Tesla-Aktie im Plus: Elektro-Lkw Semi soll 2027 auch in Europa starten
Auf der IAA Transportation in Hannover will Tesla ab dem 15. September zeigen, wie der Elektro-Lkw Semi den europäischen Fernverkehr erobern soll.
Werte in diesem Artikel
- Tesla öffnet europäische Produktseiten für den Elektro-Lkw Semi
- Etablierte Hersteller bieten in Europa bereits elektrische Fernverkehrs-Lkw an
- Analysten bewerten die Tesla-Aktie weiterhin uneinheitlich
Tesla treibt den Marktstart des Elektro-Sattelschleppers Semi in Europa voran und will auf der IAA Transportation in Hannover Details zu Spezifikationen und Zeitplan vorstellen. Eigene europäische Produktseiten des Unternehmens nennen laut EV bereits erste technische Eckdaten, während in den USA mit einem Großauftrag des Logistikanbieters Einride und einer bevorstehenden Werkseinweihung parallel die Serienfertigung anläuft. Für Tesla-Anleger rückt damit ein neues Wachstumsfeld jenseits des Pkw-Geschäfts stärker in den Fokus.
Teslas Europa-Pläne für den Semi nehmen Form an
In Europa tritt der Semi damit in ein Marktsegment ein, in dem Wettbewerber bereits batteriebetriebene Lastwagen anbieten. Konkrete Spezifikationen und Einführungsdetails will der Autobauer auf der IAA Transportation in Hannover vorstellen, die am 15. September beginnt.
Auf eigenen europäischen Produktseiten hat Tesla bereits eine Standard-Range-Zugmaschine mit bis zu 550 Kilometern Reichweite bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 40 Tonnen gelistet, Auslieferungen sind demnach ab 2027 vorgesehen, das erste konkrete Datum, das das Unternehmen dem Europa-Verkauf zugeordnet hat. Eine Long-Range-Variante, ein Preis oder Details zur Ladeinfrastruktur fehlen dort bislang. Laut deutschsprachiger Tesla-Website kann der Lastwagen über das Megacharger-Netz mit bis zu 800 Kilowatt binnen 30 Minuten rund 60 Prozent seiner Reichweite nachladen.
Fast ein Jahrzehnt Verzögerung
Der Europa-Vorstoß kommt fast ein Jahrzehnt, nachdem Tesla den Semi 2017 vorgestellt und ursprünglich eine Serienproduktion ab 2019 angepeilt hatte. Der Zeitplan verschob sich mehrfach, weil das Unternehmen Batteriezellen vorrangig für Fahrzeuge wie das Model 3 benötigte. Im April lief nach Unternehmensangaben der erste Semi von einer Serienfertigungsstraße im US-Bundesstaat Nevada.
Parallel treibt Tesla die Kommerzialisierung in den USA voran: Der schwedische Logistikanbieter Einride bestellte im August 500 Semi-Lkw für den US-Einsatz, rund 75 davon sollen noch in diesem Jahr ausgeliefert werden. Die Werkseinweihung der Hochvolumen-Fertigungslinie neben der Gigafactory Nevada ist für den 24. September geplant, vier Tage nach Ende der IAA. Für die US-Fertigung ruft Tesla Listenpreise von rund 260.000 US-Dollar für die Standard-Range- und 290.000 US-Dollar für die Long-Range-Version auf, jeweils vor Förderungen.
Tesla trifft in Europa auf etablierte Konkurrenz
Anders als bei der Tesla-Pkw-Einführung 2013 trifft der Semi in Europa auf einen bereits besetzten Markt: Mercedes-Benz Group bietet mit dem eActros 600 ein Modell mit rund 500 Kilometern Reichweite und einer 621-Kilowattstunden-Batterie bei 40 Tonnen an, auch MAN mit dem eTGX und Volvo Trucks haben elektrische Fernverkehrs-Lkw im Programm. Ob sich der Semi durchsetzt, dürfte daher weniger von Reichweite oder Beschleunigung abhängen als von Nutzlast, Ladeinfrastruktur, Servicenetz und den tatsächlichen Betriebskosten im Alltag.
Unter 26 Analysten bei TipRanks überwiegt für die Tesla-Aktie mit einem Moderate-Buy-Konsens ein verhalten positives Bild: elf raten zum Kauf, zwölf zu Halten und drei zum Verkauf, das mittlere Kursziel liegt bei 377,08 US-Dollar. Barclays-Analyst Dan Levy stufte die Aktie am 8. September mit Hold und einem Kursziel von 370 US-Dollar ein. Vier Tage zuvor hatte JPMorgan-Analyst Rajat Gupta ebenfalls mit Hold votiert, allerdings mit einem höheren Kursziel von 445 US-Dollar, während RBC Capital am selben Tag mit Buy und einem Kursziel von 480 US-Dollar deutlich mehr Potenzial sieht und GLJ Research mit 24,86 US-Dollar auf Sell steht.
Im NASDAQ-Handel schloss die Tesla-Aktie bei rund 365,44 US-Dollar, ein Plus von 0,52 Prozent.
Ob Tesla auf der IAA Transportation auch einen Preis und einen möglichen Fertigungsstandort für den europäischen Semi nennt, ist bislang offen und dürfte für Anleger der nächste konkrete Anhaltspunkt sein, wie ernst der Autobauer den Markt für schwere Nutzfahrzeuge in Europa angeht.
Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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