Aussichten für TUI-Aktie: Analysten sehen Chancen - der Kurs bremst noch
Sieben Analysten, kein Verkaufsvotum und ein Durchschnittsziel weit über dem aktuellen Kurs: Trotzdem notiert die TUI-Aktie nahe ihrem Jahrestief.
Werte in diesem Artikel
- TUI bestätigt Jahresprognose trotz geopolitischer Belastungen
- Analysten raten dreimal zum Kauf, viermal zum Halten, keinmal zum Verkauf
- Steigende Schulden und ein schwaches Fluggeschäft bremsen die Erholung
Die TUI-Aktie verlor am Freitag im XETRA-Handel letztlich 0,5 Prozent auf 6,71 Euro und pendelte damit nur knapp über ihrem Tief der vergangenen zwölf Monate. Operativ liefert der Touristikkonzern robustere Zahlen, als der Kurs vermuten lässt, und bestätigt trotz geopolitischer Störfeuer seine Jahresprognose. Zugleich hält die Mehrheit der Analysten deutlich höhere Kurse für gerechtfertigt. Wer über ein Investment nachdenkt, muss deshalb zwei gegenläufige Kräfte abwägen: die operative Erholung und die hartnäckigen Risiken.
Analysten bleiben mehrheitlich zuversichtlich für TUI-Aktie
Laut TipRanks haben in den letzten drei Monaten sieben Analysten Kursziele für die TUI AG für einen Zeitraum von zwölf Monaten abgegeben. Von diesen raten drei zum Kauf, vier zum Halten, kein einziger zum Verkauf. Im Schnitt trauen sie der Aktie 9,35 Euro zu und damit rund 39 Prozent mehr als zum jüngsten Schlusskurs von Donnerstag. Barclays senkte das Kursziel zwar leicht von 10 auf 9,75 Euro, hielt aber an der Einstufung Overweight fest. Analyst Andrew Lobbenberg nannte das dritte Geschäftsquartal robust und das Erlebnisgeschäft TUI Musement den Gewinnanker, während er das Geschäft mit Pauschalreisen und Flügen als schwankungsanfällig einstufte.
Auch die Deutsche Bank und JPMorgan stehen mit Kaufvoten auf der optimistischen Seite. Vorsichtiger urteilen UBS mit einem neutralen Votum, Jefferies mit einer Halteempfehlung und Bernstein Research mit einem Market-Perform. Das Bild ist also gespalten, fällt in der Summe aber freundlicher aus, als es der Kursverlauf nahelegt.
Das operative Geschäft trägt - die Buchungen ziehen an
Im dritten Geschäftsquartal, das bei TUI Ende Juni endet, verdiente der Konzern operativ 234 Millionen Euro und damit rund 87 Millionen weniger als im starken Vorjahr. Der Umsatz sank von gut 6,2 auf knapp 5,9 Milliarden Euro. Belastet haben vor allem geopolitische Unsicherheiten und Sonderlasten, darunter rund 20 Millionen Euro Folgekosten des Iran-Kriegs im Kreuzfahrtgeschäft. Rechnet man diese Einmaleffekte und den Hurrikan in Jamaika von zusammen 81 Millionen Euro heraus, lag das bereinigte Ergebnis nach neun Monaten sogar über dem Vorjahr. Die Prognose für das Gesamtjahr von 1,1 bis 1,4 Milliarden Euro bereinigtem Ergebnis bestätigte das Management.
Der Blick auf die Segmente zeigt, warum die Analysten dem Titel Substanz zutrauen. Die Kreuzfahrten kamen trotz der Sonderlasten auf eine Auslastung von 99 Prozent bei um 4 Prozent höheren Raten, das Erlebnisgeschäft TUI Musement steigerte Umsatz und Ergebnis, und die Hotels hielten sich mit 77 Prozent Auslastung solide. Vor allem die jüngere Buchungsdynamik macht Mut: In den vier Wochen vor der Zahlenvorlage lag der gebuchte Umsatz im Geschäft mit Pauschalreisen und Flügen 7 Prozent über dem Vorjahr, nachdem er über den ganzen Sommer noch 6 Prozent darunter gelegen hatte. Zusätzliche Kapazität bringt die im Juni in Dienst gestellte Mein Schiff Flow, die die verfügbaren Passagiertage im Schlussquartal um 12 Prozent anhebt.
Bewertung und Chart senden gemischte Signale
Charttechnisch bleibt die Aktie ein Sorgenkind. Mit 6,67 Euro notiert der MDAX-Wert im unteren Drittel seiner Zwölfmonatsspanne, weit entfernt vom Hoch bei 9,56 Euro aus dem Februar und nicht weit über dem Tief von 6,09 Euro von Ende April. Der Trend zeigt seit Wochen nach unten, ein tragfähiger Boden ist noch nicht in Sicht. Genau hier liegt für optimistische Anleger aber auch der Reiz: Je tiefer der Kurs, desto größer der Abstand zu den Kurszielen der Analysten.
Fundamental sieht der Analystenkonsens für das laufende Geschäftsjahr einen Rückgang des Gewinns je Aktie auf gut einen Euro und danach eine Erholung in Richtung 1,60 Euro bis 2028. Auch die Dividende soll wieder anziehen: Nach zuletzt 0,10 Euro je Aktie erwarten die Schätzungen für die kommenden Jahre steigende Ausschüttungen. Für Anleger mit langem Atem trifft damit ein niedriger Kurs auf eine sich bessernde Ertragslage.
Die Risiken bleiben handfest
Gegen den optimistischen Blick sprechen konkrete Belastungen. Erstens hängt TUI stark von exogenen Schocks ab: Geopolitische Krisen, Wetterextreme und der Treibstoffpreis schlagen unmittelbar auf Buchungen und Ergebnis durch, wie das Minus im Geschäft mit Pauschalreisen und Flügen von 17 Millionen Euro im dritten Quartal zeigt. Zweitens ist die Nettoverschuldung binnen eines Jahres von 1,9 auf 2,3 Milliarden Euro gestiegen, vor allem weil Kunden kurzfristiger buchen und weniger anzahlen. Für das Winterhalbjahr ist die Sicht deshalb noch gering, und die Umsatzprognose hat der Konzern ganz ausgesetzt.
Anleger dürften nun gespannt auf TUIs Trading Update vor dem Geschäftsjahresende blicken, das der Konzern am 22. September veröffentlicht. Dann dürfte sich zeigen, ob die zuletzt anziehenden Buchungen die geopolitischen Bremsspuren überdecken und wie der Konzern in die Wintersaison startet.
Julia Walter, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
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Bildquellen: Dafinchi / Shutterstock.com, TUI