Oura-Aktie vor dem Börsenstart: Lohnt sich der Einstieg trotz hoher Bewertung?
Oura wächst rasant und steht vor dem Börsengang an der NASDAQ. Doch hohe Erwartungen, steigende Kosten und ein Quartalsverlust sorgen für ein Spannungsfeld zwischen Wachstum und Bewertung.
Werte in diesem Artikel
- Wachstum beeindruckt, doch der Verlustausweis wirft Fragen auf
- Cornerstone-Investoren steigen mit Millionenbeträgen ein
- Eine Sammelklage begleitet den Börsengang von Anfang an
Der finnisch-amerikanische Sensorring-Hersteller Oura strebt an die NASDAQ und hat die Preisspanne für sein Aktienangebot festgelegt. Beim Mittelwert der Preisspanne von 42 US-Dollar ergeben die 36,5 Millionen von Altaktionären angebotenen Aktien einen Bruttoerlös von rund 1,53 Milliarden US-Dollar. Oura selbst bietet 13,5 Millionen neue Aktien an und würde damit zunächst rund 567 Millionen US-Dollar einnehmen. Nach Abzug der geschätzten IPO-Kosten verbleiben dem Unternehmen voraussichtlich 532,6 Millionen US-Dollar netto. Davon sind rund 526,4 Millionen US-Dollar für Steuerzahlungen auf Mitarbeiteraktien vorgesehen, die mit dem Börsengang fällig werden, sodass für allgemeine Unternehmenszwecke nur rund 6,2 Millionen US-Dollar verbleiben.
Oura strebt mit hoher Bewertung an die NASDAQ
Oura hat die Preisspanne für seinen Börsengang auf 40 bis 44 US-Dollar je Aktie festgelegt und will 50 Millionen Aktien platzieren, die Notierung an der NASDAQ unter dem Kürzel OURA ist beantragt. Von den angebotenen Papieren stammen 13,5 Millionen aus einer Kapitalerhöhung des Unternehmens, 36,5 Millionen verkaufen bestehende Altaktionäre, zusätzlich besteht eine Mehrzuteilungsoption über bis zu 7,5 Millionen weitere Aktien. Das Pricing wird laut Renaissance Capital für Ende September erwartet, Konsortialführer sind unter anderem Goldman Sachs, Morgan Stanley und Jefferies.
Als Cornerstone-Investoren haben Eli Lilly und Dragoneer Investment Group Kaufinteresse im Volumen von bis zu 400 Millionen US-Dollar signalisiert, das entspricht rund 19 Prozent des Emissionsvolumens.
Wachstum trifft auf bilanziellen Sondereffekt
Für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2026 weist Oura einen GAAP-Nettogewinn von 60,8 Millionen US-Dollar aus, nach 1,6 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Dem steht ein den Stammaktionären zurechenbarer Nettoverlust von 924,3 Millionen US-Dollar gegenüber. Der Unterschied geht im Wesentlichen auf einen sogenannten „Deemed Dividend“ von 985,0 Millionen US-Dollar an die Inhaber rückkaufbarer wandelbarer Vorzugsaktien zurück. Dieser entstand, weil Oura die Vorzugsaktien zu einem höheren Wert zurückkaufte als ihrem bilanziellen Buchwert. Die Differenz wird bilanziell als Ausschüttung an die Vorzugsaktionäre behandelt und mindert damit das den Stammaktionären zurechenbare Ergebnis, nicht jedoch das ausgewiesene GAAP-Nettoergebnis.
Zum Ende dieses Geschäftsjahres rechnet Oura mit rund 5,7 Millionen zahlenden Mitgliedern, ein Plus von 96 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Beim Mittelwert der IPO-Preisspanne von 42 US-Dollar ergibt sich auf Basis des Adjusted EBITDA von 106,7 Millionen US-Dollar eine Bewertung von rund dem 140-Fachen des bereinigten operativen Ergebnisses. Selbst bei einer Verdopplung des Adjusted EBITDA läge das Bewertungsmultiple noch bei rund 70. Apple und Garmin werden nach den zugrunde gelegten Marktdaten mit deutlich niedrigeren Multiples bewertet.
Wem nützt der Oura-Börsengang wirklich?
Berechnungen zufolge würden beim Mittelwert von 42 US-Dollar rund 1,53 Milliarden US-Dollar an die verkaufenden Altaktionäre fließen, während dem Unternehmen selbst netto nur rund 532,6 Millionen US-Dollar zufließen. Davon sind rund 526,4 Millionen US-Dollar für Steuerverpflichtungen aus vestenden Mitarbeiteraktien vorgesehen, sodass für allgemeine Unternehmenszwecke nur ein kleiner Restbetrag verbleibt. Der Wagniskapitalgeber Forerunner Ventures verkauft im Zuge des Börsengangs seine gesamte Beteiligung von rund 9,3 Prozent, was bei diesem Kurs rund 1,20 Milliarden US-Dollar entspräche.
Hinzu kommt ein rechtliches Risiko: Seit dem 20. August sieht sich Oura einer Sammelklage vor einem US-Bezirksgericht in Kalifornien ausgesetzt, die dem Unternehmen irreführende Werbung zur Genauigkeit der Schlafphasen-Erkennung vorwirft. Oura weist die Vorwürfe zurück, benennt im Börsenprospekt aber selbst das Risiko weiterer ähnlicher Klagen.
Einstieg zum IPO – Pro und Kontra
Für Anleger bietet der Börsengang von Oura Chancen, aber auch erhebliche Risiken
Für einen Einstieg spricht vor allem das hohe Wachstum: Der Umsatz stieg in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 um 74 Prozent auf 1,21 Milliarden US-Dollar. Oura erzielte in diesem Zeitraum zudem ein Adjusted EBITDA von 106,7 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig wuchs die Zahl der zahlenden Mitglieder dynamisch und die Bruttomarge verbesserte sich von 51 auf 55 Prozent.
Gegen einen Einstieg zum IPO-Preis spricht dagegen vor allem die ambitionierte Bewertung. Beim Mittelwert der Preisspanne von 42 US-Dollar ergibt sich auf Basis der voll verwässerten Bewertung von rund 14,9 Milliarden US-Dollar und des Adjusted EBITDA von 106,7 Millionen US-Dollar aus den ersten neun Monaten ein Multiple von rund 140. Selbst bei einer Verdopplung des Adjusted EBITDA auf dieser Neunmonatsbasis läge das Verhältnis noch bei rund 70. Im jüngsten Quartal bis Ende Juni fiel das Unternehmen jedoch wieder in die Verlustzone: Bei einem Umsatz von 408,7 Millionen US-Dollar betrug der operative Verlust 5,0 Millionen und der Nettoverlust 10,0 Millionen US-Dollar. Das Adjusted EBITDA lag bei 10,7 Millionen US-Dollar, was einer Marge von lediglich 3 Prozent entspricht. Auf Neunmonatssicht sank die Adjusted-EBITDA-Marge zudem von 12 auf 9 Prozent. Die operativen Kosten stiegen dabei deutlich stärker als der Umsatz. Damit muss Oura nicht nur sein hohes Wachstum fortsetzen, sondern zugleich zeigen, dass sich dieses Wachstum künftig wieder stärker in steigender Profitabilität niederschlägt.
Der IPO ist damit vor allem für Anleger interessant, die das weitere Wachstum von Oura für ausreichend stark halten, um die bereits im Ausgabepreis enthaltenen hohen Erwartungen zu erfüllen.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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