Straße von Hormus im Fokus: USA und Iran ringen um endgültige Einigung - Rubio besucht Golfstaaten nach Iran-Deal

Die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran für ein umfassendes Abkommen zur Beilegung des Kriegs nehmen Fahrt auf.
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Das erste direkte Treffen der Top-Delegationen in der Schweiz ist vorerst beendet: Nach 18 Stunden intensiver Gespräche haben Irans Verhandlungsführer Mohammed Bagher Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghtschi die Heimreise nach Teheran angetreten, wie die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete.
Die diplomatische Arbeit in dem Luxusresort Bürgenstock bei Luzern steht deshalb aber nicht still. Unmittelbar im Anschluss an das Treffen der Chefunterhändler gehen die Beratungen auf Arbeitsebene weiter. Die Vermittlerstaaten Pakistan und Katar erklärten, dass im weiteren Wochenverlauf in kleineren Facharbeitsgruppen im Bürgenstock weiterverhandelt wird. Das Ziel bleibt ambitioniert: Wie im Rahmenabkommen vorgesehen, soll innerhalb von 60 Tagen ein finales Abkommen stehen. Dafür wurde mit den abreisenden Chefunterhändlern bereits das konkrete Vorgehen für die kommenden zwei Monate vereinbart. Die spezialisierten Arbeitsgruppen werden sich unter anderem mit dem iranischen Atomprogramm sowie dem Abbau der westlichen Wirtschaftssanktionen befassen.
Konstruktive Atmosphäre trotz digitaler Querschüsse aus Washington Der Auftakt seit Sonntag verlief den Vermittlern zufolge trotz der extremen Spannungen erfolgreich. "Es wurden ermutigende Fortschritte erzielt, inklusive der Schaffung eines Mechanismus für weitere Gespräche", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung, die von Katar und Pakistan auf der Plattform X verbreitet wurde.
Bemerkenswert: Auch jüngste Drohungen von US-Präsident Donald Trump gegen den Iran, die er am Sonntag während der laufenden Verhandlungen in den sozialen Medien veröffentlicht hatte, führten nicht zu einem Abbruch der Gespräche. Katars Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani unterstrich die fortlaufenden Bemühungen in der Nacht mit einem Foto auf X, das ihn gemeinsam mit US-Vizepräsident JD Vance und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner am Laptop zeigte, versehen mit den Worten: "Live aus Luzern, die Arbeit geht weiter." Das erste direkte, rund einstündige Treffen der Delegationen am Sonntagnachmittag war von US-Seite von Vizepräsident Vance angeführt worden, der plangemäß am Montag zurück in die USA reisen sollte.
Neuer Sicherheitskanal für die Straße von Hormus und den Libanon
Um die globale Wirtschaft zu schützen und militärische Zwischenfälle zu verhindern, vereinbarten die Parteien handfeste Sicherheitsmechanismen. So wurde ein direkter Gesprächskanal eingerichtet, um Missverständnisse in der Straße von Hormus zu vermeiden und eine sichere Passage für Handelsschiffe zu garantieren. Die Meerenge gilt als eines der wichtigsten Nadelöhre der Weltwirtschaft für den Transport von Öl, Flüssiggas und Düngemitteln.
Zudem schufen die Unterhändler ein Überwachungsforum, das die Einhaltung der Waffenruhe im Libanon absichern soll. Dort war das Rahmenabkommen Ende vergangener Woche fast kollabiert, da es wiederholt zu gegenseitigen Angriffen zwischen der israelischen Armee und der proiranischen Hisbollah-Miliz gekommen war. Die israelische Regierung ist nicht an den Verhandlungen beteiligt und lehnt den im Rahmenabkommen vereinbarten Abzug aus dem Südlibanon vehement ab. Vorerst hat sich die Lage vor Ort jedoch beruhigt.
Iran vermeldet Teilerfolge bei Blockaden und Finanzen
Irans Außenminister Abbas Araghtschi zog via X eine positive Bilanz des Auftakts und sprach von "großen Fortschritten" bezüglich der Libanon-Frage. Das neue Überwachungsforum sei der "erste wirkliche Test" für die Stabilität der Vereinbarungen. Laut Araghtschi wurde die US-Seeblockade iranischer Häfen bereits aufgehoben und erste eingefrorene iranische Staatsguthaben freigegeben. Zudem sei ein umfassender Plan für den wirtschaftlichen Wiederaufbau im Iran angestoßen worden. Von US-Seite gab es in der Nacht zunächst keine Bestätigung dieser Angaben.
