TUI-Aktie nahe Jahrestief: Analyst hält trotz Ölpreis-Risiken an Kaufrating fest - Signal für Anleger?
Die Nahost-Krise und hohe Ölpreise drücken die TUI-Aktie Richtung Jahrestief, doch die Deutsche Bank sieht die Gewinnschätzungen weiterhin auf Kurs.
Werte in diesem Artikel
- TUI-Aktie notiert knapp über ihrem 52-Wochen-Tief von 6,08 Euro
- Deutsche-Bank-Analyst Juillard bestätigt Kaufrating mit Kursziel über 10 Euro
- Aktie notiert deutlich unter 50-Tage-Durchschnitt
Die TUI-Aktie kämpft sich seit Wochen durch schweres Fahrwasser und notiert seit längerer Zeit nahe ihrem 52-Wochen-Tief von 6,08 Euro, das der Reisekonzern am Ende April markierte. Im XETRA-Handel am Montag stand sie letztlich bei 6,53 Euro, was einem Plus von 1,56 Prozent entspricht. Damit notiert das Papier rund 31 Prozent unter ihrem Hoch bei 9,56 Euro aus dem Februar. Hinter dem Kursrutsch stecken die hohen Ölpreise und die zugespitzte Lage im Nahen Osten, die die Betriebskosten der Fluggesellschaften in die Höhe treiben und auf die Marge des Konzerns drücken.
Ölpreis und Nahost-Krise treiben die Kosten
Vergangene Woche lag der Brent-Rohölpreis bei rund 109 US-Dollar je Barrel, nachdem der Iran die Straße von Hormus gesperrt hatte, die Huthi-Miliz im Jemen die Meerenge Bab al-Mandab bedrohte und Saudi-Arabien nach Drohnenangriffen eine wichtige Ost-West-Pipeline stilllegen musste. Seit Kriegsbeginn Ende Februar 2026 hat sich der Ölpreis damit von rund 70 auf über 100 US-Dollar verteuert, mit einem Zwischenhoch von 126 US-Dollar im April 2026. Für Reisekonzerne wie TUI verteuert das den Treibstoff spürbar, genau der Punkt, den Deutsche Bank-Analyst Andre Juillard als zentrales Risiko für seine Schätzungen nennt.
Deutsche Bank hält an Kaufrating für die TUI-Aktie fest
Deutsche Bank Research belässt die Einschätzung zur TUI-Aktie dennoch auf "Buy" mit einem Kursziel von 10,50 Euro. Analyst Andre Juillard schreibt laut dpa-AFX, seine Schätzung für das diesjährige operative Ergebnis entspreche ungefähr der Konsensprognose, die in der Mitte der Unternehmenszielspanne liege. Diese Einschätzung stamme noch aus April dieses Jahres und sei mit den Quartalszahlen im August bestätigt worden. Ohne die Unsicherheit durch die Lage im Nahen Osten und den Ölpreis hätte der Reisekonzern die Zielspanne nach Juillards Einschätzung wohl bereits präzisiert.
Tatsächlich hatte TUI Mitte August in der Mitteilung zu den Zahlen des dritten Quartals genau diese Zielspanne von 1,1 bis 1,4 Milliarden Euro operativem Ergebnis (Ebit) fürs Geschäftsjahr 2026 bestätigt, nach 1,4 Milliarden Euro im Vorjahr. Das Ebit im dritten Quartal sank auf 235 Millionen Euro von 321 Millionen Euro im Vorjahresquartal, für die ersten neun Monate lag es bei rund 123 Millionen Euro nach 165 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Laut Unternehmensmitteilung entfielen davon allein 81 Millionen Euro auf den Krieg im Iran und einen Hurrikan in Jamaika. Vorstandschef Sebastian Ebel nannte Kriege und geopolitische Spannungen als eine der zentralen Belastungen des Marktumfelds. Das Unternehmen verwies zugleich auf eine zuletzt wieder anziehende Buchungsnachfrage.
Charttechnik: Kurs kämpft an alter Unterstützungszone
Charttechnisch bleibt die TUI-Aktie angeschlagen: Mit 6,558 Euro notiert sie am 18. September 2026 rund 7 Prozent unter ihrem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt von 7,07 Euro und damit weiterhin im kurzfristigen Abwärtstrend. Zugleich bewegt sich der Kurs über der Zone zwischen 6,41 und 6,51 Euro, die im Juni noch als Unterstützung diente. Ob die Zone erneut hält oder der Weg weiter Richtung Jahrestief von 6,08 Euro führt, dürfte sich in den kommenden Handelstagen zeigen.
Einordnung für Anleger: Kursziel gegen Charttechnik
Für Anleger bleibt die Gemengelage zweischneidig. Das von Deutsche Bank bestätigte Kursziel von 10,50 Euro würde vom letzten Schlusskurs von 6,43 Euro aus ein Plus von mehr als 60 Prozent bedeuten, doch charttechnisch notiert die Aktie weiter unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und nahe dem Jahrestief von 6,08 Euro. Ob die bestätigte Kaufeinstufung tatsächlich eine Trendwende markiert oder nur eine Momentaufnahme in einem fragilen Marktumfeld bleibt, entscheidet sich maßgeblich daran, wie sich der Ölpreis und die Lage im Nahen Osten in den kommenden Wochen entwickeln. Als zentrale Risiken bleiben eine weitere Eskalation am Golf mit noch höheren Treibstoffkosten sowie das Fehlen einer charttechnischen Bodenbildung bestehen.
Benedict Kurschat, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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Bildquellen: TUI, Dafinchi / Shutterstock.com