsengang

Zentrale Fragen zum SpaceX-IPO: Was Anleger zum Börsengang am Freitag wissen müssen


Zentrale Fragen zum SpaceX-IPO: Was Anleger zum Börsengang am Freitag wissen müssen

Bis zu 2 Billionen Dollar Bewertung, fast fünf Milliarden Verlust: SpaceX kommt an die NASDAQ. Die Rechnung geht nur auf, wenn Musk gleich mehrere Wetten gleichzeitig gewinnt.

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• SpaceX-IPO in den Startlöchern
• Starlink bleibt zentraler Umsatz- und Ergebnistreiber
• Musk behält trotz Börsengang die Kontrolle über den Konzern

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Am 12. Juni 2026 betritt SpaceX die NASDAQ unter dem Kürzel SPCX, und der Maßstab, den dieser Börsengang setzt, ist kaum zu übertreffen: Mit einer angestrebten Bewertung von bis zu zwei Billionen US-Dollar würde das Unternehmen vom ersten Handelstag an zu den zehn größten börsennotierten Konzernen der Welt zählen. Das Emissionsvolumen von mehr als 70 Milliarden Dollar überbietet den bisherigen Rekord von Saudi Aramco aus dem Jahr 2019 um mehr als das Doppelte. Die Roadshow hat bereits planmäßig am 4. Juni 2026 begonnen - der Zug in Richtung Mega-IPO rollt. Ausgegeben werden die Aktien für 135 US-Dollar.

Was SpaceX heute wirklich verdient

Das finanzielle Fundament des Unternehmens steht auf einem einzigen Pfeiler: Starlink, das Satelliten-Internetnetzwerk mit mehr als zehn Millionen Nutzern in über 160 Ländern, steuerte 2025 rund 11,4 Milliarden Dollar zum Gesamtumsatz von 18,67 Milliarden Dollar bei, also rund 61 Prozent, und war der einzige Konzernbereich mit operativem Gewinn. Der Gesamtkonzern schloss das Jahr dennoch mit einem Nettoverlust von 4,94 Milliarden Dollar und einem operativen Verlust von 2,59 Milliarden Dollar ab, weil das xAI-Segment allein rund 6,4 Milliarden Dollar operativen Verlust einfuhr. Im ersten Quartal 2026 verlangsamte sich das Umsatzwachstum des Konzerns auf 15 Prozent, der operative Verlust weitete sich auf 1,9 Milliarden Dollar aus. Starlink verdient Geld, doch es reicht nicht annähernd, um die Ausgaben anderswo zu decken.

Die xAI-Wette im Zentrum der Bewertung

Genau hier liegt der eigentliche Kern der Bewertungsthese. Im Februar 2026 übernahm SpaceX xAI, und Anfang Mai 2026 kündigte Musk die Auflösung von xAI als eigenständiges Unternehmen an: Grok und das Netzwerk X werden seitdem unter der Division SpaceXAI in den Konzern eingegliedert. Seither ist das Bild noch klarer: Bei einem Quartalsumsatz von 818 Millionen Dollar verbuchte das KI-Segment im ersten Quartal 2026 einen operativen Verlust von 2,47 Milliarden Dollar, und 76 Prozent der gesamten Investitionsausgaben des Quartals flossen in diesen Bereich. Wer SPCX kauft, kauft damit auch diese Verluste. Doch es gibt einen ersten externen Beweis dafür, dass sich das Modell tragen kann: Anthropic zahlt 1,25 Milliarden Dollar monatlich für den Zugang zu den Colossus-Rechenzentren, ein Vertrag mit maximaler Laufzeit bis Mai 2029, den beide Seiten jedoch mit 90 Tagen Frist kündigen können. Musk selbst bezeichnete ihn als 180-Tage-Leasing. Hält der Vertrag, stützt er die KI-Erlöse ab dem zweiten Halbjahr 2026 erheblich.

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Musk hält das Steuer, Anleger nicht

Wer die Aktie kauft, sollte sich über eine Sache im Klaren sein: Einfluss auf Unternehmensentscheidungen hat man damit nicht. Die Dual-Class-Struktur gibt Musks Class-B-Aktien zehn Stimmen pro Anteil, während Class-A-Aktionäre nur eine Stimme halten. Das Ergebnis ist, dass Musk bei einem wirtschaftlichen Anteil von rund 42 Prozent 85 Prozent der kombinierten Stimmrechte kontrolliert, und kein weiterer Aktionär kommt auch nur auf fünf Prozent. Das S-1-Dokument benennt Musks parallele Führungsrollen bei Tesla, X, xAI, Boring Company und Neuralink ausdrücklich als Risikofaktor, ebenso Interessenkonflikte und Reputationsrisiken. Für wahrscheinliche Rechtsrisiken des Gesamtkonzerns weist der Prospekt eine Rückstellung von 530 Millionen Dollar aus, der größte Teil davon entfällt auf das xAI-Segment: Darunter fällt eine irische Datenschutzuntersuchung wegen Groks Umgang mit Daten europäischer Kinder sowie Ermittlungen zu nicht einvernehmlichen sexualisierten Bildern, die der Chatbot generiert haben soll. Immerhin: Musk selbst verkauft beim IPO keine eigenen Anteile.