Trumps Drohgebärden und der Streit mit den US-Medien
Überschattet wurden die Gespräche von scharfen Tönen aus Washington. Am Sonntagnachmittag forderte Trump via Truth Social, der Iran müsse seine "hoch bezahlten Stellvertreter" im Libanon stoppen: "Wenn sie das nicht tun, werden wir den Iran erneut sehr hart treffen." Gegenüber Fox News legte er mit Blick auf die Straße von Hormus nach: "Wenn ihr sie schließt, habt ihr kein Land mehr." Zuvor hatte der Iran behauptet, die Meerenge blockiert zu haben, was das US-Militär jedoch dementierte.
Der iranische Verhandlungsführer Ghalibaf reagierte gelassen auf die Rhetorik aus dem Weißen Haus. Wenn solche Drohungen wirken würden, befänden sich die USA nicht in ihrer jetzigen ausweglosen Lage, konterte er auf X: "Wir nehmen diese Äußerungen nicht ernst."
Gleichzeitig lieferte sich Trump eine Schlammschlacht mit der heimischen Presse. Eine Analyse der "New York Times", wonach der von Trump befohlene Krieg gegen den Iran strategisch fast wirkungslos geblieben sei, bezeichnete der US-Präsident als "verräterisch" und "korrupt". Er drohte mit einer Erweiterung seiner bestehenden Klage gegen das Medienhaus. Die Zeitung hatte argumentiert, dass das Machtsystem in Teheran trotz personeller Wechsel intakt und womöglich sogar gestärkt sei, während sich der Iran durch das Rahmenabkommen bereits erhebliche Sanktionserleichterungen gesichert habe.
Die USA und Israel hatten den Iran-Krieg Ende Februar begonnen. Nach einer ersten, teils brüchigen Waffenruhe Anfang April folgte vergangene Woche das wegweisende Rahmenabkommen, das nun innerhalb der 60-Tage-Frist in dem laufenden Verhandlungsmarathon in der Schweiz in einen dauerhaften Friedensvertrag gegossen werden soll.
Iran will IAEA-Inspektoren zulassen - Zeitplan offen
Der Iran will nach Angaben von US-Vizepräsident JD Vance wieder Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ins Land lassen. Einen Zeitplan dafür gebe es aber noch nicht, sagte Vance zum Ende seiner Gespräche mit der iranischen Seite in der Hotelanlage Bürgenstock Resort in der Schweiz. Die Verhandler hätten um 2.00 Uhr versucht, die Inspektoren zu erreichen, aber die meisten seien nicht ans Telefon gegangen.
Der Iran bestätigte allerdings nicht, dass eine erneute Einreise von Inspektoren erlaubt werde. Eine entsprechende Entscheidung müsse zuvor mit dem Parlament und dem Nationalen Sicherheitsrat abgestimmt werden, sagte Außenamtssprecher Ismail Baghai der staatlichen Nachrichtenagentur Irna.
Im vergangenen Herbst hatte die IAEA im Iran zuletzt einige Standorte des Atomprogramms besichtigt, die nicht durch die israelischen und US-Angriffe im Juni 2025 beschädigt worden waren. Seit diesen ersten Angriffen hat sie keinen Zugang mehr zu den iranischen Urananreicherungs-Anlagen gehabt. Ende Februar haben die USA und Israel einen Krieg gegen den Iran begonnen, der nach einem Rahmenabkommen nun endgültig beigelegt werden soll.
Die iranische Delegation hatte auch bei den Gesprächen mit den USA am Sonntag in der Schweiz nicht zugelassen, dass IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi an den Verhandlungen direkt teilnimmt. Medienberichten zufolge war Grossi zwar am Verhandlungsort Bürgenstock, aber das iranische Team zeigte keinerlei Interesse an einem Austausch mit dem IAEA-Chef.
Vance: Solide Grundlage für endgültige Vereinbarung
Vance kehrte noch am Montag in die USA zurück. Die Verhandlungen mit dem Iran gingen auf technischer Ebene weiter, sagte er. Nach seinen Angaben wurde ein Prozedere vereinbart, damit die Straße von Hormus, durch die Öl und Dünger aus den Anliegerstaaten auf den Weltmarkt transportiert wird, geöffnet bleibt. Der Iran hatte sie nach Beginn der Angriffe der USA und Israels geschlossen.
Ebenso vereinbart worden sei ein Mechanismus, um Verstöße gegen die im Rahmenabkommen vereinbarte Waffenrufe auch im Libanon direkt zu besprechen, um eine neue Eskalation zu verhindern.
"Wir haben eine sehr solide Grundlage für den Abschluss einer erfolgreichen endgültigen Vereinbarung geschaffen", sagte Vance. Dennoch liege noch viel Arbeit vor den Verhandlern. Im Rahmenabkommen steht die Absicht, die endgültige Vereinbarung möglichst innerhalb von 60 Tagen zu erreichen.
