BMW-Aktie: Nervosität der Anleger wegen Kapitalmarkt-Aussagen legt sich - Kein Diesel mehr im 3er
BMW streicht beim neuen 3er den Diesel und setzt stattdessen auf Benziner sowie Hybrid- und Plug-in-Hybridantriebe.
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BMW nimmt beim wichtigen 3er den Diesel aus dem Programm. Beim neuen Modell, das in Kürze vorgestellt wird, fällt der Selbstzünder aus dem Programm, wie der Konzern bestätigt. Davor hatte die "Automobilwoche" darüber berichtet.
In der achten Generation des 3ers, den BMW selbst als "Herz der Marke" bezeichnet, wird es neben dem bereits vorgestellten vollelektrischen i3 noch einen Benziner sowie Hybrid- und Plug-in-Hybride mit Benzinmotor geben. Es handle sich um eine bewusste Entscheidung. Angesichts der Marktentwicklung habe man sich entschieden, sich auf den Benziner zu fokussieren, heißt es von den Münchnern. Man konzentriere sich auf die Antriebe mit den weltweit höchsten Nachfragen. Dieselantriebe sind allgemein in vielen wichtigen Märkten eher auf dem Rückzug.
Spritpreis ist nicht schuld
Mit den aktuell hohen Spritpreisen, insbesondere für Diesel, hat die Entscheidung nichts zu tun. Sie sei schon länger gefallen, heißt es von BMW. Die Entwicklung von Autos hat grundsätzlich deutlich längere Zyklen als die aktuelle Phase der hohen Spritpreise.
Eine grundsätzliche Entscheidung gegen den Diesel gebe es zudem nicht, heißt es von BMW. Der X5 beispielsweise komme mit dieser Antriebsvariante. Zu weiteren anstehenden Modellen machte BMW noch keine Aussagen darüber, welche Motoren angeboten werden sollen.
BMW will Angebot straffen und Kosten senken
Die Entscheidung beim 3er fällt in eine Phase, in der BMW seine Modellpalette und Strukturen stärker auf die Marktentwicklung ausrichten will. Auf dem Kapitalmarkttag kündigte der Autobauer unter anderem an, die Angebotsvielfalt zu reduzieren, Durchlaufzeiten zu verkürzen, Partnerschaften mit Zulieferern zu vertiefen und das Händlernetz in China "auf die richtige Größe zu bringen".
Bernstein-Analyst Stephen Reitman sieht im Kapitalmarkttag den "Beginn eines Heilungsprozesses". BMW will die operative Marge in der Autosparte von den für 2026 avisierten 1 bis 3 Prozent in einem Zwischenschritt bis 2028 auf 3 bis 5 Prozent und in den frühen 2030er Jahren auf 8 bis 10 Prozent steigern. Reitman beließ seine Einstufung für die BMW-Aktie auf "Outperform" und das Kursziel bei 82 Euro.
Anthony Dick von Oddo BHF bezeichnete BMW unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden Milan Nedeljkovic als "Show-Me-Story". Die Kernprinzipien würden bewahrt, zugleich lege der Plan einen stärkeren Schwerpunkt auf Kostensenkungen. BMW wolle sich zudem nicht auf eine höhere Ausschüttungsquote festlegen. Weitere Angaben zu möglichen Aktienrückkäufen machte der Konzern demnach nicht.
Harald Hendrikse von der Citigroup sprach von "Evolution statt Revolution". BMW wolle weiter "business as usual" praktizieren, obwohl die Marge ein 25-Jahrestief erreicht habe. Vor diesem Hintergrund habe er eine entschiedenere Reaktion erwartet. Hendrikse rechnet mit einem begrenzten Gewinnanstieg bis 2028.
BMW stellt Anleger auf längere Durststrecke ein - Keine schnelle Erholung
Der Autobauer BMW bleibt angesichts der Branchenkrise vor allem im wichtigen Markt China auch für die kommenden Jahre vorsichtig. Zwar peilt der neue Konzernchef Milan Nedeljkovic in der Autosparte weiter die angestammte Prognosebandbreite von 8 bis 10 Prozent Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern an, wie der DAX-Konzern am Mittwoch in München mitteilte. Allerdings dürfte das erst wieder zu Beginn des kommenden Jahrzehnts zu schaffen sein. Als Zwischenschritt soll die am Aktienmarkt viel beachtete operative Marge 2028 zwischen 3 und 5 Prozent betragen, nach den für dieses Jahr nach der jüngsten Gewinnwarnung noch anvisierten 1 bis 3 Prozent.