Vier Mechanismen, die Privatanleger kennen sollten

Abseits der Bewertungsdebatte gibt es vier strukturelle Besonderheiten, die in der öffentlichen Diskussion kaum vorkommen, für Anleger aber unmittelbar relevant sind.

Da ist zum einen die Retail-Allokation: Laut Medienberichten plant SpaceX, rund 30 Prozent des Emissionsvolumens über Broker-Plattformen für Privatanleger bereitzustellen, dreimal so viel wie bei einem typischen Großbörsengang. Im S-1 bestätigt ist bislang ein Directed Share Program von bis zu 5 Prozent für Mitarbeiter und ausgewählte Personen. Sollten die 30 Prozent Realität werden, wären das bei einem Emissionsvolumen von 75 Milliarden Dollar rund 22,5 Milliarden Dollar, aber die Nachfrage dürfte das Angebot bei weitem übersteigen. Was das in der Praxis bedeutet: Wer über eine Broker-Plattform Anteile beantragt, erhält womöglich nur einen Bruchteil der gewünschten Menge, in Einzelfällen gar nichts.

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Hinzu kommen Einzelheiten zum Free Float: SpaceX bringt voraussichtlich nur rund drei bis vier Prozent der gesamten Aktien in den freien Handel, ein für einen Konzern dieser Größenordnung ungewöhnlich niedriger Wert. Morningstar-Analyst Franco Granda schätzt, dass allein dieser Umstand Kursschwankungen von 20 bis 30 Prozent in den ersten Handelstagen auslösen kann, verglichen mit typischen Tesla-Schwankungen von 10 bis 15 Prozent bei vergleichbaren Auslösern.

Und auch das Thema Index-Aufnahme ist bei SpaceX ein Besonderes: Die NASDAQ hat die Regeln für neu notierte Großunternehmen gelockert und ermöglicht die Aufnahme in den NASDAQ-100 bereits fünf Handelstage nach dem Börsengang. Da SpaceX bei einer Bewertung von zwei Billionen Dollar zu den schwersten Titeln im Index zählen würde, sind Indexfonds gezwungen, die Aktie innerhalb weniger Tage zu kaufen. Das könnte den Kurs unmittelbar nach dem Listing künstlich nach oben treiben, bevor ausreichend Liquidität im Markt ist.

Darüber hinaus überraschen Details zum Lock-up: Anders als bei klassischen Börsengängen, bei denen alle Insider gleichzeitig nach 180 Tagen verkaufen dürfen, setzt SpaceX auf einen gestaffelten Mechanismus. Nach dem Q2-Quartalsbericht werden bis zu 20 Prozent der gesperrten Anteile freigegeben, bei starker Kursentwicklung weitere 10 Prozent. Danach folgen fünf zeitbasierte Tranchen à 7 Prozent bei 70, 90, 105, 120 und 135 Tagen nach dem IPO, weitere 28 Prozent nach dem Q3-Bericht und die vollständige Freigabe nach 180 Tagen. Musk selbst ist von allen Frühfreigabe-Regelungen ausgenommen: Seine Anteile bleiben 366 Tage gesperrt. Der Mechanismus dämpft den klassischen Kursdruck nach Lock-up-Ende, verteilt ihn aber über mehrere Monate.

Was Anleger im Blick behalten sollten

Die Bewertung von zwei Billionen Dollar lässt sich grob in zwei Hälften aufteilen: Eine entspricht dem nachweisbaren Geschäftswert von Starlink und dem Raketengeschäft, die andere ist ein Vorschuss auf KI-Anwendungen und Rechenkapazitäten im Orbit, die noch bewiesen werden müssen. Dazu kommt, dass Starship, das Schwerlastsystem für die nächste Generation der Starlink-Satelliten, laut S-1 ab der zweiten Jahreshälfte 2026 erste V3-Satelliten befördern soll, während die vollständige kommerzielle Skalierung mit V2-Mobile-Satelliten erst 2027 erwartet wird. Verzögerungen würden die Umsatzprognosen direkt belasten, weil weder V3- noch V2-Mobile-Satelliten mit Falcon 9 gestartet werden können.

Der eigentliche Belastungstest für die Bewertungsthese kommt mit den Quartalszahlen für das zweite Quartal 2026: Dann zeigt sich erstmals, ob das KI-Segment durch den Anthropic-Vertrag messbar in die Gewinnzone dreht, oder ob Starlink weiterhin alleine die Verluste des gesamten Konzerns schultern muss.

Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: Thrive Studios ID / Shutterstock.com, SpaceX

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09.07.26 SpaceX Buy UBS AG
07.07.26 SpaceX Buy Deutsche Bank AG
07.07.26 SpaceX Overweight JP Morgan Chase & Co.
07.07.26 SpaceX Outperform Bernstein Research
07.07.26 SpaceX Outperform RBC Capital Markets