NVIDIA-Aktie fester: Moody's bestätigt Aa1-Rating nach Milliarden-Garantie für Ohio-Rechenzentrum
Ein Rechenzentrumsprojekt in Ohio mit Garantien von bis zu 105 Milliarden US-Dollar bringt NVIDIAs Kreditwürdigkeit erneut auf den Prüfstand.
Werte in diesem Artikel
- Ratingagentur hält trotz Garantiezusage am positiven Ausblick fest
- Rechenzentrumscampus in Ohio soll OpenAI-Kapazitäten im großen Stil absichern
- Cashpolster und Cashflow-Prognosen stützen aus Sicht der Agentur die Bonität
Moody's Ratings hat das Aa1-Rating für unbesicherte Anleihen der NVIDIA-Aktie sowie das Prime-1-Rating für das kurzfristige Commercial-Paper-Programm bestätigt und den positiven Ausblick beibehalten. Auslöser ist eine Restwertgarantie, mit der NVIDIA den Bau eines KI-Rechenzentrumscampus in Pike County im US-Bundesstaat Ohio absichert. Die Zusage kann in der Spitze mehrere Zehnmilliarden US-Dollar an Zahlungsverpflichtungen umfassen, laut Moody's bleibt die Verschuldung des Chipkonzerns dennoch auf niedrigem Niveau.
Garantie für den Ohio-Campus im Zentrum der Entscheidung
Die Bestätigung durch Moody's am Dienstag fällt in eine Phase, in der NVIDIA, das seine Finanzierungsrolle im KI-Infrastrukturausbau ausweitet, verstärkt als Garant auftritt. Grundlage ist eine am Vortag verkündete Vereinbarung mit SB Energy Corp. zur Entwicklung des sogenannten Portsmouth-Site-Campus in Pike County. NVIDIA sichert dabei Miet- und Stromzahlungsverpflichtungen eines Tochterunternehmens von OpenAI Group PBC für rund 4,25 Gigawatt IT-Leistung ab, mit der Option, die Kreditunterstützung um weitere Kapazität zu erweitern.
Die aggregierte Zahlungsverpflichtung aus den Restwertgarantien ist für die Erstverpflichtung auf 105 Milliarden US-Dollar gedeckelt. Die Garantien greifen erst, sobald einzelne Rechenzentren ab 2028 betriebsbereit sind, den Höhepunkt der Belastung erwartet Moody's im Jahr 2031. Auch S&P Global Ratings bestätigte laut einem Investing.com-Bericht vom selben Tag sein AA-Emittentenrating für NVIDIA. Die daraus resultierende Schuldenanpassung bezifferte die Agentur auf 4,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2028, die bis 2031 auf rund 37,7 Milliarden US-Dollar ansteigen soll.
Bilanzstärke als Gegengewicht zur Garantielast
Moody's begründet die Bestätigung mit der finanziellen Ausgangslage des Unternehmens. Das Ratinghaus hatte die Einstufung bereits am 20. Januar von Aa2 auf Aa1 angehoben und dabei auf die dominante Marktposition von NVIDIA verwiesen. Pro forma für die im Juni begebenen Anleihen im Volumen von 25 Milliarden US-Dollar verfügte NVIDIA über 106 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln und Wertpapieren. Die Moody's-adjustierte Verschuldung lag damit bei lediglich 0,2 mal EBITDA. Für die kommenden Geschäftsjahre rechnet die Agentur mit einem Umsatzwachstum von 77 Prozent im Geschäftsjahr 2027 und 54 Prozent im Geschäftsjahr 2028. Den kumulierten freien Cashflow über beide Jahre beziffert sie auf rund 424 Milliarden US-Dollar.
Der Ohio-Deal reiht sich in eine breitere Finanzierungsstrategie ein: Bereits am 10. August hatte NVIDIA gemeinsam mit sechs Finanzpartnern, darunter BlackRock, Plattformen angekündigt, die mehr als 500 Milliarden US-Dollar an Drittkapital für den Ausbau der globalen KI-Infrastruktur mobilisieren sollen. NVIDIA kann dabei bis zu 25 Prozent der darüber aufgenommenen Finanzierung durch Kreditunterstützung absichern. Die zunehmende Verflechtung von Finanzierung, Kunden und Zulieferern wie OpenAI und SoftBank habe die Diskussion über zirkuläre Finanzierungsströme verstärkt, was NVIDIA-Chef Jensen Huang zurückgewiesen habe.
Analysten und Kursreaktion
An der NASDAQ notiert die NVIDIA-Aktie zur Wochenmitte mit einem Minus von 0,02 Prozent bei 219,71 US-Dollar.
Der Analystenkonsens stuft die Aktie mit "Strong Buy" ein, bei einem mittleren Kursziel von 306,13 US-Dollar. Die Kursziel-Spanne reicht von 250 bis 500 US-Dollar. Bereits vor der Moody's-Bestätigung hatten mehrere Analysten ihre Einschätzungen abgegeben: Bank of America Securities-Analyst Vivek Arya bestätigte am 17. August seine "Buy"-Einstufung mit einem Kursziel von 350 US-Dollar, während UBS-Analyst Timothy Arcuri am selben Tag bei "Buy" und einem Kursziel von 280 US-Dollar blieb. Morgan Stanley-Analyst Joseph Moore sah die Aktie am vergangenen Freitag ebenfalls bei "Buy" mit einem Kursziel von 288 US-Dollar, Goldman Sachs-Analyst James Schneider taxierte sie am 12. August auf 285 US-Dollar bei gleicher Einstufung.
Ob sich die Garantiezusagen tatsächlich in dem von Moody's erwarteten Umfang materialisieren, dürfte sich erst zeigen, wenn die ersten Rechenzentren am Portsmouth-Standort betriebsbereit werden. Bis dahin bleibt der laut Unternehmenskalender vorläufig angesetzte Zahlentermin ein nächster Anhaltspunkt dafür, wie sich Wachstum und Cashflow-Entwicklung im Einklang mit den neuen Verpflichtungen darstellen.
Benedict Kurschat, Claudia Stephan, Julia Walter, Redaktion finanzen.net
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