ROUNDUP 2: Teure Streiks und Kerosin - Lufthansa legt Cityline still


Werte in diesem Artikel
Aktien

191.58 EUR -3.42 EUR -1.75 %

174.94 EUR 2.02 EUR 1.17 %

7.73 EUR 0.18 EUR 2.41 %

FRANKFURT (dpa-AFX) - Wegen hoher Kosten für Kerosin und der fortgesetzten Streiks schließt die Lufthansa ihre Regionaltochter Cityline. Nach dem Willen des Vorstands sollen 27 ältere Canadair-Jets der aktuell noch bestreikten Gesellschaft gar nicht mehr im Linienverkehr abheben. Bei dem vorgezogenen Sparprogramm muss auch die ebenfalls bestreikte Kerngesellschaft Lufthansa Federn lassen.

Werbung

Die Gewerkschaft Ufo versteht den Schritt als Bestrafung für die Streiks, die am Vortag noch die 100-Jahr-Feier des Konzerns begleitet hatten und auch am Donnerstag an deutschen Flughäfen wieder für hunderte Flugausfälle gesorgt haben. "Wir sind erschüttert und fassungslos", erklärte Tarifexperte Harry Jaeger. "Der Vorstand führt mit seinem skrupellosen Vorgehen Krieg gegen die eigenen Leute." Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit will am Freitag wie angekündigt ihre Streiks bei Lufthansa und Cityline fortsetzen, wie Präsident Andreas Pinheiro bestätigte.

Ineffiziente Flugzeuge bleiben stehen

Als Grund für die Einschnitte nennt der Konzern die deutlich gestiegenen Kerosinpreise sowie die Kosten durch die laufenden Arbeitskämpfe. Es würden besonders ineffiziente Flugzeuge vorzeitig aus dem Flugbetrieb genommen, um weniger Kerosin am freien Markt zukaufen zu müssen. Der Kerosinverbrauch der Passagier-Airlines der Lufthansa Group sei auf Basis des Rohöl-Preises mit rund 80 Prozent überdurchschnittlich hoch abgesichert.

Zur Streichmasse gehören auch sechs betagte Langstreckenjets der ebenfalls bestreikten Lufthansa-Kernmarke, die Ende Oktober ausgemustert werden. Mit jedem Flugzeug verschwinden auch Jobs und Karrieremöglichkeiten für die Piloten. Neben den letzten vier Airbus (Airbus SE) A340-600 werden auch zwei ältere Jumbos vom Typ Boeing 747-400 über den kommenden Winter stillgelegt. Der endgültige Abschied von diesem Flugzeugtyp sei für das kommende Jahr vorgesehen. Jüngere Boeing-Jumbos vom Typ 747-8 bleiben hingegen in der Flotte.

Werbung

Zubringerflüge effizienter planen

Zusätzlich will der Konzern im Winterflugplan ab Ende Oktober die Zubringerflüge zu seinen europäischen Drehkreuzen effizienter gestalten. Neben Frankfurt und München werden auch Zürich, Brüssel, Wien und Rom mit Zubringern angeflogen, um dort Langstreckenjets zu füllen. Dies müsse nicht an allen sechs Drehkreuzen gleichzeitig geschehen. Hier wird ein Potenzial von fünf Flugzeugen gesehen, die eingespart werden können.

Streckenstreichungen möglich

Die bislang von der Cityline operierten Flüge sollen im bestehenden Netz-System kompensiert werden, hieß es bei Lufthansa. Möglich sind Streichungen besonders ineffizienter Ziele ebenso wie die Reduzierung einzelner Verbindungen zu Randzeiten. An einem neuen Flugplan werde gearbeitet.

Finanzvorstand Till Streichert nannte die Maßnahmen unumgänglich. Es würden ohnehin geplante Einschnitte vorgezogen. "Die aktuelle Krise zwingt uns, diese Maßnahme nun früher umzusetzen."

Werbung

Warnungen des Managements

Wiederholt hatte das Management die Gewerkschaften gewarnt, dass ihre Streiks nur die Kostenbasis der bestreikten Betriebe verschlechterten und damit die Perspektiven der Beschäftigten. Personalvorstand Michael Niggemann hatte am Wochenende in einem internen Interview zur Situation der Cityline gesagt: "Wir haben (...) schon angekündigt, spätestens zum Ende dieses Jahres die Canadair Flugzeuge auszuflotten und dann zeitnah auch den gesamten Flugbetrieb der Cityline schließen zu müssen. Die Streiks vergrößern den Druck und könnten diesen Prozess beschleunigen."

Was wird aus den Cityline-Beschäftigten?

Bei der Cityline seien allen Beschäftigungsgruppen bereits Anschlussbeschäftigungen angeboten worden. Für das fliegende Personal hatten die Gewerkschaften Vereinigung Cockpit und Ufo die Konditionen als unzureichend bewertet. Lufthansa will nun mit den Betriebspartnern der Cityline Gespräche zu einem Interessenausgleich und Sozialplan aufnehmen. Ufo hatte für die rund 800 Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter hingegen einen tariflichen Sozialplan verlangt und dies auch als Streikziel benannt. Dazu kommen noch rund 500 Piloten.

Lufthansa will den Flugbetrieb der in München beheimateten Tochter vollständig einstellen. Dazu gehört neben den Canadair CRJ auch der Betrieb einiger weniger Airbus-Jets A319. Die Flugzeuge stünden kurz vor dem Ende ihrer technischen Einsatzfähigkeit und hätten vergleichsweise hohe Betriebskosten, teilt Lufthansa mit. Damit könnten weitere Verluste der defizitären Fluggesellschaft reduziert werden.

Flughäfen bestätigen Probleme

Auch die niederländische KLM hat auf die hohen Treibstoffpreise reagiert und 160 Flüge aus dem Programm genommen. Der deutsche Flughafenverband ADV bestätigte Probleme bei der Kerosinversorgung. Sie stehe auch in Europa unter zunehmendem Druck, sagte Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. Das zentrale Risiko liege weniger in der Rohölverfügbarkeit als in der begrenzten Raffinerie- und Produktstruktur. Rund 50 Prozent der EU-Kerosinimporte stammten aus der Golfregion. Der ADV fordert, ein belastbares staatliches Monitoring von Beständen und Verbrauch zu etablieren./ceb/DP/stw

Aktuelle Lufthansa Aktie News

Werbung

Lufthansa Analysen

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Lufthansa nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
Datum Rating Analyst
24.09.26 Lufthansa Market-Perform Bernstein Research
04.09.26 Lufthansa Neutral JP Morgan Chase & Co.
20.08.26 Lufthansa Market-Perform Bernstein Research
19.08.26 Lufthansa Underweight Barclays Capital
05.08.26 Lufthansa Sell Goldman Sachs Group Inc.

Information


Die Handels- und Depotfunktionen in diesem Broker Cockpit werden für Finanzinstrumente von der Finanzen.net Zero GmbH als vertraglich gebundener Vermittler der DonauCapital Wertpapier GmbH (§ 3 Abs. 2 WpIG) bereitgestellt; bei Kryptowerten werden die Handels- und Depotfunktionen in diesem Broker Cockpit ausschließlich von der DonauCapital Wertpapier GmbH bereitgestellt. Die Finanzen.net GmbH stellt ausschließlich den technischen Rahmen bereit und ist in die Wertpapier- und Kryptodienstleistung nicht einbezogen.