Analysten waren bereits am Dienstag über die wesentlichen Planungen der kommenden Jahre informiert worden. Aussagen dazu hatten die Aktie im späten Handel zwischenzeitlich deutlich unter Druck gesetzt. Die Markterwartungen lagen zuvor eher im oberen Bereich der neuen Spanne für 2028. Dass es wohl erst zu Beginn des nächsten Jahrzehnts eine Rückkehr zu alter Stärke bei der Profitabilität geben würde, hatte Nedeljkovic bereits selbst Ende Juli durchblicken lassen.
Bernstein-Analyst Stephen Reitman sah in den Ankündigungen der Münchner den "Beginn eines Heilungsprozesses". BMW wolle die Angebotsvielfalt reduzieren, Durchlaufzeiten verkürzen, Partnerschaften mit Zulieferern vertiefen und das Händlernetz in China "auf die richtige Größe bringen". Anthony Dick von Oddo BHF kommentierte, BMW müsse unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden Nedeljkovic Erfolge vorweisen. Erwartungsgemäß liege der Fokus auf Kostensenkungen.
Harald Hendrikse von der Citigroup war skeptischer. Der Konzern wolle weiter "business as usual" praktizieren, während die Marge ein 25-Jahrestief erreicht habe und obwohl sich die weltweite Nachfrage außerhalb Chinas robust entwickle. Die Stimmung in der Branche bleibe unter Anlegern strukturell schlecht. Vor diesem Hintergrund habe er eine entschiedenere Reaktion von BMW erhofft - wie etwa zuletzt von Volkswagen. In Erwartung eines begrenzten Gewinnanstiegs bis 2028 glaubt Hendrikse, dass Anleger vorsichtig gestimmt bleiben für die BMW-Aktie.
Bei der angestrebten Margensteigerung der kommenden Jahre kommt BMW zugute, dass die Abschreibungen auf den in der China-Mehrheitsübernahme 2022 gezahlten Firmenwert während 2028 auslaufen. Diese hatten die Marge auf Jahressicht zuletzt jeweils gut einen Prozentpunkt gekostet.
"Unser globales Geschäftsmodell bleibt die Grundlage unseres Erfolgs", sagte Nedeljkovic laut Mitteilung. "Gleichzeitig stellen wir unsere Strukturen und unsere Kostenbasis wettbewerbsfähiger auf, um dem zunehmend schärferen Wettbewerb zu begegnen, der diese Branche in den kommenden Jahren prägen wird", verwies der Manager auf den geplanten Personalabbau.
Nedeljkovic hat im Mai in schwieriger Lage das Ruder von Oliver Zipse übernommen. Das Chinageschäft läuft nicht mehr rund, weil die chinesischen Käufer bei teuren ausländischen Autos nicht mehr so tief in die Tasche greifen. Im unteren Marktsegment grassiert ein Preiskampf, der mehr und mehr auf die oberen Segmente übergreift.
Nedeljkovic will bei den für China bestimmten Fahrzeugen nun bedeutend mehr im Land selbst entwickeln und einkaufen lassen. Der Anteil der lokal gefertigten und speziell auf chinesische Kundenwünsche ausgerichteten Fahrzeuge soll bis 2030 auf mindestens 95 Prozent steigen. Ähnlich macht es schon der Volkswagen-Konzern. Zudem prüft BMW auch eine Ausweitung von Exporten aus China nach Südostasien. VW hat das ebenfalls vor.
In den USA, wo US-Präsident Donald Trump die Einfuhrzölle auf aus der EU eingeführte Autos angehoben hat, setzt Nedeljkovic auf Expansion vor Ort. Über dem SUV-Dickschiff X7 soll ein noch größeres Auto mit Zuschnitt auf US-Kundenbedürfnisse kommen. Allerdings ist das US-Werk in Spartanburg bereits ausgelastet, also sollen womöglich dort hergestellte Autos der X-Baureihe auch in anderen Regionen produziert werden, um Platz im Werk freizumachen.
