Reisebranche unter Druck?

TUI-Aktie schwankt weiter: Wie das neue EU-Einreisesystem die Sommersaison gefährdet


TUI-Aktie schwankt weiter: Wie das neue EU-Einreisesystem die Sommersaison gefährdet

Das EU-Einreisesystem EES bremst pünktlich zur Hochsaison Europas Flughäfen aus - und der Markt fragt sich, wer das zuerst zu spüren bekommt.

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• TUI-Aktie führt Berg- und Talfahrt fort
• Neues EU-Einreise- und Ausreisesystem bremst Passagieraufkommen
• Buchungslage bei TUI ohnehin schon angeschlagen
Europas Flughäfen laufen seit Wochen heiß - nicht wegen Rekordpassagierzahlen, sondern wegen biometrischer Fingerabdruckscanner. Das EU-Einreise- und Ausreisesystem EES, das seit dem 10. April 2026 vollständig in Betrieb ist, hat aus der schlichten Passkontrolle einen aufwendigen Prozess gemacht. Für die TUI AG, deren Sommersaison bereits von geopolitischen Belastungen und schleppenden Buchungen gedrückt wird, kommt das zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

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So gewinnt das Papier zur Wochenmitte schlussendlich 2,30 Prozent auf 7,39 Euro, nachdem es sich aus der Verlustzone nach vorn gekämpft hat.. Damit führt die Aktie ihre Berg- und Talfahrt der vergangenen Wochen fort. Auf 30-Tage-Sicht steht nur ein Plus von 6,8 Prozent zu Buche.

Was das EES an Europas Grenzen tatsächlich verändert

Das EES ist kein bürokratischer Fußnoten-Eingriff. Das System registriert bei jeder Einreise in den Schengen-Raum Fingerabdrücke und ein Gesichtsbild aller Nicht-EU-Bürger, also auch Briten, Amerikanern, Kanadiern und Australiern. Wer zum ersten Mal einreist, muss seinen Datensatz frisch anlegen lassen - ein Vorgang, der mehrere Minuten pro Person dauert. Die Europäische Kommission gibt an, seit dem Start im Oktober 2025 seien über 45 Millionen Grenzübertritte digital erfasst worden. Das klingt nach reibungslosem Hochlauf. Doch ACI Europe, der europäische Flughafenverband, zählt seit dem Rollout-Start Wartezeitanstiege von bis zu 70 Prozent gegenüber dem Niveau vor EES. In Lissabon musste das System im Dezember 2025 nach Wartezeiten von bis zu sieben Stunden vollständig abgeschaltet werden. In Málaga stiegen die Abfertigungszeiten an den Grenzkontrollspuren um 70 Prozent.

Warum der Sommer 2026 die eigentliche Belastungsprobe ist

Das Grundproblem ist zeitlich: Die vollständige EES-Implementierung traf exakt auf den Beginn des Sommerflugplans. Flughäfen haben zwar reagiert - Düsseldorf schuf etwa zusätzliche Kontrollspuren, Frankfurt stockte Personal auf - aber in Spitzenzeiten rechnet auch Fraport noch mit Wartezeiten von bis zu zwei Stunden. A4E, der europäische Airline-Verband, warnte die EU-Kommission im Februar 2026 schriftlich davor, dass im Juli und August Verzögerungen von vier Stunden und mehr eintreten könnten. Der Welttourismusverband WTTC hat die potenziellen wirtschaftlichen Konsequenzen beziffert: Bei regelmäßigen Wartezeiten von drei bis vier Stunden könnten bis zu 41 Millionen Ankünfte aus den vier wichtigsten Quellmärkten ausbleiben - das entspräche laut WTTC-Hochrechnung einem entgangenen Direktumsatz von rund 45 Milliarden US-Dollar für Europa. Rund ein Drittel der in einer WTTC-Befragung befragten internationalen Reisenden gab an, bei solchen Wartezeiten seltener in den Schengen-Raum zu fahren. Die EU-Kommission hat den Mitgliedstaaten zwar erlaubt, EES-Checks in Spitzenzeiten bis zu 90 Tage teilweise auszusetzen, plus mögliche 60-Tage-Verlängerung - eine Flexibilitätsklausel, die bereits im Rechtsrahmen angelegt war. Ob sie reicht, zeigt sich in den nächsten Wochen.

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TUI im Sandwich: Geopolitik, schleppende Buchungen und jetzt EES

Für TUI ist das EES-Problem kein isolierter Faktor. Der Konzern hat bereits im April 2026 seine Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2026 deutlich zurückgenommen. Statt des ursprünglich geplanten Ergebnisanstiegs von sieben bis zehn Prozent gegenüber den 1,413 Milliarden Euro des Vorjahres erwartet TUI nun ein bereinigtes EBIT zwischen 1,1 und 1,4 Milliarden Euro - und setzte die Umsatzerwartung vorerst ganz aus. Als Ursache nannte der Konzern geopolitische Belastungen, vor allem den Iran-Konflikt mit seinem Einfluss auf die Touristikdestinationen im östlichen Mittelmeer. Die gebuchten Umsätze für den Sommer 2026 lagen zum Zeitpunkt der Meldung sieben Prozent unter dem Vorjahreswert, die Hotelauslastung im zweiten Halbjahr ebenfalls. Der Trend zu späten Buchungen, auf den bereits Wettbewerber wie easyJet hingewiesen haben, erschwert die Planung zusätzlich.

In diese ohnehin angespannte Lage tritt das EES - ein Faktor, den TUI nicht steuern kann, der aber direkt auf die Reisebereitschaft wichtiger Quellmärkte wirkt: Gerade britische Urlauber, für TUI eine der wichtigsten Kundengruppen, sind vom EES betroffen, weil Großbritannien seit dem Brexit kein Schengen-Mitglied mehr ist.

Was das EES für TUI konkret bedeutet

Das EES trifft TUI an einer strategisch heiklen Stelle: dem britischen Markt. Britische Urlauber sind seit dem Brexit vollständig vom EES erfasst - und genau dort lagen die Sommerbuchungen zuletzt zehn Prozent unter dem Vorjahr, deutlich schwächer als in Deutschland mit minus drei Prozent. Kommen EES-bedingte Flughafenengpässe in der Hochsaison hinzu, dürfte die Reisebereitschaft kaum steigen. Das Besondere an diesem Risiko: Anders als Kerosinkosten, für die TUI 83 Prozent des Sommerbedarfs abgesichert hat, lässt sich ein schlecht laufendes Grenzsystem nicht hedgen. Entscheidend wird sein, wie konsequent die Mitgliedstaaten die erlaubte zeitweise Aussetzung des EES nutzen - und ob die seit Anfang Juni wieder anziehenden Last-Minute-Buchungen die Sommerlücke noch schließen können.

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Benedict Kurschat, Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: Dafinchi / Shutterstock.com, TUI

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08.06.26 TUI Hold Jefferies & Company Inc.
28.05.26 TUI Overweight Barclays Capital
18.05.26 TUI Overweight Barclays Capital
14.05.26 TUI Buy Deutsche Bank AG
14.05.26 TUI Market-Perform Bernstein Research