NVIDIA-Aktie & Co.: Wie Anleger sich gegen starke Kursausschläge wappnen können
Nach dem Rückzug aus überhitzten KI-Wetten und vor drei Fed-Sitzungen bis Jahresende können sich Anleger mit einer Options-Strategie gegen heftige Ausschläge wappnen.
Werte in diesem Artikel
- Nach dem Kollaps eines Hedgefonds zogen sich viele Anleger aus KI-Wetten zurück
- VIX notiert bei rund 15 Punkten, deutlich unter dem Schnitt von 19
- Strangle-Optionen sollen unabhängig von der Richtung von Ausschlägen profitieren
Nach dem Sommer kehren die Themen zurück, die viele Investoren zuvor beiseitegeschoben hatten. Wie Barron's-Kolumnist Steven M. Sears in einer Analyse beschreibt, ziehen sich Anleger nach dem Kollaps des überschuldeten Hedgefonds Situational Awareness zunehmend aus konzentrierten Wetten auf Künstliche Intelligenz zurück, sichern Gewinne und streuen ihr Kapital breiter als noch über den Sommer.
Große Kursunterschiede zwischen Index und Einzelwerten wie NVIDIA-Aktie
Der S&P 500 legte in diesem Jahr um rund 11,3 Prozent zu, eine historisch starke Bilanz. Einzelne Technologiewerte liegen jedoch weit davor: NVIDIA gewann in diesem Jahr rund 13 Prozent, Intel rund 163 Prozent und Micron Technology sogar rund 224 Prozent (Stand: 14.09.2026). Die Quartalszahlen der Technologiebranche seien stark ausgefallen, was für konzentrierte Positionen spreche, schreibt Sears. Unklar bleibe jedoch, ob der KI-Handel neuen Schwung bekommt oder Anleger stärker in die Breite des Index ausweichen.
Ruhiger VIX vor einem dicht gedrängten Terminkalender
Ein Blick auf den Optionsmarkt liefert laut Sears derzeit kaum Orientierung: Die implizite Volatilität sei so gedämpft, dass sich daraus kaum verlässliche Wahrscheinlichkeiten für künftige Kursbewegungen ableiten ließen. Der Cboe Volatility Index (VIX) notiere bei rund 15 Punkten und damit deutlich unter seinem langfristigen Schnitt von etwa 19. Dem stehe ein Kalender mit den letzten drei Fed-Sitzungen des Jahres 2026 gegenüber, am 16. September, 28. Oktober und 9. Dezember. Eine Zinserhöhung zur Inflationsbekämpfung gilt als Risiko für Aktien, auch weil sie die Kosten für kreditfinanzierte Positionen professioneller Investoren erhöhen würde.
Strangle: Wette auf die Bewegung statt auf die Richtung
Um von genau dieser Unsicherheit zu profitieren, beschreibt Sears eine sogenannte Strangle-Strategie: den gleichzeitigen Kauf einer Call- und einer Put-Option mit unterschiedlichen Basispreisen ober- und unterhalb des aktuellen Kurses. Diese Strategie ist laut Sears beliebt, wenn die implizite Volatilität niedrig ist und ein starker Ausschlag erwartet wird, dessen Richtung aber unklar bleibt. Als Beispiel nennt er den ETF State Street S&P 500 SPDR, der bei 766 US-Dollar notierte (die Kolumne wurde am 09. September veröffentlicht): Hier könnte ein Anleger beispielsweise den Dezember-Call mit einem Ausübungspreis von 795 US-Dollar und den Dezember-Put mit einem Ausübungspreis von 750 US-Dollar für insgesamt etwa 27,60 US-Dollar kaufen. Steigt der ETF bis zum Verfall auf 840 US-Dollar, wäre der Call laut Sears rund 45 US-Dollar wert, fällt er auf 705 US-Dollar, wäre der Put 45 US-Dollar wert. Größte Schwäche der Strategie ist laut Sears der Preis: Die Kursbewegung muss die gezahlte Optionsprämie übersteigen, damit unter dem Strich ein Gewinn steht, sonst verfällt der Einsatz. Der ETF bewegte sich nach Sears' Angaben in den vergangenen 52 Wochen zwischen 629,28 und 779,37 US-Dollar.
Als nächster konkreter Termin steht die Fed-Sitzung am 16. September im Kalender, deren Ausgang zusammen mit den Sitzungen im Oktober und Dezember zeigen dürfte, ob die aktuell gedämpfte Volatilität von Dauer ist oder ob der Terminkalender die von Sears beschriebenen Ausschläge tatsächlich auslöst.
Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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