Prognose-Hammer bei Recruit: Aktie erreicht Kurslimit weil Kaufanträge den Markt überrollen
Kaufaufträge überrollten den Handel in Tokio, nachdem der Konzern seine Jahresziele deutlich nach oben geschraubt hatte.
Werte in diesem Artikel
- Kaufaufträge lassen die Recruit-Aktie in Tokio ohne Gegenpartei aus dem Handel laufen
- Indeed-Sparte liefert das Quartal, das die Prognose kippen lässt
- Kartellprüfung in Japan bleibt als Unsicherheit im Hintergrund bestehen
Ein starker Nachfrageüberschuss hat die Aktie von Recruit Holdings am Montag an der Börse in Tokio bis an ihr tägliches Kurslimit steigen lassen. Da die Kaufaufträge das Angebot deutlich überstiegen, lief das Papier ohne Gegenpartei aus dem Handel. Der Kurs war zuvor mit einem Plus von 22,8 Prozent bei 16.165 JPY taxiert worden. Auslöser für den Ansturm der Anleger war eine spürbare Anhebung der Jahresprognose, die der japanische HR-Technologie- und Personaldienstleistungskonzern am Freitag zusammen mit seinen aktuellen Quartalszahlen veröffentlicht hatte.
Recruit hebt Jahresziele deutlich an
Recruit Holdings, zu dessen Geschäft neben klassischer Zeitarbeit auch die Jobbörsen Indeed und Glassdoor gehören, hat seine Ziele für das laufende Geschäftsjahr bis März 2027 nach oben angepasst. Der Konzern rechnet nun mit einem Jahresumsatz von 4,23 Billionen Yen statt der bisher erwarteten 4,03 Billionen Yen, was einem Zuwachs von 14,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Auch das EBITDA+S soll von 949 Milliarden auf 1,105 Billionen Yen steigen (plus 39,1 Prozent), wobei die Marge von 23,5 auf 26,1 Prozent zulegt. Für den bereinigten Gewinn je Aktie erwartet das Unternehmen nun 543 Yen statt 447 Yen (plus 55,2 Prozent). Die Zielmarke für den Nettogewinn stieg von 623,0 Milliarden auf 755,0 Milliarden Yen, während die Prognose für den Betriebsgewinn von 787 Milliarden auf 945 Milliarden Yen angehoben wurde. Für das Unternehmen ist es bereits die dritte Zielerhöhung innerhalb von rund neun Monaten, nachdem die Erstprognose für das neue Geschäftsjahr im Mai noch bei 4,03 Billionen Yen Umsatz gelegen hatte.
HR Technology treibt das Quartal
Haupttreiber für die Optimierung des Ausblicks war ein starkes erstes Quartal des Geschäftsjahres. In diesem Zeitraum kletterte der Konzernumsatz um 18,9 Prozent auf 1,045 Billionen Yen, während der Nettogewinn um 67,5 Prozent auf 202,6 Milliarden Yen stieg. Den größten Anteil daran hatte das Segment HR Technology mit Indeed und Glassdoor: Der Quartalsumsatz dieser Sparte wuchs um 33,2 Prozent auf 455,4 Milliarden Yen, das Segment-EBITDA+S legte um 80,6 Prozent auf 215,7 Milliarden Yen zu und die Marge kletterte von 35,0 auf 47,4 Prozent. Für das Gesamtjahr wird in dieser Sparte nun ein Umsatz von 1,822 Billionen Yen sowie ein EBITDA+S von 834 Milliarden Yen erwartet (plus 51,6 Prozent).
Das Management begründet diese Dynamik mit der Monetarisierung KI-gestützter Funktionen auf Indeed, etwa durch Premium Sponsored Jobs sowie KI-Sourcing und KI-Screening. So stieg der Umsatz je Stellenanzeige in den USA im ersten Quartal um 35 Prozent, obwohl die Gesamtzahl der Anzeigen dort um rund 4 Prozent zurückging. Die Bereiche Staffing und Marketing Matching Technologies verzeichneten hingegen nur moderate Anpassungen.
Kartellprüfung und Aktienrückkauf im Blick
Neben den Geschäftszahlen verwies Recruit auf eine Vor-Ort-Prüfung der japanischen Kartellbehörde, die im Juni bei der inländischen Staffing-Sparte wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das Antimonopolgesetz stattfand. Der Konzern kooperiert mit der Behörde, kann die finanziellen Folgen aktuell jedoch noch nicht abschätzen; in der neuen Prognose sind mögliche Belastungen daraus daher nicht enthalten. Das laufende Aktienrückkaufprogramm über insgesamt 350 Milliarden Yen ist derweil weiter vorangeschritten: Bis Ende Juli wurden 12,5 Millionen eigene Aktien für 120 Milliarden Yen zurückgekauft, was 34,3 Prozent des Programms entspricht. Die liquiden Mittel des Konzerns beliefen sich Ende Juni auf 908,5 Milliarden Yen.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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