Hormus vor der Öffnung? Warum Anleger der Lufthansa-Aktie jetzt auf den Ölpreis schauen
Weil der Iran eine mögliche Öffnung der Straße von Hormus binnen sieben Tagen in Aussicht stellt, bricht der Ölpreis ein - gut für die Lufthansa-Aktie.
Werte in diesem Artikel
- Teheran knüpft Hormus-Öffnung an ein Ende der US-Blockade
- Sinkende Ölpreise entlasten die Kerosinkosten der Fluggesellschaften
- Washington verschärft parallel den Druck auf iranische Airlines
Nach einem Entspannungssignal aus Teheran ist der Ölpreis am Dienstag abrupt gefallen, was Investoren der Lufthansa-Aktie als Kaufargument werteten. Der Iran hatte eine mögliche Öffnung der Straße von Hormus in Aussicht gestellt, sollten die USA ihren Druck auf das Land verringern. Gleichzeitig verschärfen die USA mit neuen Sanktionen gegen iranische Fluggesellschaften den Kurs gegenüber Teheran.
Iran-Signal treibt Ölpreis nach unten
Ein hochrangiger iranischer Diplomat hat dem Handelsblatt zufolge in Aussicht gestellt, die Straße von Hormus binnen sieben Tagen wieder zu öffnen, sollten die USA ihren militärischen Druck verringern und die Blockade iranischer Häfen aufheben. Brent-Futures, die zuvor auf mehr als 102 US-Dollar je Barrel gestiegen waren, rutschten daraufhin unter die Marke von 100 US-Dollar. WTI fiel unter 90 US-Dollar je Barrel. Für die Lufthansa-Aktie, die als Fluggesellschaft mit einer Flotte von über 700 Flugzeugen zu den zehn größten Airlines der Welt zählt, wirkte das Signal am Dienstag als Kaufimpuls, im XETRA-Handel legte sie letztlich um 2,87 Prozent auf 7,88 Euro zu.
Parallel dazu verschärften die USA den Druck auf Teheran. US-Finanzminister Scott Bessent kündigte im US-Sender CNBC an, iranische Fluggesellschaften ab Mittwoch faktisch vom internationalen Flugverkehr abzuschneiden. Flughäfen, Treibstofflieferanten und andere Dienstleister, die iranische Maschinen weiter bedienen, riskieren demnach den Zugang zum Dollar-System.
Lufthansa und die Kerosinkostenmechanik
Für die Lufthansa ist die Ölpreisentwicklung mehr als eine Randnotiz, Treibstoff macht rund ein Viertel der Gesamtbetriebskosten aus. Im ersten Halbjahr hatte der Konzern ein Adjusted EBIT von minus 229 Millionen Euro ausgewiesen, ein Rückgang um 378 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Im zweiten Quartal allein wurde ein positives Adjusted EBIT von 383 Millionen Euro erzielt. Für das Gesamtjahr rechnet die Lufthansa Group weiterhin mit einem Adjusted EBIT zwischen 1,7 und 2,2 Milliarden Euro, als wesentlicher Einflussfaktor gilt dabei der weitere Verlauf des Nahost-Konflikts und dessen Wirkung auf die Kerosinpreise. Der Kerosinbedarf für 2026 ist bereits zu rund 86 Prozent über Derivate preislich abgesichert.
Als Reaktion auf die gestiegenen Treibstoffkosten strafft der Konzern seine Flotte: Der CityLine-Flugbetrieb wird herausgenommen, die gesamte CRJ-900-Teilflotte mit 23 Maschinen ausgemustert, zudem werden Airbus A340-600 und zwei Boeing 747-400 vorzeitig zu Beginn des Winterflugplans stillgelegt. Solche Entspannungssignale aus Teheran haben die Lufthansa-Aktie im laufenden Jahr bereits mehrfach bewegt, etwa im Juni 2026, als ein verschobener US-Angriff und Andeutungen eines Rahmenabkommens die Ölpreise drückten und Reise- sowie Luftfahrtwerte anschoben.
Analysten bleiben zurückhaltend
Trotz der Erleichterung am Ölmarkt bewerten Analysten die Lufthansa-Aktie überwiegend vorsichtig und haben die aktuellen Entwicklungen noch nicht zum Anlass genommen, ihre Aktienempfehlungen anzupassen. Zuletzt hatte JPMorgan-Analyst Harry Gowers das Papier Anfang des Monats mit "Neutral" eingestuft und nannte ein Kursziel von 7,50 Euro.
Ob sich die Entspannung an den Ölmärkten als dauerhaft erweist, dürfte sich in den kommenden Tagen zeigen, wenn die angekündigten US-Sanktionen gegen iranische Fluggesellschaften greifen und Teherans Bereitschaft zu tatsächlichen Zugeständnissen auf die Probe gestellt wird. Mit dem dritten Zwischenbericht 2026, den Lufthansa am 3. November vorlegen will, dürfte sich zeigen, wie stark sich die Kerosinkostenlast im weiteren Jahresverlauf tatsächlich auswirkt.
Claudia Stephan, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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