Spätphasenstudie

Novartis-Aktie zweistellig unter Druck: Neuromuskulärer Wirkstoff verfehlt Studienziel


Novartis-Aktie zweistellig unter Druck: Neuromuskulärer Wirkstoff verfehlt Studienziel

Der Pharmakonzern Novartis muss nach dem Studienflop mit dem Herz-Kreislauf-Mittel Pelacarsen einen weiteren Rückschlag hinnehmen.

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In klinischen Tests der fortgeschrittenen Phase III mit dem Medikament Del-desiran gegen die Muskelkrankheit Myotone Dystrophie (Typ 1) verfehlten die Schweizer ihr vorrangiges Studienziel, wie sie am Dienstag mitteilten. Der Konzern betonte zugleich, dass trotz des neuerlichen Rückschlags die Prognose von 5 bis 6 Prozent jährlichem Umsatzwachstum für den Zeitraum 2025 bis 2030 nicht angetastet wird.

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Das Mittel Del-desiran galt als Herzstück der nicht ganz unumstrittenen Übernahme des US-Biotechunternehmens Avidity für 12 Milliarden US-Dollar. Das Scheitern der Studie dürfte nun erneut Fragen zum Prüfprozess von Novartis und zum Vorgehen bei seiner Geschäftsentwicklung aufwerfen, konstatierte Jefferies-Analyst Michael Leuchten in einer ersten Reaktion.

Novartis hatte Del-desiran den Angaben zufolge über einen Zeitraum von 54 Wochen an rund 150 Patienten untersucht. Dabei wurde getestet, ob das Mittel die bei der Erkrankung auftretende Muskelversteifung und damit die Beweglichkeit der Hände verbessern kann. Als primärer Endpunkt galt dabei die Zeit, wie schnell ein Patient eine geballte Faust wieder öffnen kann. Es zeigte sich nach Angaben des Konzerns jedoch kein statistisch signifikanter Vorteil im Vergleich zu jener Testgruppe, die nur ein wirkstofffreies Placebo erhalten hatte.

In weiteren Untersuchungen gab es laut dem Konzern zwar Hinweise auf eine Wirkung in Bezug auf weitere Studienziele wie die Muskelstärke. Novartis will die vollständigen Daten auswerten und anschließend mit den Gesundheitsbehörden über das weitere Vorgehen beraten.

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Bei der Myotonen Dystrophie Typ 1 handelt es sich um eine fortschreitende Erkrankung der Muskeln und weiterer Organe, für die es bislang keine zugelassene Behandlung gibt. Del-desiran ist ein sogenanntes Antikörper-Oligonukleotid-Konjugat, das darauf ausgelegt ist, die Ursache der Krankheit auf molekularer Ebene zu bekämpfen.

Erst am Freitag hatte Novartis vermeldet, dass eine Studie mit dem Herz-Kreislauf-Mittel Pelacarsen ihr primäres Ziel verfehlt hatte. Das Medikament galt als potenzieller Kassenschlager.

Parallel dazu schreitet die Entwicklung weiterer Medikamente aus derselben Wirkstoffklasse wie Del-desiran voran, wie das Unternehmen betonte. Für Del-zota, das bei einer bestimmten Form von Duchenne-Muskeldystrophie eingesetzt werden soll, hat die US-Arzneimittelbehörde eine beschleunigte Prüfung eingeleitet. Für Del-brax, das gegen die Gliedergürtel-Gesichts-Muskeldystrophie entwickelt wird, plant Novartis ein Gespräch mit der US-Arzneimittelbehörde über die nächsten Schritte.

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Novartis stark unter Druck - Schon wieder Studie gescheitert

Ein weiterer Studienmisserfolg hat die Aktien von Novartis am Dienstag schwer belastet. Mit einem Abschlag von zuletzt 10,12 Prozent bei 112,76 Franken notierten die Aktien des Pharmakonzerns abgeschlagen als Schlusslicht des Schweizer Leitindex SMI. Grund für den Kursrutsch ist eine erneut gescheiterte Studie. Dieses Mal zu einem Wirkstoff gegen die Muskelkrankheit Myotone Dystrophie Typ 1.

Die Studie namens Harbor untersuchte über 54 Wochen rund 150 Patienten und maß als Hauptziel die Zeit, die Betroffene benötigen, um ihre Hand zu öffnen - ein Maß für die typische Muskelsteifigkeit bei dieser Erkrankung. Wie es in einer aktuellen Konzernmitteilung hieß, zeigte das Medikament jedoch in sekundären Endpunkten etwa in Bezug auf die Muskelkraft und ergänzenden Analysen Hinweise auf eine klinische Wirksamkeit.

Für James Quigley von Goldman Sachs bedeutet das verfehlte Studienziel ein Risiko für die längerfristigen Ziele von Novartis. Auch geht er davon aus, dass sich der Marktstart von Del-Desiran zumindest verzögern dürfte, wenn nicht komplett entfallen könnte. In letzterem Fall würde seine Bewertung der Aktie um rund 5 Prozent sinken. Aktuell ruft er ein Kursziel von 113 Franken auf.

Analyst Michael Leuchten von Jefferies hatte in einer Studie vom Sonntag noch geschrieben, die Harbor-Studie müsse nun "liefern", es gebe allerdings "Restrisiken" mit Blick auf ihren Ausgang. Die Übernahme des Entwicklers des Wirkstoffes, des US-Unternehmens Avidity Biosciences, habe die Schweizer 12 Milliarden US-Dollar gekostet. "Um diesen Preis zu rechtfertigen, muss die Harbor-Studie klappen", schrieb der Experte noch vor der Veröffentlichung der Resultate.

Dass jetzt ein enttäuschendes Ergebnis dabei herauskam, dürfte erneut Fragen über den Prüfprozess bei Novartis und das Vorgehen bei der Geschäftsentwicklung aufwerfen, kommentierte Leuchten in einer ersten Reaktion. Zudem könnten Investoren sich auch Sorgen um den Erfolg der Studien an Del-Brax als weiteres Mittel aus derselben Wirkstoffklasse machen. Problematisch sieht Leuchten zudem die Wachstumsziele bis 2030 an - hier könnte womöglich das angestrebte Wachstum im mittleren einstelligen Bereich ohne weitere Übernahmen als nicht mehr erreichbar angesehen werden. Zugleich stehe hinter neuen Zukäufen ebenfalls ein Fragezeichen, so der Experte.

Am Montag hatte der Misserfolg mit dem Herzmedikament Pelacarsen gleich mehrere Aktien unter Druck gesetzt, darunter auch die von Novartis. Die Schweizer sind Lizenznehmer dieses Produkts. Durch den Kursrutsch schrumpft der bisherige Jahresgewinn auf ein kleines Plus.

dpa-AFX

Bildquellen: lucarista / Shutterstock.com, Gil C / Shutterstock.com

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Datum Rating Analyst
22.09.26 Novartis Sell Goldman Sachs Group Inc.
18.09.26 Novartis Hold Deutsche Bank AG
17.09.26 Novartis Neutral UBS AG
15.09.26 Novartis Hold Deutsche Bank AG
11.09.26 Novartis Hold Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)

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