JPMorgan zu Kevin Warshs Fed-Reform: Was ein schlankerer FOMC-Kalender für Aktienportfolios bedeutet
Fed-Chef Kevin Warsh der New York Times zufolge über eine Reduzierung der jährlichen FOMC-Sitzungen nachdenken. Warum JPMorgan und Barclays diese Pläne kritisch beäugen.
Werte in diesem Artikel
•Warsh soll laut New York Times über weniger FOMC-Sitzungen pro Jahr nachdenken
•Der aktuelle Acht-Sitzungs-Rhythmus der Fed besteht seit den frühen 1980er Jahren
•Barclays und die DWS Group rechnen im Fall einer Reform mit mehr Marktvolatilität
Warsh bringt Reform des Sitzungskalenders ins Gespräch
JPMorgan Wealth Management berichtet unter Berufung auf die New York Times, dass Fed-Chef Kevin Warsh Kollegen Ende Juli 2026 mitgeteilt haben soll, dass er über eine Reduzierung der planmäßigen FOMC-Sitzungen nachdenke. Warsh brachte die Idee demnach bei der FOMC-Sitzung im Juli ein, nachdem die Notenbank die Zinsen erneut in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent belassen hatte. Er habe den Vorschlag als Diskussionspunkt und nicht als formalen Politikvorschlag präsentiert. Es sei weiterhin offen, ob und in welchem Umfang sich der Sitzungskalender ändern werde. Bei seiner Anhörung zur Bestätigung im April habe Warsh Senator Ruben Gallego gegenüber erklärt, vier Sitzungen im Jahr seien zu wenig, mehr als vier Termine halte er dagegen für angemessen.
Der Acht-Sitzungs-Rhythmus hat eine lange Geschichte
Der Federal Open Market Committee (FOMC) wurde mit dem Banking Act von 1935 als zentrales Gremium zur Koordinierung der Geldpolitik im Federal-Reserve-System geschaffen, das Gesetz schreibt mindestens vier Sitzungen pro Jahr vor. In der Praxis tagte die Fed über weite Strecken deutlich häufiger; 1956 kam das Gremium auf 19 Sitzungen, während es 1978 auf zwölf reguläre Termine plus mehrere Krisenschaltungen kam. Nach Angaben von JPMorgan führte erst der damalige Fed-Chef Paul Volcker 1981 den bis heute gültigen Rhythmus von acht Sitzungen pro Jahr ein. Laut einem Bericht von Investing.com datieren die Barclays-Analysten Michael McLean und Jonathan Millar die Umstellung dagegen auf das Jahr 1980, als Volcker den Kalender von zehn auf acht Sitzungen kürzte, um ihn an ein neues geldpolitisches Rahmenwerk mit Fokus auf Bankreserven statt auf den Leitzins anzupassen. Dieses Rahmenwerk sei nach drei Jahren wieder verworfen worden, der Acht-Sitzungs-Kalender habe sich jedoch gehalten. Auch bei einem reduzierten Kalender bleibt der Fed laut JPMorgan die Möglichkeit außerplanmäßiger Sitzungen erhalten, die vom Vorsitzenden oder von mindestens drei FOMC-Mitgliedern einberufen werden können, wie zuletzt im März 2020 zu Beginn der Corona-Pandemie geschehen.
Marktbeobachter erwarten mögliche Folgen für die Volatilität
Warsh hat die Kommunikation der Notenbank bereits seit Amtsantritt gestrafft, unter anderem durch deutlich kürzere Sitzungsstatements und den Verzicht auf die Teilnahme an den Zinsprognosen im Rahmen der Summary of Economic Projections. Laut JPMorgan könnte ein reduzierter Sitzungskalender dazu führen, dass Marktteilnehmer einzelnen Konjunkturdaten und Fed-Kommentaren zwischen den Terminen mehr Gewicht beimessen. George Catrambone, Leiter des Bereichs Fixed Income Americas bei der DWS Group, geht laut CNBC davon aus, dass weniger Sitzungen die Volatilität erhöhen würden, da geringere Transparenz Marktteilnehmer zu mehr Absicherung und einer breiteren Streuung möglicher Ergebnisse zwinge. Die Fed-Präsidenten Neel Kashkari aus Minneapolis und Anna Paulson aus Philadelphia äußerten sich gegenüber CNBC offen für eine Diskussion über den Sitzungskalender. Barclays warnt zugleich laut Investing.com, dass ein selteneres Sitzungsschema das Gremium weniger reaktionsfähig auf konjunkturelle Entwicklungen machen und die verbleibenden Termine mit mehr Informationsgewicht und Unsicherheit belasten könnte. JPMorgan verweist zudem darauf, dass die Fed trotz der Diskussion bereits Sitzungstermine für den Rest dieses Jahres und für 2027 veröffentlicht hat, wobei die veröffentlichten Kalender revidiert werden können. Anleger sollten sich laut JPMorgan an ihrem Anlagehorizont, ihrem Liquiditätsbedarf und einer breiten Diversifikation orientieren, statt auf Schlagzeilen rund um den Fed-Kalender zu reagieren.
Jonas Vogt, Redaktion finanzen.net
Ausgewählte Hebelprodukte auf Barclays
Mit Knock-outs können spekulative Anleger überproportional an Kursbewegungen partizipieren. Wählen Sie einfach den gewünschten Hebel und wir zeigen Ihnen passende Open-End Produkte auf Barclays
Der Hebel muss zwischen 2 und 20 liegen
Bildquellen: tlegend / Shutterstock.com