Rekordwachstum

Snowflake springt um 36 Prozent hoch: Quartalsbilanz und Amazon-Deal entkräften die Skeptiker


Snowflake springt um 36 Prozent hoch: Quartalsbilanz und Amazon-Deal entkräften die Skeptiker

Die Aktie hatte sich seit November 2025 halbiert, Skeptiker fragten, ob KI Snowflake eher schadet als nützt. Nun liefert der Konzern die stärkste sequenzielle Dollarbewegung seiner Geschichte.

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Snowflake hat gestern Ergebnisse für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 vorgelegt und den Analystenkonsens in fast jeder Kennzahl klar geschlagen. Der Produktumsatz stieg auf 1,33 Milliarden US-Dollar, ein Wachstum von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nachdem das Tempo im Vorquartal noch bei 30 Prozent gelegen hatte.

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Snowflake nach Zahlen mit Kursfeuerwerk

Starke Reaktionen von Analysten auf die Geschäftszahlen von Snowflake haben die Anleger am Donnerstag euphorisiert. Im vorbörslichen Handel schossen die Aktien des Cloudsoftware-Spezialisten um 39 Prozent nach oben auf das höchste Niveau seit Dezember. Da kamen die Papiere des Branchenkollegen Salesforce nach ihrem Zwischenbericht nicht mit. Sie fanden keinen klaren Trend, schafften es zuletzt aber immerhin ins Plus. Schlussendlich legte die Snowflake-Aktie an der NYSE 36,44 Prozent auf 239,12 US-Dollar zu.

Brent Thill, Analyst der Investmentbank Jefferies, spricht mit Blick auf die beiden Softwareunternehmen von der "Geschichte der zwei großen S: Snowflake nimmt Fahrt auf und Salesforce bleibt stabil". Die Bilanzen bestätigten, dass sich die Monetarisierung von KI zuerst und am deutlichsten im Bereich Daten-Infrastruktur zeige.

Seine Kollegin Gabriela Borges von Goldman Sachs hält Snowflake für gut positioniert, um sich ein großes Stück vom Kuchen der KI-bedingten Nachfrage nach Cloud-Diensten abzuschneiden.

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Die Softwarebranche erlebt insgesamt eher eine schwierige Zeit. Die Anleger schwanken zwischen der Sorge vor Verdrängungseffekten durch KI und den Chancen, die dieser Megatrend bietet. Salesforce versuchen sich ähnlich wie die Aktien des deutschen Konkurrenten SAP (SAP SE) auf dem tiefsten Niveau seit 2023 an einer Bodenbildung. Snowflake erholten sich zuletzt bereits deutlicher vom Tief seit 2024.

Bei SAP konnten die Anleger am Donnerstag keine richtigen Schlüsse aus den Nachrichten der US-Softwarefirmen ziehen. Die Titel der Walldorfer bewegten sich zwar am Vormittag eine Zeit lang im Plus, doch zuletzt gelang es ihnen nicht, die Gewinne zu halten.

Analyst Arti Vula von der Bank JPMorgan weitete den Blick auf die gesamte Branche aus: "Es lohnt sich vielleicht, darüber nachzudenken, ob wir gerade die Anfänge einer Entwicklung erleben, bei der sich die Vorteile der KI über die Hardware- und reine Rechenleistungsebene hinaus entfalten und weitreichendere Auswirkungen zeigen." Denn Unternehmen begännen, Künstliche Intelligenz in die Produktion zu integrieren. Dabei gehe es auch darum, wie KI-Modell in größerem Maßstab und im täglichen Betrieb Anfragen verarbeiten und Antworten erstellen können (Inferenz-Workloads).

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Wachstumsbeschleunigung und Margenzuwachs

Der Gesamtumsatz von 1,39 Milliarden US-Dollar übertraf den Konsens von 1,32 Milliarden US-Dollar, das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 0,39 US-Dollar gegenüber einer Schätzung von 0,32 US-Dollar. Die bereinigte operative Marge weitete sich gegenüber dem Vorjahr auf 12 Prozent aus. Die Nettoumsatzbindungsrate verbesserte sich auf 126 Prozent, nach 125 Prozent im Vorquartal, was auf steigende Ausgaben der Bestandskunden hindeutet. Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen summierten sich auf 9,21 Milliarden US-Dollar, ein Zuwachs von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

AWS-Pakt und KI als Wachstumsmotor

Snowflake verpflichtete sich, über die nächsten fünf Jahre insgesamt 6 Milliarden US-Dollar auf der Infrastruktur von Amazon Web Services einzusetzen, darunter Graviton-Prozessoren und KI-Grafikchips des Konzerns. Die Zahl der Konten, die Snowflake Intelligence nutzen, hat sich gegenüber dem Vorquartal mehr als verdoppelt. Eine bestehende Partnerschaft mit OpenAI wurde auf ein Volumen von 200 Millionen US-Dollar ausgebaut, und eine gemeinsam mit SAP entwickelte Lösung gelangte zur allgemeinen Verfügbarkeit. CEO Sridhar Ramaswamy bezeichnete das erste Quartal als klaren Wendepunkt auf dem KI-Weg des Unternehmens. Das Kundenwachstum trägt diese Einschätzung: 616 Neukunden kamen im Quartal hinzu, 38 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, womit die Gesamtkundenzahl auf 13.912 stieg.

Prognose angehoben, Einordnung der Kursbewegung

Für das laufende Geschäftsjahr hebt Snowflake die Produktumsatzprognose auf 5,84 Milliarden US-Dollar an, was einem Wachstum von rund 31 Prozent entspricht. Die zuvor ausgegebene Prognose hatte 5,66 Milliarden US-Dollar betragen, Analysten hatten im Schnitt 5,68 Milliarden US-Dollar erwartet. Für das zweite Quartal stellt das Unternehmen einen Produktumsatz zwischen 1,415 und 1,42 Milliarden US-Dollar in Aussicht, während der Konsens bei 1,37 Milliarden Dollar lag, die Marge soll auf 13,5 Prozent für das Gesamtjahr steigen.

Den Kursanstieg von mehr als 37 Prozent muss man vor dem Kontext der vorangegangenen Schwäche lesen. Die Aktie hatte in den zurückliegenden zwölf Monaten ein Tief von 118,30 US-Dollar erreicht, nach einem Hoch von 280,67 Dollar Anfang November 2025. Der Markt hatte eingepreist, dass Snowflakes Datenbasisgeschäft unter dem Wettbewerbsdruck durch rivalisierende Anbieter oder durch eine KI-bedingte Workload-Verlagerung leiden könnte. Wachstumsbeschleunigung, Margenausweitung und eine wachsende Kundenbasis liefern nun ein geschlossenes Bild dagegen.

Den nächsten belastbaren Prüfstein liefert die Vorlage der Ergebnisse für das zweite Quartal, voraussichtlich im August 2026. Ob das Wachstumstempo von 34 Prozent im Produktgeschäft hält oder sich abschwächt, entscheidet darüber, ob der Kurssprung mehr als eine Erleichterungsreaktion war.

Benedict Kurschat, Martina Köhler, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: Sundry Photography / Shutterstock.com

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