Auf dem Heimatmarkt Europa sieht BMW gute Chancen für Elektroautos im Kompaktsegment. Nachdem der Konzern seine Elektroauto-Modellgeneration "Neue Klasse" bisher eher im teureren Bereich ausgerollt hat, sind ab 2028 auch mengenstarke Modelle an der Reihe.
Eine harte Entscheidung hatte Nedeljkovic bereits getroffen: Mit einem Sparprogramm sollen Tausende Stellen abgebaut werden, um die Fixkosten zu senken. Konkrete Zahlen nannte BMW zwar nicht. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dürften aber um die 8.000 Jobs von zuletzt 154.540 Arbeitsplätzen (Stand 31.12.25) wegfallen. Das Abfindungsprogramm startet im Oktober und läuft voraussichtlich bis Ende kommenden Jahres. Im Management soll dabei jede fünfte Stelle gestrichen werden. Damit will Nedeljkovic die Organisation verschlanken und Entscheidungen beschleunigen.
Beim Geldausgaben will das Management die Zügel insgesamt anziehen. Die Investitions- und Entwicklungsausgaben sollen weiter sinken, nachdem sie 2024 unter anderem wegen Vorbereitungen für die "Neue Klasse" einen Höchstwert erreicht hatten. Ab 2027 sollen die Investitionsausgaben wieder weniger als 5 Prozent des Umsatzes ausmachen, die Entwicklungskosten zwischen 4 und 5 Prozent des Erlöses. 2024 hatten die Posten zusammen 12,8 Prozent der Einnahmen verschlungen. Von 2028 an dürfte die Quote unter 9 Prozent fallen.
Das stützt auch den Zufluss freier Mittel aus dem Autogeschäft. Der Free Cashflow ist in diesem Jahr bei über 2,5 Milliarden Euro veranschlagt, 2028 sollen es dann mehr als 5 Milliarden sein. In den frühen 2030ern stehen dann wieder mehr als 7 Milliarden Euro als Ziel im Plan von Finanzchef Walter Mertl. Der Free Cashflow ist insbesondere als Indikator für die Finanzkraft wichtig. Sie kann Aufschluss geben über die Möglichkeit, Dividenden zu zahlen und Aktienrückkäufe vorzunehmen.
Unterstützen soll beim Sparen der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI). Die Rolle von KI soll in der gesamten Wertschöpfungskette ausgebaut werden, unter anderem um die Entwicklung zu beschleunigen. Weil BMW auch einen Nutzen von KI für den Käufer bei Preisvergleichen vermutet, will der Autobauer seinen Vertrieb weiter zum sogenannten Agenturmodell umbauen. Ziel sind einheitliche Preise bei den Händlern, die dann nicht mehr auf eigene Rechnung Autos des Konzerns an- und verkaufen, sondern eine Provision pro Fahrzeug erhalten. Bei der Kernmarke BMW in Europa soll das Modell ab 2027 eingeführt werden.
BMW-Aktie erholt sich
Am Dienstag hatte die BMW-Aktie im späten Handel zeitweise deutlich nachgegeben. Rund eine Stunde vor Handelsschluss sackte der Kurs um fünf Prozent auf ein Tief seit 2020 ab, erholte sich anschließend aber wieder. Händler sahen zunächst eine Enttäuschung darin, dass BMW für 2028 eine Automarge zwischen 3 und 5 Prozent anpeilt. Der Konsens lag für diesen Zeithorizont am oberen Ende der Spanne.
Am Mittwoch legte sich die Nervosität der Anleger wieder. Im XETRA-Handel stieg die BMW-Aktie schlussendlich um 1,50 Prozent auf 55,32 Euro. Damit machte der Kurs die Vortagesverluste wett.
Reitman zeigte sich in seinem am Mittwoch veröffentlichten Kommentar zum ersten Veranstaltungstag des Kapitalmarkttags zuversichtlich, dass die angekündigten Maßnahmen zur Verbesserung der Profitabilität beitragen können. Die Original-Studie wurde am 29. September 2026 veröffentlicht und am 30. September erstmals weitergegeben.
dpa (AFX)
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