Studie: Deutschland ist für Kapitalgesellschaften Hochsteuerland
BERLIN (Dow Jones)--Deutschland gehört unter den Industrienationen zu den vier Ländern mit gestiegenen Steuersätzen für Kapitalgesellschaften. Damit zählt Deutschland für Kapitalgesellschaften zu den Hochsteuerländern, wie eine Studie zur Unternehmensbesteuerung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) zeigt. Dazu hat das IW Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ausgewertet. In anderen großen Industrienationen, wie etwa die USA, Großbritannien und Frankreich, seien die Steuersätze in den vergangenen Jahren dagegen zum Teil deutlich gesenkt worden.
"Sowohl beim nominalen als auch beim effektiven Steuersatz nimmt Deutschland unter den OECD-Ländern einen Spitzenplatz ein", erklärte die INSM. Die nominale Steuerbelastung für Kapitalgesellschaften habe in Deutschland im Jahr 2022 als gewichteter Durchschnitt der Städte und Gemeinden bei 29,8 Prozent gelegen. Innerhalb Europas liegt bei den OECD-Ländern nur in Portugal der tarifliche Steuersatz höher als in Deutschland.
Das Unternehmenssteueraufkommen in Deutschland ist demnach bei Kapitalgesellschaften innerhalb von zehn Jahren bis 2020 um 45 Prozent gestiegen - weit stärker als in vergleichbaren Industrieländern. Dabei beinhaltet das Unternehmenssteueraufkommen nach Abgrenzung der OECD die Körperschaftsteuer sowie die anteilige Gewerbesteuer und Kapitalertragsteuer der Kapitalgesellschaften.
Bundesregierung muss bei Steuern handeln
Angesichts der hohen Steuerbelastung in Deutschland fordert die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft die Bundesregierung zum Gegensteuern auf.
"Deutschland ist Höchststeuerland und fällt im Standortwettbewerb immer weiter zurück. Andere Länder machen ihre Hausaufgaben, senken die Unternehmenssteuern und machen sich attraktiv für Investoren, während Deutschland seinen Unternehmen immer mehr Steuern abverlangt", sagte INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben. "Die Politik muss schnell umsteuern, wenn wir nicht weitere Unternehmen und damit am Ende auch Steuerzahler verlieren wollen. Nur mit einer solchen Angebotspolitik werden wir im Standortwettbewerb bestehen."
Bei Steuersatz für Mittelstand über dem OECD-Durchschnitt
Auch im Bereich der Einkommensteuer, die vor allem von vielen Mittelständlern gezahlt wird, liegt der Studie zufolge Deutschland beim Spitzensteuersatz mit 47,5 Prozent ganze 5 Prozentpunkte über dem OECD-Durchschnitt.
Nur 14 OECD-Länder hätten noch höhere Steuersätze, während 23 Länder mit geringeren Steuersätzen für sich werben können.
Die Steuer- und Abgabenquote insgesamt, also der Anteil von Steuern und Sozialabgaben am Bruttoinlandsprodukt, liegt in Deutschland mit 37,9 Prozent um 4,3 Prozentpunkte über dem OECD-Durchschnitt. Nur elf Länder hätten eine noch höhere Steuer- und Abgabenquote, 26 Länder eine niedrigere.
Die bislang letzte Reform der Unternehmensbesteuerung in Deutschland datiert aus dem Jahr 2008, als Deutschland zuvor europaweit den höchsten Steuersatz auf Gewinne von Kapitalgesellschaften einforderte.
Der Körperschaftsteuersatz wurde 2008 von 25 Prozent auf 15 Prozent gesenkt. Gleichzeitig wurde die Gewebesteuermesszahl von 5 Prozent auf den heutigen Wert von 3,5 Prozent gesenkt, allerdings konnte die Gewerbesteuer mit der Reform nicht mehr als Betriebsausgabe geltend gemacht werden. Als Folge kommunaler Hebesatzerhöhungen bei der Gewerbesteuer ist die Steuerbelastung in Deutschland der Studie zufolge seit 2008 im Durchschnitt wieder leicht gestiegen. Dabei unterscheidet sich die Steuerlast je nach Kommune.