Oracle-Aktie trotz Rating-Klatsche im Plus: Droht hier die Schuldenfalle?
Während S&P Global die Kreditwürdigkeit von Oracle nur eine Stufe über Ramschniveau einstuft, klettert die Aktie unbeeindruckt weiter nach oben.
Werte in diesem Artikel
- S&P Global stuft Oracles Kreditrating von BBB auf BBB- herab
- Der Softwarekonzern trägt inzwischen rund 167 Milliarden US-Dollar Schulden
- Anleger blicken eher auf den Cloud-Auftragsbestand als auf die Risiken
An dem Tag, an dem S&P Global Ratings die Kreditwürdigkeit von Oracle von BBB auf BBB- senkt, schließt die Aktie des Softwarekonzerns am Donnerstag an der NYSE 2,7 Prozent fester bei 143,72 US-Dollar. Im Handel am Freitag verliert sie minimale 0,09 Prozent auf 143,58 US-Dollar. Der Markt schert sich damit wenig um die Warnung der Ratingagentur.
Wachsende Zweifel an der Bilanz
Der Herabstufung liegt eine nüchterne Rechnung zugrunde. S&P beziffert die Investitionsausgaben von Oracle im Geschäftsjahr 2027 nun auf 90 bis 95 Milliarden US-Dollar, deutlich mehr als die zuvor veranschlagten 60 Milliarden. Gleichzeitig soll sich das Defizit beim freien operativen Cashflow auf etwa 42 Milliarden US-Dollar nahezu verdoppeln, verglichen mit der vorherigen Schätzung von 24 Milliarden. Die bereinigte Verschuldung dürfte dadurch in den mittleren Bereich des Faktors vier steigen und damit die Schwelle überschreiten, die die Ratingagentur für ein normales BBB-Profil noch als sicher einstuft. Mit BBB- bleibt Oracle nur noch eine Stufe über dem sogenannten Ramschniveau.
Abhängigkeit von einem einzigen Kunden
Verschärft wird das Bild durch eine ungewöhnliche Kundenkonzentration. Rund die Hälfte der noch nicht abgerechneten Auftragsverpflichtungen von Oracle entfällt allein auf OpenAI. Gerät das KI-Geschäft des Start-ups ins Stocken, etwa weil die Nachfrage schwächer ausfällt oder die eigene Profitabilität länger auf sich warten lässt, träfe das Oracle deutlich härter als einen breiter diversifizierten Softwarekonzern.
Frisches Eigenkapital statt neuer Schulden
Um das verbleibende Investment-Grade-Rating zu verteidigen, setzt Oracle zunehmend auf Eigenkapital statt auf weitere Anleihen. Bereits im Februar 2026 sammelte der Konzern 5 Milliarden US-Dollar über eine Pflichtwandelvorzugsaktie ein. Für das laufende Kalenderjahr ist eine weitere Kapitalerhöhung über 20 Milliarden US-Dollar geplant. In den kommenden drei Jahren soll nach eigenen Erwartungen zusätzlich ein zweistelliger Milliardenbetrag an frischem Kapital hinzukommen.
Warum der Markt gelassen bleibt
Am Aktienmarkt überwiegt trotzdem der Optimismus. Anleger blicken derzeit weniger auf die Bilanzsorgen als auf den Auftragsbestand im Cloud-Geschäft, der sich zuletzt auf rund 638 Milliarden US-Dollar summierte. Genau darin liegt aber auch das Risiko der aktuellen Kursreaktion: Solange die KI-Investitionen schneller wachsen als der freie Cashflow, bleibt Oracle auf immer neue Kapitalspritzen angewiesen. Jede weitere Verzögerung bei der Monetarisierung der KI-Wette würde die Argumente der Ratingagentur nur untermauern.
Der nächste belastbare Anhaltspunkt dürfte der weitere Verlauf der Investitionsausgaben im laufenden Geschäftsjahr liefern. Zeigt sich dort, dass der Cashflow schneller aufholt als von S&P erwartet, dürfte sich der Druck auf das Rating lockern. Bleibt die Lücke so groß wie prognostiziert, rückt eine weitere Herabstufung näher an den Rand des Investment-Grade-Bereichs.
Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net
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Alle: Alle Empfehlungen
| Datum | Rating | Analyst | |
|---|---|---|---|
| 23.06.26 | Oracle Buy | Jefferies & Company Inc. | |
| 16.06.26 | Oracle Kaufen | DZ BANK | |
| 11.06.26 | Oracle Sector Perform | RBC Capital Markets | |
| 11.06.26 | Oracle Buy | Goldman Sachs Group Inc. | |
| 11.06.26 | Oracle Buy | UBS AG |
