RWI-Umfrage: Wirkungsweise und Folgen des CO2-Preises vielen nicht bekannt
BERLIN (Dow Jones)--In Deutschland kennen viele die Wirkungsweise, die Höhe und die individuellen finanziellen Konsequenzen der CO2-Bepreisung fossiler Kraft- und Brennstoffe nicht. Das hat eine Umfrage des RWI - Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung im Rahmen eines von der Eon-Stiftung geförderten Projektes ergeben. Die zusätzlichen Kosten durch die CO2-Bepreisung würden überschätzt.
"Diese empirischen Ergebnisse stellen die Effektivität der CO2-Bepreisung in Frage", sagte RWI-Energieexperte Manuel Frondel. "Politik und Wissenschaft sind gleichermaßen gefordert, durch bessere Kommunikation und höhere Transparenz die Wirksamkeit dieses Klimaschutzinstrumentes zu fördern."
Die Umfrage unter mehr als 6.000 Haushalten aus dem Jahr 2022 ergab, dass sich rund 62 Prozent der Befragten eher schlecht oder sehr schlecht über die CO2-Bepreisung informiert fühlen. In der Umfrage zeigte sich auch mangelndes Wissen über die individuellen finanziellen Konsequenzen. Über 80 Prozent der Befragten wissen demnach zwar, dass der CO2-Preis auf fossile Kraft- und Brennstoffe wie Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas aufgeschlagen wird. Allerdings schätzen sie die für sie aus dem CO2-Preis folgende Kostenbelastung zu hoch ein.
Während die durchschnittliche Kostenbelastung pro Woche für das Pendeln zur Arbeit beispielsweise bei 1,02 Euro liegt, liege die mittlere Schätzung der Befragten bei knapp 20 Euro, im Höchstwert sogar bei 200 Euro, so das RWI. Überdies vermuteten viele Befragte irrtümlich, dass der CO2-Preis auch auf weitere Güter wie Kerosin oder Plastiktüten erhoben werde.
Fälschlicherweise glauben zudem knapp 30 Prozent der Befragten, dass mit der CO2-Bepreisung Steuereinnahmen erzielt werden sollen. Allerdings verfolgt die Politik nach eigenen Angaben dieses Ziel mit der CO2-Bepreisung nicht, denn die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung sollen laut Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung in Form einer "Klimageld" genannten Rückzahlung an alle Bürger zurückgegeben werden. Dieses Klimageld ist bislang aber noch nicht eingeführt worden.
Der Geschäftsführer der Eon-Stiftung, Stephan Muschick fragte daher, wann das versprochene Klimageld "endlich" komme. Mit Blick auf die Differenz zwischen geschätzten und tatsächlichen Kosten für Privatpersonen sagte Muschick: "Wüssten die Menschen, dass die privaten Kosten als Folge des CO2-Preises meist viel geringer ausfallen als befürchtet, könnte das die Akzeptanz dieser Maßnahme erhöhen."
Der CO2-Preis soll laut Bundesregierung eine Lenkungswirkung entfalten. Dies könne er laut Muschick nur, wenn er so hoch sei, dass Menschen ihr Verhalten änderten und auf klimafreundlichere Alternativen umstiegen. "Umso wichtiger ist, dass diese Alternativen auch einfach und bequem vorhanden sind und das Klimageld zügig zur Realität wird. Davon profitieren ärmere und klimafreundlich lebende Menschen im Übrigen besonders", sagte Muschick.
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September 11, 2023 05:23 ET (09:23 GMT)