US-Bauern reicher machen
Über die im Rahmenabkommen erwähnten iranischen Vermögenswerte sagte Vance, die USA und Katar behielten die Aufsicht darüber, was wann ausgezahlt werde. Mit dem Geld würden Sojabohnen, Mais und Weizen aus den USA gekauft. "Sollten die iranischen Vermögenswerte jemals freigegeben werden, werden sie dazu dienen, die amerikanischen Landwirte reicher zu machen und das iranische Volk zu ernähren", sagte Vance.
Der Iran wies die Angaben zurück, wonach blockierte iranische Vermögenswerte für den Kauf amerikanischer Agrarprodukte verwendet werden sollen. "Diese Behauptung entspricht in keiner Weise der Realität", zitierte die Nachrichtenagentur Tasnim eine informierte Quelle aus dem iranischen Verhandlungsteam.
Der Tasnim-Bericht wurde von offizieller Seite bislang weder bestätigt noch dementiert. Präsident Massud Peseschkian erklärte lediglich, der Iran werde in den laufenden Gesprächen keine Kompromisse eingehen, die nicht im Einklang mit den nationalen Interessen stünden. "Wo immer versucht wird, unsere Rechte zu missachten, werden wir nicht klein beigeben und uns nicht beugen", sagte der Präsident.
USA lockern Sanktionen auf iranisches Öl
Nach neuen Gesprächen mit dem Iran lockern die USA Sanktionen auf iranisches Öl. Das US-Finanzministerium veröffentlichte eine Genehmigung, die bisherige US-Verbote im Zusammenhang mit Produktion, Lieferung und Verkauf von Rohöl und Erdölprodukten iranischen Ursprungs, bis zum 21. August vorübergehend aufhebt.
Die Sanktionserleichterung ist die bislang größte seit Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar. Bereits im März hatten die USA vorübergehend Sanktionen auf iranisches Öl gelockert, das sich auf Schiffen befand. Damit wollten die USA die Energiemärkte beruhigen. Wegen der seit Kriegsbeginn faktisch kaum möglichen Durchfahrt von Tankern durch die für den Ölhandel wichtigen Straße von Hormus vor der Küste Irans waren die Preise weltweit nach oben geschossen.
Bessent: Verhandlungen mit Iran "produktiv"
US-Finanzminister Scott Bessent bezeichnete die jüngsten Verhandlungen mit dem Iran in der Schweiz als "produktiv". Teheran habe zugesagt, die freie Schifffahrt durch die Straße von Hormus zu gewährleisten und Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ins Land zu lassen. Die neue Ausnahmegenehmigung sei Teil des vereinbarten Abkommens mit Teheran.
US-Vizepräsident JD Vance hatte zuletzt erklärt, ein neues Abkommen mit dem Iran sehe wirtschaftliche Vorteile vor, falls Teheran auf die Anreicherung von Uran verzichte und die Vernichtung seiner Bestände an hoch angereichertem Uran zulasse.
Mit dem Rahmenabkommen wollen die USA und der Iran vertiefte Gespräche über einen Ausweg aus dem Krieg ermöglichen. Es geht dabei vor allem um das iranische Atomprogramm.
US-Außenminister Rubio besucht Golfstaaten nach Iran-Deal
US-Außenminister Marco Rubio reist wenige Tage nach dem Abschluss eines Rahmenabkommens mit dem Iran in die Golfregion. Das Außenministerium teilte mit, Rubio werde von Dienstag bis Donnerstag die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Bahrain besuchen.
Im Mittelpunkt der Gespräche sollen nach Angaben des Ministeriums das Abkommen mit dem Iran, die Sicherung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus sowie Fragen von Frieden und Stabilität in der Region stehen. In Bahrain will Rubio zudem Vertreter des Golf-Kooperationsrats (GCC) treffen.
Die Reise ist der erste Besuch eines US-Kabinettsmitglieds in der Region seit der Unterzeichnung der Vereinbarung zwischen Washington und Teheran vergangene Woche. Das Abkommen sieht nach Angaben der US-Regierung unter anderem vor, dass der Iran die freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus gewährleistet und Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ins Land lässt.
Die Staaten am Persischen Golf dürften bei der Umsetzung der Vereinbarung eine wichtige Rolle spielen. Die Straße von Hormus zählt zu den bedeutendsten Routen des weltweiten Öl- und Gashandels. Während des Kriegs zwischen Iran auf der einen und den USA und Israel auf der anderen Seite war der Schiffsverkehr dort zeitweise stark beeinträchtigt.
Die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Bahrain gehörten während des Konflikts zu den Ländern, die wiederholt Ziel iranischer Angriffe wurden. Dabei wurden nach US-Angaben auch amerikanische Einrichtungen beschädigt.
Claudia Stephan, Julia Walter, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX
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