Plug Power-Aktie zieht kräftig an: Was hinter dem Pakt mit Arcadia eFuels steckt
Mehr als ein Gigawatt klingt nach Durchbruch, doch ein Detail aus dem Oktober 2023 rückt den neuen Auftrag aus Dänemark in ein anderes Licht.
Werte in diesem Artikel
- Wasserstoffkonzern liefert Elektrolyseure mit 280 Megawatt nach Dänemark
- Rahmenabkommen macht ihn zum Wunschlieferanten für über ein Gigawatt
- Investitionsentscheidung für das Projekt ENDOR steht weiterhin aus
Plug Power hat einen Liefervertrag über 280 Megawatt Elektrolyseleistung mit dem Kraftstoffentwickler Arcadia eFuels unterzeichnet. Der Markt honoriert das mit kräftigen Aufschlägen: Die Plug Power-Aktie kletterte im NASDAQ-Handel um 2,69 Prozent auf 1,9100 US-Dollar. Für zusätzliche Fantasie sorgt ein begleitendes Kooperationsabkommen, das weit über das dänische Projekt hinausreicht. Wie viel davon bereits fest vereinbart ist und wie viel noch Option bleibt, entscheidet allerdings darüber, wie belastbar der Kurssprung ist.
Was der Vertrag mit Arcadia eFuels umfasst
Im Zentrum steht Project ENDOR, die Vorzeigeanlage von Arcadia eFuels im Hafen von Vordingborg an der Südküste Seelands. Laut Pressemitteilung sollen dort Elektrolyseure vom Typ GenEco mit Ökostrom aus dem Netz rund 110 Tonnen Wasserstoff pro Tag erzeugen, den Arcadia mit abgeschiedenem Kohlendioxid zu Kerosin für herkömmliche Flugzeuge verarbeitet. Mit 280 Megawatt ist ENDOR fast dreimal so groß wie die Anlage mit 100 Megawatt, die Plug in der portugiesischen Raffinerie Sines von GALP Energia umsetzt. Dem Abschluss gingen drei Jahre gemeinsamer Ingenieursarbeit voraus. Geliefert wird allerdings erst, wenn das Projekt die formelle Freigabe zum Baustart erteilt.
Bevorzugter Lieferant für mehr als ein Gigawatt
Mindestens ebenso wichtig wie ENDOR selbst ist für Anleger, was danach kommt. Das Kooperationsabkommen macht Plug zum bevorzugten Elektrolyseurlieferanten für vier weitere Projekte von Arcadia in Europa und auf dem amerikanischen Kontinent, zusammen mehr als ein Gigawatt potenzieller Kapazität. Zudem erhält Arcadia vorrangigen Zugriff auf die Fertigung von Plug, sobald die Vorhaben voranschreiten. Konzernchef José Luis Crespo wertet das als Vertrauensbeweis für Technik und Produktion; Europa bleibe der aktivste Elektrolyseur-Markt des Unternehmens, und synthetisches Kerosin zähle zu den am schnellsten wachsenden Nachfragesegmenten, da Vorgaben für Flugkraftstoffe greifen. Rückenwind liefert die EU-Verordnung ReFuelEU Aviation, die an europäischen Flughäfen einen steigenden Anteil nachhaltiger Flugkraftstoffe vorschreibt, ab 2030 mit einer eigenen Quote für synthetische Kraftstoffe.
Die 280 Megawatt standen schon 2023 auf der Liste
Ganz neu ist die Geschichte allerdings nicht. Bereits im Oktober 2023 hatte Plug mitgeteilt, dass Arcadia eFuels das Unternehmen für ein System mit 280 Megawatt am Standort Vordingborg ausgewählt habe. Damals peilte Arcadia die finale Investitionsentscheidung für Mitte 2024 an, den kommerziellen Betrieb für Ende 2026. Knapp drei Jahre später ist ENDOR noch nicht über diese Hürde, und statt der damals genannten rund 120 Tonnen Wasserstoff täglich ist inzwischen etwas weniger eingeplant. Amy Hebert, Chefin von Arcadia eFuels, sagt laut Pressemitteilung, das Projekt sei auf dem Weg zur Investitionsentscheidung, der Liefervertrag eines von vielen bereits finalisierten Projektdokumenten. Neu ist damit vor allem die Verbindlichkeit des Vertrags, während die Pipeline jenseits von ENDOR aus Absichten besteht, nicht aus festen Bestellungen.
Plug Power-Aktie: Auftrag trifft auf laufenden Umbau
Einordnen lässt sich der Abschluss auch über die Zahlen, denn Plug Power steckt mitten im Umbau. Im August meldete der Konzern für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von rund 178 Millionen US-Dollar nach knapp 174 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal. Wichtiger war die Bruttomarge, die sich von rund minus 31 Prozent auf etwa null verbesserte, während der Mittelabfluss mit rund 61 Millionen US-Dollar um etwa 58 Prozent unter dem Vorquartal lag. Zugleich hob Plug das Wachstumsziel für den Umsatz 2026 auf 15 bis 16 Prozent an und sieht sich auf Kurs für ein positives EBITDAS im vierten Quartal. Wie das Unternehmen dabei mitteilte, werden aus Auswahlentscheidungen zunehmend feste Aufträge, etwa nach Investitionsentscheidungen für Projekte in Großbritannien und Australien.
Was die Partnerschaft für die Plug Power-Aktie bedeutet
Für die Plug Power-Aktie ist der Vertrag vor allem ein Signal: Ein Projekt, das seit knapp drei Jahren als Auswahlentscheidung in der Pipeline stand, ist einen Schritt näher an einen echten Auftrag gerückt. Das passt zur Erzählung des Managements, wonach sich Absichtserklärungen zunehmend in feste Bestellungen verwandeln. Umsatzwirksam wird ENDOR allerdings erst nach der finalen Investitionsentscheidung und Baufreigabe, und die mehr als ein Gigawatt aus dem Kooperationsabkommen sind bislang Potenzial, keine Bestellungen. Ob der Kurssprung Bestand hat, dürfte daher weniger von der Meldung selbst abhängen als davon, ob Arcadia den Zeitplan diesmal hält und Plug beim Umbau Kurs auf das angepeilte positive EBITDAS im vierten Quartal hält.
Benedict Kurschat, Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net
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