Umfrage: Unternehmen weniger zufrieden mit Krisenpolitik
BERLIN (Dow Jones)--Die Zustimmung der Wirtschaft zur Krisenreaktion der Bundesregierung nimmt leicht ab. Inzwischen bekommt das Management der Regierung von Unternehmen nur noch die Note 3,1 im Vergleich mit der Note 2,9 im Frühsommer, so das Ergebnis einer von der Stiftung Familienunternehmen beauftragte Unternehmensbefragung des Ifo-Instituts.
In zehn von elf abgefragten Kategorien verschlechterten sich die Bewertungen in der im Oktober durchgeführten Umfrage. Die von den Behörden angeordneten Betriebsschließungen werden mit der Note 3,9 am schlechtesten gesehen. Es folgen Staatsbeteiligungen an notleidende Unternehmen (3,7) und die Möglichkeit zur Stundung von Mietzahlungen (3,4). Auch die Zensuren für das Kurzarbeitergeld (1,8) sowie die Möglichkeit zu Steuerstundungen (2,4) haben sich im Jahresverlauf verschlechtert. Die Bewertung der KfW-Kredite blieb stabil bei 3,0.
Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen forderte als Konsequenz, dass die deutsche Volkswirtschaft dringend auch gegenüber künftigen Schocks abgesichert werden müsse. "Wir müssen uns auf eine lang andauernde Situation einstellen und dabei die Balance zwischen einem effizienten Gesundheitsschutz und unserem gemeinschaftlichen Interesse an einer Fortführung der wirtschaftlichen Aktivitäten wahren", so Kirchdörfer. "Wir können nicht auf jede Krise mit neuen steuerfinanzierten Rettungspaketen reagieren, die auch zu Wettbewerbsverzerrungen führen."
Ausweitung der steuerlichen Verlustrückträge stärkt Resilienz
Vordringlich sei es, die Selbstheilungskräfte der Unternehmen nachhaltig zu stärken. Das beste Mittel wäre eine "deutliche Ausweitung der steuerlichen Verlustrückträge", um die Resilienz von Unternehmen in der gegenwärtigen Krise zu steigern. "Die meisten Unternehmen brauchen keine staatliche Alimentierung, alle aber gute und solide Rahmenbedingungen, um Eigenkapital und Liquidität zu sichern und aufzubauen", sagte Kirchdörfer. Mit der Ausweitung der Verlustrückträge wäre sichergesellt, dass auch nur Unternehmen mit einem soliden Geschäftsmodell Hilfen erhielten. Streuverluste und Wettbewerbsverzerrungen würden vermieden, so die Familienunternehmen.
Die meisten der bereits auf den Weg gebrachten staatlichen Hilfsmaßnahmen nutzen die Unternehmen zurückhaltend. Auf die Kurzarbeit, die aus Mitteln der Arbeitslosenversicherung finanziert wird, greift mehr als der Hälfte der Unternehmen zu; Steuerstundungen nehmen 36,4 Prozent in Anspruch.
Deutlicher seltener wurden die Soforthilfen (18,7 Prozent) genutzt, Kredite (10 Prozent) sowie Mietstundungen (6,8 Prozent). Staatsgarantien beziehungsweise Bürgschaften akzeptierten sogar nur 0,9 Prozent. Stattdessen setzen die Unternehmen viel daran, aus eigener Kraft die Resilienz zu erhöhen. 45 Prozent der Unternehmen haben als Reaktion auf die Corona-Pandemie Krisenpläne erstellt, ergab die Umfrage. 33 Prozent haben den Vertrieb digitalisiert. Jedes fünfte Unternehmen hat das Produkt- und Dienstleistungsangebots neu ausgerichtet.
Keine Deglobalisierung der Lieferketten
Bislang hat die Corona-Pandemie nicht zu flächendeckenden Verlagerungen von Produktion ins Ausland oder Inland geführt, so das Ergebnis der Studie. Eine Verlagerung von Lieferketten nach Deutschland oder ins Ausland planen nur 3 beziehungsweise 2 Prozent der Unternehmen. Wichtiger für die Unternehmen ist hingegen der Ausbau der Lagerhaltung (19 Prozent) oder Anpassungen ihres Zuliefernetztes (13 Prozent).
Aus Sicht von 94 Prozent der Unternehmen lässt sich die Resilienz der Volkswirtschaft durch den Ausbau der digitalen Infrastruktur erhöhen. Steuerliche Förderung der Eigenkapitalbildung nannten 92 Prozent und damit an zweiter Stelle, Bildung strategischer Reserven an medizinischen Produkten sahen 88 Prozent als wichtig an. Für 78 Prozent der Unternehmen würde eine Konsolidierung der Staatsfinanzen zur Widerstandsfähigkeit der Volkswirtschaft beitragen. Die Einführung von Euro-Bonds erachten 68 Prozent der Unternehmen als nicht geeignet.
"Unsere Familienunternehmen haben Schritte unternommen, um in jeder dieser Phasen die Resilienz zu erhöhen", fasste Kirchdörfer die Ergebnisse zusammen. "Sie sind gut aufgestellt, um aus eigener Kraft durch die Krise zu steuern. Wichtig ist, dass wir ihnen jetzt keine Steine in den Weg legen. So können wir schnell wieder zu Wachstum zurückkehren, Beschäftigung sichern und am Ende auch zur Konsolidierung des Staatshaushalts beitragen."
An der im Oktober beauftragen Studie nahmen 1.104 Unternehmen teil. In der im Frühsommer beauftragten Umfrage für den Jahresmonitor der Stiftung wurden 2.452 Unternehmen gefragt.
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November 09, 2020 04:36 ET (09:36 GMT)