Nach Ausverkauf bei Aktien von Broadcom, Micron und Co.: Infineon-Aktie gelingt der Turnaround
Der globale Ausverkauf nach starkem Lauf hat sich bei deutschen Chipwerten am Montag nur im frühen Handel fortgesetzt.
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Am Freitag waren die Verluste der Tech-Titel an der US-Börse NASDAQ wegen Gewinnmitnahmen immer größer geworden und dies zeigte sich zu Wochenbeginn dann teils noch stärker bei den asiatischen Technologiewerten.
Hierzulande war der Infineon-Kurs am Freitag schon um neun Prozent abgesackt, er kann sich am Montag nun jedoch der Abwärtsbewegung entziehen: Im XETRA-Handel gewann die Infineon-Aktie letztlich 1,22 Prozent auf 78,24 Euro - und ist damit zeitweise Tagessieger im schwachen DAX. Zum Handelsstart hatte das Papier noch klar nachgegeben, die Verluste dann jedoch schnell wieder abgebaut.
Auch deutsche Unternehmen, die mit der Chipbranche in Verbindung stehen, folgten am Montag im frühen Handel nochmals der Verkaufswelle. Betroffen waren etwa der Waferhersteller Siltronic und die Ausrüsterfirmen AIXTRON, PVA TePla sowie SUSS MicroTec. Wie im Falle von Infineon glichen die meisten davon ihre Anfangsverluste aber wieder aus.
So gewann Siltronic letztlich 4,98 Prozent auf 95,85 Euro, AIXTRON legte 3,33 Prozent auf 56,46 Euro zu und PVA TePla-Aktien gewannen sogar 3,78 Prozent auf 42,26 Euro. SUSS MicroTec zogen unterdessen 2,22 Prozent auf 92,00 Euro an.
Marktbeobachter reagiert besorgt
Der Marktbeobachter Stephen Innes sprach von einem "schwarzen Montag" in Südkorea, wo der Handel eine Zeit lang wegen der Turbulenzen pausierte. Der KOSPI bewegte sich dann zuletzt in Seoul mit mehr als acht Prozent im Minus nach etwa neun Prozent im frühen Handel. "Wenn sich der heißeste Tummelplatz plötzlich in eine hektische Fluchtsituation verwandelt, bleibt das den Händlern nicht verborgen", erklärte der Managing Partner bei SPI Asset Management.
An der New Yorker NASDAQ waren die Kursverluste am Freitag bereits deutlich ausgeweitet worden. Die zuletzt besonders heiß gelaufenen Aktien der Chipkonzerne Arm, Marvell Technology, Micron Technology, Broadcom, Sandisk und AMD waren dort teils zweistellig abgesackt. Befeuert worden war die Bewegung vor dem Wochenende auch von einem soliden Jobbericht, der die Spekulationen bestärkte, dass die US-Notenbank Fed demnächst ihren Leitzins erhöhen wird.
Enttäuschte Erwartungen bei Broadcom als Katalysator
Den Auftakt der Abwärtsbewegung hatte in der vergangenen Woche Broadcom mit seinen zuletzt veröffentlichten Geschäftszahlen und insbesondere dem Ausblick auf die kommenden Quartale geliefert. Zwar präsentierte das Unternehmen solide Ergebnisse, doch an der Börse zählt im aktuellen Umfeld vor allem eines: die Geschwindigkeit des Wachstums im KI-Geschäft. Genau hier blieb Broadcom hinter den teils extrem ambitionierten Erwartungen der Anleger zurück.
Was bei Broadcom begann, weitete sich in der Folge rasch auf den gesamten Halbleitersektor aus. Die Aktie gilt im Markt als eine Art Indikator für die Nachfrage nach KI-Infrastruktur, insbesondere im Bereich von Rechenzentren und spezialisierten Chips für Hyperscaler. Entsprechend stark war die Signalwirkung der Zahlen.
Analyst bleibt gelassen
Händlern zufolge ist der Abverkauf an den US-Börsen am Freitag relativ gesittet passiert, nach und nach und ohne einen echten Panikmoment. Sie stellen sich jetzt die Frage, ob es sich nur um eine "erfrischende Pause" handelte. "Aus unserer Sicht war die Marktbewegung am Freitag weniger auf einen grundlegenden Wandel bei der Kapitalallokation zurückzuführen, sondern vielmehr auf eine überhitzte Positionierung", schrieb William Beavington von der US-Bank Jefferies.
Nun stelle sich die Frage nach neuen Kurstreibern, denn die Berichtssaison sei in der Vorwoche mit Broadcom besiegelt worden und große Kapitalerhöhungen der Internet-Riesen Alphabet und Meta seien bereits bekannt. Möglicherweise könnten die bald erwarteten Mega-Börsengänge der KI-Plattformen OpenAI und Anthropic ins Blickfeld rücken. Den Auftakt in dieser IPO-Reihe macht im Wochenverlauf mit SpaceX aber zunächst ein Tech-Unternehmen aus dem Raumfahrtbereich.
Keine Fundamentalkrise, sondern ein Bewertungsreset
Trotz der deutlichen Kursverluste sehen viele Marktbeobachter derzeit keinen strukturellen Einbruch im KI- oder Halbleiterzyklus. Vielmehr wird die Bewegung als Neubewertung einer zuvor sehr stark gestiegenen Erwartungshaltung interpretiert. Die Nachfrage nach KI-Infrastruktur, Rechenleistung und Speicher bleibt hoch, doch die Börse beginnt offenbar, zwischen realem Wachstum und überzogenen Exponentialfantasien stärker zu unterscheiden. Genau diese Differenz führte nun zu dem anhaltenden Rücksetzer im Technologiesektor.
Ob es sich dabei um eine kurzfristige Konsolidierung oder den Beginn einer breiteren Sektorrotation handelt, dürfte in den kommenden Handelstagen vor allem davon abhängen, ob neue Unternehmenszahlen erneut überzeugende Wachstumsimpulse im KI-Bereich liefern.
Carolin Ludwig, Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX
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Alle: Alle Empfehlungen
| Datum | Rating | Analyst | |
|---|---|---|---|
| 03.07.26 | Infineon Buy | Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank) | |
| 02.07.26 | Infineon Buy | Jefferies & Company Inc. | |
| 02.07.26 | Infineon Neutral | UBS AG | |
| 02.07.26 | Infineon Buy | Deutsche Bank AG | |
| 29.06.26 | Infineon Outperform | Bernstein Research |
