Energie-Aktien: TotalEnergies-CEO sieht Ölmarkt gespalten zwischen Rohöl und Produkten
TotalEnergies-Chef Patrick Pouyanné beschreibt einen Ölmarkt mit zwei Gesichtern: billiges Rohöl, aber teure Produkte wie Diesel und Benzin.
Werte in diesem Artikel
- Konzernchef spricht von einem seltenen Auseinanderlaufen zweier Märkte
- Straße von Hormus bleibt für Rohöl offen, für Produkttanker praktisch dicht
- Konzern setzt auf neue Pipelines, um Nahost-Öl künftig anders zu transportieren
TotalEnergies-Chef Patrick Pouyanné hat auf der ONS-Energiekonferenz in Stavanger laut Investing.com einen ungewöhnlichen Zustand des Ölmarkts beschrieben: Rohöl notiert vergleichsweise schwach, während Raffinerieprodukte wie Diesel deutlich teurer geworden sind. Für Anleger in TotalEnergies-Aktien ist das relevant, weil der Konzern als integrierter Öl- und Gaskonzern von beiden Marktseiten profitieren oder unter ihnen leiden kann.
Zwei Märkte, eine seltsame Lage
Pouyanné wählte auf der Konferenz in Stavanger deutliche Worte: Der Markt für Rohöl sei bearish gestimmt, jener für Produkte dagegen sehr bullish, was er selbst als merkwürdig bezeichnete. Hintergrund ist die Straße von Hormus, durch die Rohöl-Lieferungen weiterhin ungestört fließen, während höhere Frachtkosten sämtliche Produktflüsse durch die Wasserstraße gestoppt haben. Laut Pouyanné lohnt sich der Transport der kleineren Tanker, die Ölprodukte befördern, wegen der zusätzlichen Kosten durch das Kriegsrisiko schlicht nicht mehr, während ein VLCC-Tanker mit zwei Millionen Barrel Kapazität den Aufschlag von rund 20 Millionen US-Dollar noch verkraftet.
Verschärft wird die Lage durch ukrainische Drohnenangriffe, die laut Pouyanné die russischen Treibstofflieferungen um 3 bis 3,5 Millionen Barrel pro Tag reduziert haben. Brent-Rohöl notierte am Konferenztag nahe 90 US-Dollar je Barrel in London, deutlich unter dem Niveau zu Kriegsbeginn, während der Aufschlag für Diesel gegenüber Rohöl nahe dem höchsten Stand seit über 15 Jahren lag. Pouyanné warnte, europäische Verbraucher würden darunter leiden, und die US-Benzinpreise dürften nicht unter vier US-Dollar fallen.
TotalEnergies-Strategie: Handel und neue Routen
Für TotalEnergies selbst ist die Lage laut Pouyanné durchaus profitabel. Der Konzern transportiert nach eigenen Angaben trotz Kriegsrisiken weiterhin Rohöl durch die Straße von Hormus und positioniert sich nach eigenen Angaben von Pouyanné als wahrscheinlich größter Händler von Öl aus dem Irak und aus Katar, berichtet Reuters. Käufer erhalten dieses Rohöl demnach für 50 bis 60 US-Dollar je Barrel statt zum Brent-Preis, weil die Produzenten dringend Öl in den Markt drücken müssten, während der zusätzliche Transportaufwand durch das Kriegsrisiko bei rund 10 US-Dollar je Barrel liegt.
Gleichzeitig kündigte Pouyanné auf derselben Konferenz Investitionen in den Ausbau der Fujairah-Ölpipeline in Abu Dhabi an, um die Straße von Hormus künftig umgehen zu können, sowie eine Beteiligung an einem Pipelineprojekt von Bagdad an die syrische Küste. Er begründete das damit, dass er als Chef eines nach eigener Einschätzung der größten Öl-Händler aus Irak und Katar eigenes Kapital in alternative Routen investieren müsse. Finanziellen Spielraum dafür bietet die Bilanz: Im zweiten Quartal 2026 erzielte TotalEnergies einen bereinigten Nettogewinn von 6,0 Milliarden US-Dollar und einen Cashflow von 9,8 Milliarden US-Dollar, die Verschuldungsquote sank zum 30. Juni 2026 auf 13,1 Prozent. Die zweite Zwischendividende für das Geschäftsjahr 2026 legte um 5,9 Prozent auf 0,90 Euro je Aktie zu.
Was das für die TotalEnergies-Aktie heißt
Für Anleger ergibt sich aus Pouyannés Beschreibung ein zweigeteiltes Bild: Ein schwacher Rohölpreis drückt auf die Erträge der Förderung, während hohe Produktmargen dem Raffineriegeschäft zugutekommen. Als integrierter Konzern mit Fördergeschäft, Handel und Raffinerien kann TotalEnergies diese Gegenbewegung teilweise ausgleichen, was den Konzern von reinen Förderunternehmen unterscheidet. Der TipRanks-Analystenkonsens aus 15 Häusern kommt mit zwölf Kaufempfehlungen und drei Hold-Einstufungen ohne eine Verkaufsempfehlung zu einer Strong Buy-Einschätzung, das mittlere Kursziel liegt bei rund 83 Euro, die Spanne reicht von 71,98 bis 89,97 Euro.
Als Vergleichswerte aus dem Öl- und Gassektor gelten unter anderem Chevron, ExxonMobil, Occidental Petroleum, BP und Shell; ihre unterschiedliche Gewichtung zwischen Förderung, Raffinerie und Handel zeigt, wie speziell TotalEnergies von der beschriebenen Marktspaltung profitieren oder leiden könnte.
Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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