Wells Fargo sieht massives Potenzial für die Disney-Aktie - unter dieser Bedingung
Ein Analyst von Wells Fargo stellt das jahrelange Streaming-Engagement von Disney komplett infrage und sieht darin ungenutztes Kurspotenzial für die Aktie.
Werte in diesem Artikel
- Wells Fargo hält Ausstieg aus Streaming-Geschäft für lukrativ
- Kursziel sinkt trotz optimistischer Einstufung
- Rückkehr zum Lizenzmodell könnte Milliarden US-Dollar einbringen
Ein Analyst von Wells Fargo bringt in einer kürzlich veröffentlichten Analyse, die Investing.com vorliegt, eine radikale Idee ins Spiel. Der Unterhaltungskonzern Walt Disney solle sein Streaming-Geschäft komplett aufgeben und zum alten Lizenzmodell zurückkehren. Nach Einschätzung von Analyst Steven Cahall könnte allein dieser Schritt der Aktie ein Aufwärtspotenzial von rund 40 Prozent verschaffen.
Cahall argumentiert, Disney solle sich aus dem direkten Vertrieb an Endkunden zurückziehen und wieder primär Inhalte produzieren, statt sie selbst über eine eigene Plattform zu verteilen. Damit würde der Konzern dem seit 2019 verfolgten Streaming-Kurs den Rücken kehren, der laut Cahall über Jahre Lizenzeinnahmen gekostet und die Bewertung der Aktie belastet habe. Ein Rückzug aus dem eigenen Streaming-Angebot solle stattdessen das Ergebnis pro Aktie entlasten und den Fokus des Managements auf geistiges Eigentum sowie die Erlebnispark-Sparte schärfen. Bemerkenswert ist dabei vor allem der Bruch mit der seit Jahren gültigen Branchenlogik, wonach ein Medienkonzern ohne eigene Streaming-Plattform kaum als zukunftsfähig gilt.
Warum Disneys Lizenzgeschäft locken könnte
Der Analyst rechnet vor, dass ein Wholesale-Modell bis zum Geschäftsjahr 2028 jährliche Lizenzeinnahmen von mehr als 15 Milliarden US-Dollar einbringen könnte, was den Gewinn je Aktie um rund 10 Prozent beziehungsweise mehr als 9 US-Dollar je Anteilsschein steigern würde. So stellt Cahall die Rechnung auf, dass Sony branchenüblich über eine Milliarde US-Dollar jährlich für seinen Pay-1-Filmdeal bekomme, und dass Disney aufgrund seines rund dreifachen Anteils am weltweiten Box Office allein aus einem vergleichbaren Pay-1-Lizenzdeal auf knapp 4 Milliarden US-Dollar kommen könnte. Zusätzliche Zweitverwertungsfenster und der Rückgriff auf das umfangreiche Filmarchiv des Konzerns könnten die Einnahmen laut Cahall weiter erhöhen. Das margenschwache Streaming-Geschäft komme der Analyse zufolge bis zum Geschäftsjahr 2027 dagegen nur auf eine operative Marge von etwa 13 Prozent.
Kursziel für Dinsey-Aktie sinkt, Einstufung bleibt optimistisch
Trotz der optimistischen Grundthese kappt Wells Fargo sein Kursziel für die Aktie von 146 auf 125 US-Dollar, was das Analystenhaus mit schwierigen makroökonomischen Faktoren und leichten Anpassungen bei den Kinoerwartungen begründet. Die Einstufung "Overweight" bleibt davon unberührt.
Zum Vergleich: Der Analystenkonsens für die Aktie liegt Stand Juli 2026 bei einem mittleren Kursziel von rund 130 US-Dollar aus 28 ausgewerteten Schätzungen, mit einer Spanne von 88 bis 163 US-Dollar. Von diesen 28 Analysten raten 24 zum Kauf und 6 zum Übergewichten, zwei zum Halten und nur eine einzige Stimme empfiehlt den Verkauf. Das Kursziel von Wells Fargo liegt damit knapp unterhalb des Durchschnitts, die grundsätzlich positive Tendenz der Analystengemeinde deckt sich aber mit der "Overweight"-Einstufung. Wie stark ein derart grundlegender Strategiewechsel den fairen Wert der Aktie tatsächlich verändern würde, bleibt eine Modellfrage, die sich erst mit einer echten Managemententscheidung überprüfen lässt.
Die Disney-Aktie hat seit Monaten einen schweren Stand. So ging es in den letzten zwölf Monaten mehr als 20 Prozent nach unten. Zuletzt bewegte sich das Papier an der NYSE bei rund 97 US-Dollar. Im vorbörslichen NYSE-Handel zeigt sich die Disney-Aktie zeitweise 0,09 Prozent fester bei 97,24 US-Dollar.
Risiken für die Anlageidee
Der Vorschlag bleibt eine Denkfigur des Analysten, keine angekündigte Unternehmensstrategie. Ob das Management einen derart radikalen Kurswechsel überhaupt erwägt, ist offen, und ein Verzicht auf die eigene Streaming-Plattform würde Disney zugleich von der Preissetzung und den Reichweiten konkurrierender Anbieter wie Netflix abhängig machen, deren Bibliothek dann auch Disney-Inhalte enthalten könnte. Ebenso unsicher ist, ob sich das für die Lizenz-Rechnung nötige Kinopublikum angesichts des wachsenden Wettbewerbs um tägliche Streaming-Aufmerksamkeit dauerhaft halten lässt. Beide Punkte entscheiden darüber, ob die Kalkulation von Wells Fargo in der Praxis tatsächlich aufgeht, oder ob der Konzern durch den Rückzug am Ende Kontrolle über seine wertvollste Ressource verliert, ohne dass die Lizenzeinnahmen die Lücke vollständig schließen.
Martina Köhler, Redaktion finanzen.netDieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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| Datum | Rating | Analyst | |
|---|---|---|---|
| 07.05.26 | Walt Disney Outperform | Bernstein Research | |
| 02.02.26 | Walt Disney Kaufen | DZ BANK | |
| 13.11.25 | Walt Disney Overweight | JP Morgan Chase & Co. | |
| 22.08.25 | Walt Disney Kaufen | DZ BANK | |
| 06.08.25 | Walt Disney Buy | UBS AG |
